Chi­na übt schwe­re Kri­tik an USA

HUA­WEI-FEST­NAH­ME Ver­dacht ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen Iran-Sank­tio­nen

Tageblatt (Luxembourg) - - Economie -

Nach der Fest­nah­me ei­ner Top­ma­na­ge­rin des chi­ne­si­schen Tech­no­lo­gie­kon­zerns Hua­wei in Ka­na­da ver­här­ten sich die Fron­ten zwi­schen dem Wes­ten und der Volks­re­pu­blik.

Laut In­si­dern er­folg­te die Fest­nah­me der Fi­nanz­che­fin Meng Wanz­hou im Zu­sam­men­hang mit US-Er­mitt­lun­gen, weil es den Ver­dacht ge­be, dass Hua­wei mit­hil­fe der Groß­bank HSBC Ge­schäf­te ge­tä­tigt ha­be, die ge­gen Iran-Sank­tio­nen ver­sto­ßen.

Ge­gen die­se Darstel­lung wehr­ten sich chi­ne­si­sche Staats­me­di­en am Frei­tag ve­he­ment – und hol­ten zum Ge­gen­schlag aus: Es sei „zwei­fels­oh­ne wahr und be­wie­sen“, dass die USA al­les ver­such­ten, um Hua­weis Ex­pan­si­on in der Welt ein­zu­däm­men, schrieb Chi­na Dai­ly.

Welt­größ­ter Netz­werk­aus­rüs­ter

Hua­wei ist mit sei­nen 180.000 Mit­ar­bei­tern der zweit­größ­te Pro­du­zent von Smart­pho­nes. Der Auf­stieg und der Aus­bau der Ge­schäf­te im Aus­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren war ra­sant. Al­ler­dings ist die Ei­g­ner­struk­tur un­durch­sich­tig. West­li­che Ge­heim­diens­te be­fürch­ten ei­ne Ein­fluss­nah­me durch die Re­gie­rung in Pe­king, Spio­na­ge und Stö­rung der na­tio­na­len Net­ze.

In den USA ist Hua­wei des­halb längst von Be­hör­den­auf­trä­gen aus­ge­schlos­sen. Auch EU-Tech­no­lo­gie­kom­mis­sar An­drus An­sip be­ton­te in Brüssel mit Blick auf Hua­wei und an­de­re chi­ne­si­sche Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne: „Wir müs­sen uns we­gen die­ser Un­ter­neh­men Sor­gen ma­chen.“In­si­dern zu­fol­ge plant nun auch Ja­pan, der Re­gie­rung den Kauf von Hua­weiAus­rüs­tung zu un­ter­sa­gen. Aus­tra­li­en und Neu­see­land ha­ben Hua­wei be­reits vom Auf­bau des neu­en 5G-Net­zes aus­ge­schlos­sen.

Hua­wei hat die Vor­wür­fe und Si­cher­heits­be­den­ken stets zu­rück­ge­wie­sen. Nach der Fest­nah­me der Fi­nanz­che­fin, die auch die Toch­ter des Fir­men­grün­ders ist, be­ton­te der Kon­zern zu­dem, sich an al­le Aus­fuhr­kon­trol­len und Sank­tio­nen zu hal­ten.

Meng war am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de fest­ge­setzt wor­den – qua­si zeit­gleich zum G20-Gip­fel in Ar­gen­ti­ni­en. Dort hat­ten USPrä­si­dent Do­nald Trump und sein chi­ne­si­scher Kol­le­ge Xi Jin­ping ei­nen 90-tä­gi­gen Burg­frie­den im Han­dels­streit ver­ein­bart.

Sor­gen, die­ser könn­te nun schon wie­der hin­fäl­lig sein, führ­ten am Don­ners­tag zu ei­nem re­gel­rech­ten Aus­ver­kauf an den Bör­sen welt­weit. Am Frei­tag sta­bi­li­sier­ten sich die Märk­te wie­der. Die Sor­gen vor ei­ner Ver­schär­fung des Han­dels­streits hal­ten aber wei­ter an.

Zwei US-Re­gie­rungs­ver­tre­ter be­ton­ten in­zwi­schen, Trump ha­be von der Fest­nah­me Wengs nichts ge­wusst. Die ka­na­di­sche Re­gie­rung nahm nach An­ga­ben von Mi­nis­ter­prä­si­dent Jus­tin Tru­deau kei­nen Ein­fluss auf die Ent­schei­dung zur Fest­nah­me der Ma­na­ge­rin. Sei­ne Re­gie­rung sei von den Be­hör­den ei­ni­ge Tage im Vor­aus in­for­miert wor­den. Nä­her woll­te sich Tru­deau nicht äu­ßern.

Be­reits Nach­fol­ger er­nannt

Meng muss nach ih­rer Fest­nah­me in Ka­na­da mit ei­ner Aus­lie­fe­rung in die USA rech­nen. Im Ta­ges­ver­lauf wur­de die 46-Jäh­ri­ge in Van­cou­ver vor Ge­richt er­war­tet. Bei der Haft­prü­fung geht es dar­um, ob Meng ge­gen Zah­lung ei­ner Kau­ti­on auf frei­en Fuß kommt. Es könn­te al­ler­dings auch sein, dass zu­nächst nur wei­te­re Ter­mi­ne fest­ge­setzt wer­den.

De­tails des Falls sind wei­ter­hin weit­ge­hend un­klar. Das ka­na­di­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um woll­te sich nicht wei­ter äu­ßern. Meng wie­der­um hat er­wirkt, dass Me­di­en nur ein­ge­schränkt über die vor­ge­leg­ten Ge­richts­do­ku­men­te be­rich­ten dür­fen.

Ein Spre­cher des chi­ne­si­schen Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums sag­te, we­der Ka­na­da noch die USA hät­ten Chi­na Hin­wei­se dar­auf ge­lie­fert, dass sie ge­gen Ge­set­ze in ei­nem der bei­den Län­der ver­sto­ßen ha­be. Er wie­der­hol­te die Auf­for­de­rung, Meng um­ge­hend frei­zu­las­sen. Da aber of­fen­bar Hua­wei da­mit nicht rech­net, wur­de in­zwi­schen Chair­man Liang Hua zu ih­rem kom­mis­sa­ri­schen Nach­fol­ger be­stellt.

Hua­wei steht seit Jah­ren im Vi­sier von Be­hör­den. Die USA er­mit­teln min­des­tens seit 2016, ob das Un­ter­neh­men das glo­ba­le Ban­ken­sys­tem nutz­te, um ge­gen den Iran ver­häng­te US-Sank­tio­nen zu um­ge­hen. Im Kern geht es um in den USA pro­du­zier­te Wa­ren, die in die Is­la­mi­sche Re­pu­blik ver­schifft wur­den. Un­ter­neh­men ist es ver­bo­ten, da­für das US-Ban­ken­sys­tem zu nut­zen. HSBC woll­te sich zu den Vor­wür­fen nicht äu­ßern. In­si­dern zu­fol­ge wird ge­gen die bri­ti­sche Groß­bank, die in Asi­en sehr prä­sent ist, nicht er­mit­telt. (Reuters)

Laut chi­ne­si­schen Staats­me­di­en ver­su­chen die USA al­les, um den Kon­zern zu brem­sen

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.