Was lan­ge währt, wird end­lich ...?

Tageblatt (Luxembourg) - - Klangwelten -

Nie zu­vor ist mir ei­ne Re­zen­si­on so schwer­ge­fal­len wie die­ses Mal – denn mit „Sky Bu­ri­al“hat der Ame­ri­ka­ner Ja­son Jos­hua Phil­lips ali­as Ech­tra 2013 ei­ne Göt­ter­ga­be ver­öf­fent­licht, die ich heu­te als mein ab­so­lu­tes Lieb­lings­al­bum be­zeich­ne! Fünf Jah­re spä­ter ist nun end­lich der fast eben­so lan­ge an­ge­kün­dig­te Nach­fol­ger da ... Der ers­te Wer­muts­trop­fen: „Bar­dO“wird es vor­erst nur auf Vi­nyl (mit Bo­nus-DVD!) ge­ben. Und die Mu­sik? Ge­spannt hal­te ich den Atem an ...

Die Plat­te – die wie bei Ech­tra üb­lich aus ei­nem, in zwei je 23-mi­nü­ti­ge Tracks ge­teil­ten, Song be­steht – be­ginnt wie „Sky Bu­ri­al“und das fast ge­nau­so ge­nia­le „Pa­ra­ga­te“(2011) mit ei­nem sphä­ri­schen Key­board-In­tro, ge­folgt von ei­nem lang­sa­men Akus­tik­gi­tar­ren-Part. So weit, so un­spek­ta­ku­lär. Aber auch „Sky Bu­ri­al“ent­fal­tet sei­ne vol­le Wucht erst nach ei­ni­gen Mi­nu­ten, mit ei­ner wun­der­vol­len Mi­schung aus Neo­folk à la Agal­loch, Am­bi­ent, Dro­ne und Spu­ren­ele­men­ten von („Cas­ca­di­an“) Black Me­tal wie z.B. Wol­ves In The Thro­ne Room. Phil­lips scheut auch nicht da­vor zu­rück, ein­zel­ne Tei­le ex­trem in die Län­ge zu zie­hen, wenn es dem Song dient. Die letz­ten zwei­ein­halb Mi­nu­ten von „I“so­wie Mi­nu­te 6:25 bis 11:00 von „II“auf „Sky Bu­ri­al“sind für mich schlicht und er­grei­fend (Letz­te­res im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes!) die schöns­ten, spi­ri­tu­ells­ten Mo­men­te der Mu­sik­ge­schich­te!

Lei­der reicht der Rah­men die­ses Re­views nicht aus, um mei­ne Ge­dan­ken und Ge­füh­le beim Hö­ren die­ser Mu­sik in Wor­te zu fas­sen. Fest steht al­ler­dings, dass „Bar­dO“fast schon na­tur­ge­mäß an die­sem Über­werk schei­tern muss. Wie sich im wei­te­ren Ver­lauf her­aus­stellt, sind die Zu­ta­ten wie er­war­tet die­sel­ben ge­blie­ben. Na­tur­ver­bun­de­ne, tran­szen­den­ta­le, im Folk und Black Me­tal ver­wur­zel­te Mu­sik, der man sich mit gan­zer Auf­merk­sam­keit und See­le wid­men muss. Be­dau­er­li­cher­wei­se feh­len mir auf die­sem an sich schö­nen Al­bum die ganz gro­ßen Gän­se­h­aut­mo­men­te, die es auch nur in die Nä­he sei­nes Vor­gän­gers rü­cken wür­den. Viel­leicht, wenn ich mei­nen Plat­ten­spie­ler auf ei­nen Berg oder in ei­nen ein­sa­men Wald schlep­pe ...?

Ste­ve Rom­mes

Bar­dOECH­TRA

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