Han­deln, be­vor es zu spät ist

UM­WELT „Mar­che pour le cli­mat“mor­gen auf dem Gla­cis

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseit­e - Luc La­boul­le

Der Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del ent­wi­ckelt sich zu ei­ner glo­ba­len so­zia­len Be­we­gung. Auch in Lu­xem­burg ge­hen im­mer mehr Men­schen auf die Stra­ße, so auch am Sams­tag.

Der Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del ent­wi­ckelt sich zu ei­ner glo­ba­len so­zia­len Be­we­gung. Auch in Lu­xem­burg ge­hen im­mer mehr Men­schen auf die Stra­ße, um für ei­nen po­li­ti­schen Sys­tem­wech­sel zu kämp­fen. Nur so kön­ne die Kli­ma­ka­ta­stro­phe ab­ge­wen­det wer­den, sa­gen die Be­tei­lig­ten. Im An­schluss an die „Ri­se for cli­ma­te“-De­mo am ver­gan­ge­nen 13. Ok­to­ber auf dem place Clai­re­fon­tai­ne ha­be sich in Lu­xem­burg ei­ne Grup­pe von Bür­gern zu­sam­men­ge­fun­den, um ei­ne Platt­form zu grün­den, er­klärt Dirk Haas, der seit drei Wo­chen Teil der Bür­ger­initia­ti­ve „Cli­ma­te Alarm Lu­xem­bourg“ist.

Vor dem Hin­ter­grund der COP24, die noch bis 14. De­zem­ber im pol­ni­schen Kattowitz statt­fin­det, wer­den welt­weit Pro­test­ak­tio­nen or­ga­ni­siert. In Lu­xem­burg wird die „Mar­che pour le cli­mat“am mor­gi­gen Sams­tag ver­an­stal­tet. Um 14.00 Uhr tref­fen sich die Ak­ti­vis­ten auf dem haupt­städ­ti­schen Gla­cis. Um 14.30 Uhr mar­schie­ren sie zur Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer. Ab 16.00 Uhr wird vor dem Ge­bäu­de auf dem Kraut­markt ein Fo­rum ab­ge­hal­ten. Je­der kann das Wort er­grei­fen und sei­nen Un­mut über den Kli­ma­wan­del zum Aus­druck brin­gen.

Die „Cli­ma­te Alarm“-Be­we­gung sei glo­bal ver­netzt, in 170 Städ­ten auf der gan­zen Welt wer­den am Sams­tag Men­schen auf die Stra­ße ge­hen, weiß Ode Vi­g­ne­ron, die die Be­we­gung in Lu­xem­burg mit­ge­grün­det hat. Der Bür­ger­initia­ti­ve ha­ben sich mitt­ler­wei­le auch die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen „Frè­res des Hom­mes“, CELL, Eti­ka, Attac und Eu­ro­so­lar an­ge­schlos­sen. „An­de­re zö­gern noch“, be­dau­ert Dirk Haas. Meh­re­re Künst­ler un­ter­stüt­zen die Initia­ti­ve und wer­ben da­für in ei­nem Vi­deo­spot, der seit Di­ens­tag über di­ver­se On­line­platt­for­men aus­ge­strahlt wird.

Dras­ti­sche Än­de­run­gen

„Cli­ma­te Alarm Lu­xem­bourg“for­dert dras­ti­sche Än­de­run­gen im Be­reich der Kli­ma­po­li­tik und be­ruft sich da­bei auf den Son­der­be­richt des Welt­kli­ma­ra­tes („In­ter­go­vern­men­tal Pa­nel on Cli­ma­te Chan­ge“) zur Be­gren­zung der Er­der­wär­mung auf ma­xi­mal 1,5 Grad Cel­si­us. Die­ses Ziel, das deut­lich un­ter der bis­lang an­ge­streb­ten Be­gren­zung von zwei bis drei Pro­zent im Ver­gleich zu vor­in­dus­tri­el­len Zei­ten liegt, kön­ne nur er­reicht wer­den, wenn die Treib­haus­gas­emis­sio­nen un­mit­tel­bar ge­senkt wer­den. Da­zu wer­de ei­ne deut­lich am­bi­tio­nier­te­re Kli­ma­schutz­po­li­tik ge­braucht, als sie bis­her von den meis­ten Staa­ten prak­ti­ziert und ge­plant wer­de, heißt es in dem Son­der­be­richt. Auch dem Ar­ten­schutz und der Be­sei­ti­gung so­zia­ler Un­gleich­hei­ten kommt in dem Be­richt ei­ne wich­ti­ge Rol­le für den Kli­ma­wan­del zu.

„Wir müs­sen han­deln, da­mit die Er­der­wär­mung die 1,5 Grad Cel­si­us nicht über­steigt. An­sons­ten ge­rät der Kli­ma­wan­del au­ßer Kon­trol­le, was ver­hee­ren­de Aus­wir­kun­gen auf ei­nen Teil der Mensch­heit ha­ben wird. Um zu ver­hin­dern, dass so et­was pas­siert, brau­chen wir Ak­tio­nen und Ge­set­ze“, er­läu­tert Ode Vi­g­ne­ron. Der ex­zes­si­ve Kon­sum und das Wirt­schafts­wachs­tum müss­ten be­grenzt wer­den, die Mensch­heit müs­se res­sour­cen­scho­nen­der le­ben.

„Bei ’Cli­ma­te Alarm Lu­xem­bourg‘ kom­men sehr un­ter­schied­li­che Leu­te zu­sam­men. Die ei­nen set­zen sich für Ab­fall­ver­mei­dung ein, an­de­re en­ga­gie­ren sich eher auf so­zia­ler oder wirt­schaft­li­cher Ebe­ne. Doch al­le sind sich ei­nig, dass so­fort et­was pas­sie­ren muss und nicht erst in zehn oder 20 Jah­ren. Denn bis da­hin wird es schon zu spät sein“, er­klärt Dirk Haas.

In ers­ter Li­nie ge­he es dar­um, die Be­völ­ke­rung auf die Pro­ble­ma­tik des Kli­ma­wan­dels hin­zu­wei­sen und ei­ne Dy­na­mik zu schaf­fen, die auch Druck auf die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger aus­übt, sagt Haas.

Zu we­ni­ge Rad­we­ge

In die Maß­nah­men der neu­en Re­gie­rung ha­ben die bei­den we­nig Ver­trau­en. „Es wird im­mer viel an­ge­kün­digt und am En­de än­dert sich dann doch nichts. Wir sind nicht um­sonst dort an­ge­kom­men, wo wir heu­te sind“, be­dau­ert Dirk Haas.

Noch im­mer wür­den Stra­ßen ge­baut, oh­ne Fahr­rad­we­ge an­zu­le­gen, mo­niert Ode Vi­g­ne­ron: „Rad­we­ge soll­ten heu­te ei­gent­lich selbst­ver­ständ­lich sein. Wie will man die Leu­te sonst da­zu be­we­gen, aufs Fahr­rad um­zu­stei­gen?“Vor al­lem sind die bei­den aber der Mei­nung, dass vie­le Po­li­ti­ker sich der Dring­lich­keit des Pro­blems nicht be­wusst sind. Die Ein­hal­tung der Agen­da 2030 der Ver­ein­ten Na­tio­nen, zu der sich die neue Re­gie­rung ver­pflich­tet hat, rei­che nicht, um den Kli­ma­wan­del auf­zu­hal­ten.

Das von der EU aus­ge­ge­be­ne Ziel, die Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2050 auf Null zu sen­ken, sei viel­leicht ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung, wer­de der Dra­ma­tik der Si­tua­ti­on aber nicht ge­recht. „Bis da­hin ist es zu spät“, sagt Dirk Haas.

Ode Vi­g­ne­ron (l.) und Dirk Haas wer­den am mor­gi­gen Sams­tag für das Kli­ma mar­schie­ren

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