„Hört nicht auf Mo­mo“

ONLINESICHERHEIT Neu­er Ho­ax im Um­lauf – aber noch nicht in Lu­xem­burg

Tageblatt (Luxembourg) - - Faits De Société - Re­né Hoff­mann

Die „Mo­mo Chal­len­ge“ist kein Com­pu­ter­spiel. Es han­delt sich viel­mehr um ei­nen

Ho­ax, der für Kin­der und Ju­gend­li­che dra­ma­ti­sche Fol­gen ha­ben kann. In Bel­gi­en und Frank­reich sol­len sich jun­ge Men­schen im Rah­men des Spiels das Le­ben ge­nom­men ha­ben. In Lu­xem­burg ge­ben die Be­hör­den aber Ent­war­nung. Ach­tung, wenn Sie Nach­rich­ten von Mo­mo er­hal­ten. Der Whats­App-Ac­count mit un­be­kann­ter Her­kunft – die Vor­wahl der Nach­richt va­ri­iert von Emp­fän­ger zu Emp­fän­ger – for­dert näm­lich die Adres­sa­ten auf, bei ei­nem Spiel mit­zu­ma­chen. Das kann aber le­bens­ge­fähr­lich wer­den. Schickt man den Ket­ten­brief nicht wei­ter, wird mit Sank­tio­nen ge­droht. Be­son­ders Kin­der und Ju­gend­li­che wer­den von Mo­mo an­vi­siert. Be­reits vor ei­ni­gen Wo­chen warn­te die spa­ni­sche Po­li­zei vor dem Spiel. Trotz­dem ver­brei­te­te es sich schnell quer durch Eu­ro­pa. Nun woll­te die LSAP-Ab­ge­ord­ne­te Tai­na Bof­fer­ding von der Re­gie­rung wis­sen, ob auch in Lu­xem­burg Fäl­le fest­ge­stellt wur­den und was die Au­to­ri­tä­ten ge­gen den ge­fähr­li­chen Ket­ten­brief zu tun ge­den­ken.

In ih­rer Ant­wort be­to­nen die Mi­nis­ter, dass es sich bei Mo­mo um ei­nen so­ge­nann­ten Ho­ax han­de­le, al­so ei­ne Fal­sch­mel­dung. Die­se Nach­rich­ten wür­den sich durch ih­ren pa­ni­schen, ja manch­mal auch ag­gres­si­ven Ton aus­zeich­nen. Ihr Ziel: Ängs­te schü­ren. Das kön­ne aber be­son­ders bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen pro­ble­ma­tisch wer­den, er­klär­te ein Psy­cho­lo­ge. Denn oft wüss­ten die­se nicht die Ri­si­ken und Fol­gen rich­tig ein­zu­schät­zen.

In Bel­gi­en und in Frank­reich soll es an­geb­lich be­reits je­weils zu ei­nem Selbst­mord in­fol­ge von Mo­mo ge­kom­men sein. Dort war­nen die Be­hör­den und El­tern in­zwi­schen vor­sorg­lich vor dem Ket­ten­brief. Laut Re­gie­rung stellt Mo­mo im Au­gen­blick hier­zu­lan­de aber noch kei­ne ernst zu neh­men­de Ge­fahr dar. Bis­lang sei noch kein Fall in Lu­xem­burg re­gis­triert wor­den, wur­de in der Ant­wort er­klärt.

Die Hel­pli­ne von Bee Se­cu­re, der ge­mein­sa­men In­itia­ti­ve der Mi­nis­te­ri­en für Wirt­schaft, Fa­mi­lie, In­te­gra­ti­on und Bil­dung, Kin­der und Ju­gend für die Com­pu­ter­und Netz­si­cher­heit, ha­be le­dig­lich ein paar An­ru­fe von Per­so­nen er­hal­ten, die all­ge­mei­ne In­for­ma­tio­nen über das Phä­no­men ein­ho­len woll­ten. Und auch das EU-Netz­werk In­safe ha­be noch kei­nen be­stä­tig­ten Fall von Mo­mo mit­ge­teilt.

Ho­a­xes sei­en im Netz zu­dem re­gel­mä­ßig zu fin­den, heißt es wei­ter von­sei­ten der Re­gie­rung. Vie­le wür­den kaum be­ach­tet, ei­ni­ge aber wür­den den Weg in die Pres­se fin­den. Das ver­stär­ke die Auf­merk­sam­keit und er­hö­he die Ver­brei­tung der Mel­dung. Un­ter die­se Ka­te­go­rie fal­le Mo­mo. Auch die Po­li­zei ver­sucht zu be­ru­hi­gen. Auch ihr wur­de noch kein Fall be­rich­tet. Mo­mo sei nicht ge­fähr­li­cher als an­de­re sol­cher Ket­ten­brie­fe, er­klär­te uns ein Be­am­ter.

Die von uns kon­tak­tier­ten Psy­cho­lo­ge und IT-Ex­per­te be­stä­tig­ten dies. Hält man die ele­men­ta­ren Vor­sichts­maß­nah­men in den so­zia­len Netz­wer­ken und im In­ter­net ein, mi­ni­miert man das Ri­si­ko, dass der Nach­wuchs von Mo­mo be­läs­tigt wird. Angst soll man auch nicht ha­ben vor Mo­mo. Die Fi­gur, die per Whats­App mit dem Brief mit­ge­sen­det wird, sei kei­ne rich­ti­ge Hor­ror­fi­gur. Es han­de­le sich da­bei um ei­nen Yo­kai, ei­nen Geist aus dem ja­pa­ni­schen Volks­glau­ben. Die Sta­tue sei in der Va­nil­la Gal­le­ry in To­kio aus­ge­stellt.

Nichts­des­to­trotz bleibt ein Un­be­ha­gen, vor al­lem bei den El­tern. Meh­re­re von ih­nen sag­ten, dass es schwer sei, an­dau­ernd die In­ter­net- und Han­dy-Ak­ti­vi­tä­ten des Nach­wuch­ses zu über­wa­chen, vor al­lem bei Te­enagern. Sie ga­ben auch zu be­den­ken, dass die Ju­gend­li­chen nicht mit den Er­wach­se­nen über sol­che Ho­a­xes spre­chen, oft aus Angst oder aus Scham. Dem vor­beu­gen könn­ten die El­tern aber, in­dem sie den Kin­dern die Ge­fah­ren des Net­zes er­klär­ten, sie bei ih­ren ers­ten Schrit­ten im „www“un­ter­stütz­ten und ih­nen klar zu ver­ste­hen gä­ben, dass sie im Zwei­fels­fall Rat bei ih­nen ein­ho­len kön­nen, so der Psy­cho­lo­ge. Das baue Ver­trau­en auf und er­hö­he die Selbst­si­cher­heit der Kin­der.

Bee Se­cu­re star­tet in die­sem Sin­ne auch re­gel­mä­ßig Kam­pa­gnen und edu­ka­ti­ve Ak­tio­nen. Auch wer­den Dos­siers und Leit­fä­den ver­öf­fent­licht, die als Ziel ha­ben, die po­ten­zi­el­len Ge­fah­ren zu iden­ti­fi­zie­ren und vor­zu­beu­gen. Bee Se­cu­re or­ga­ni­siert in die­sem Zu­sam­men­hang u.a. über 900 Kur­se im Jahr, da­von et­wa 800 in den Schu­len. Da­bei kom­men auch Ho­a­xes wie Mo­mo zur Spra­che.

Der Rat al­ler Ex­per­ten ist auf je­den Fall klar: „Hört nicht auf Mo­mo. Und in­for­miert die Er­wach­se­nen, wenn ihr von der Fi­gur kon­tak­tiert wer­det.“

Das ist die rich­ti­ge Mo­mo

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