Menschen wie wir

MENSCHEN WIE WIR (3) Lau­rent Bo­quet aus Esch

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Mar­co Goetz (Text), Isabella Fin­zi (Fo­tos)

Der drit­te Teil der Se­rie „Menschen wie wir“han­delt von Lau­rent Bo­quet aus Esch.

Ne­ben Ar­beit und po­li­ti­schem En­ga­ge­ment ist der 28-Jäh­ri­ge im Ver­eins­le­ben äu­ßerst ak­tiv.

Lau­rent Bo­quet, 28, mag sei­ne Ar­beit in der Per­so­nal­ab­tei­lung des CHEM. Nach Fei­er­abend stürzt er sich be­geis­tert ins Ver­eins­le­ben „sei­ner“Stadt. Au­ßer­dem ist er Prä­si­dent der lo­ka­len Jung­so­zia­lis­ten, Mit­glied im Ko­mi­tee des Ju­gend­hau­ses und – er sitzt im Pas­to­ral­rat. „Be­ne­vo­lat“ist ihm kein Fremd­wort. Er hat ein star­kes Be­dürf­nis, Menschen zu­sam­men­zu­brin­gen und ge­mein­sam et­was zu be­we­gen. An Ener­gie scheint es Lau­rent nicht zu man­geln. Escher Weih­nachts­markt am frü­hen Abend. Lei­se rie­selt der Re­gen. Die Stamm­kund­schaft schreckt das nicht ab. Es riecht nach Grill­wurst. Ir­gend­wo knis­tert ein wär­men­des Feu­er. Lau­rent sitzt in der „Glüh­wein­py­ra­mi­de“. Schein­bar ein ru­hi­ger Typ. Wa­che Au­gen. Sein Bier trinkt er aus der Fla­sche. Glüh­wein muss nicht sein.

Lau­rent sei Escher mit ei­nem Schön­heits­feh­ler, sagt Mi­ke, ein Kol­le­ge, und ver­weist auf die Kind­heit in Dü­de­lin­gen! Wenn das ein Ma­kel sein soll hat er al­ler­dings noch ei­nen zwei­ten: Ge­burts­ort ist näm­lich Nie­der­korn. Ab­ge­se­hen da­von ist Lau­rent zu 100% Escher. Seit 2010. Und seit acht Jah­ren ist er nicht nur da­bei, son­dern mit­ten­drin, wo und wenn die Mu­sik spielt.

Ein Mu­sik­in­stru­ment be­herrscht er nicht. Da­für weiß er, wie man beim Or­ga­ni­sie­ren al­le Re­gis­ter zieht. Bei­spiel Weih­nachts­markt: Spon­so­ren su­chen. Auf­trit­te von Künst­lern pla­nen. Kon­zep­te an­pas­sen. Ei­nem Ziel ver­pflich­tet: „Be­su­cher und Markt­leu­te sol­len sich wohl­füh­len.“ Und wenn Not am Mann ist, hilft Lau­rent auch beim Auf­bau­en der Cha­lets. Am Tag der Er­öff­nung at­met er auf: „Jetzt kommt Weih­nachts­stim­mung auf!“Auf den Fo­tos in der Zei­tung ist er ir­gend­wo am Bild­rand zu er­ken­nen. Er müs­se nicht im Mit­tel­punkt ste­hen, be­tont er – zu­frie­den über die ge­leis­te­te Ar­beit. Um die Zu­kunft des Mark­tes macht er sich kei­ne Sor­gen. Der „Escher Krëscht­mo­art“sei mehr als nur ein Fei­er­abend­treff: „Wäh­rend der Weih­nachts­zeit ist es the place to be“, so Lau­rent.

Al­les be­ginnt 2010 mit dem ers­ten Gay­mat in Esch. Als lang­jäh­ri­ges Mit­glied von „Ro­sa Lët­ze­buerg“kann Lau­rent sei­ne Er­fah­run­gen aus der Haupt­stadt ein­brin­gen. Es wird ein Er­folg. Die Leu­te vom „Syn­di­cat d’initia­ti­ve et de tou­ris­me“sind be­geis­tert. Seit­her ist Lau­rent mit an Bord. „Es macht mir Spaß, Events zu or­ga­ni­sie­ren und Menschen zu­sam­men­zu­brin­gen.“Das bringt Ab­wechs­lung zum Job im Kran­ken­haus: „Et­was zum An­fas­sen“, so nennt er es.

Un­tä­tig­keit ist nicht Lau­rents Ding. Des­halb wer­kelt er be­reits am nächs­ten Pro­jekt. Für An­fang 2019. Ei­ne Fast­nachts­re­vue. Sie­ben Escher Ver­ei­ne ge­stal­ten das Pro­gramm. „Ge­mein­sam“, un­ter­streicht er und lä­chelt froh.

Er wird nicht mü­de, die Be­deu­tung des Ver­eins­le­bens her­vor­zu­he­ben. Ver­ei­ne wür­den die so­zia­le Ko­hä­si­on för­dern und stär­ken, so Lau­rent. Der Kri­se im Be­ne­vo­lat ist er sich be­wusst: „Viel­leicht liegt es dar­an, dass Ju­gend­li­che nicht ge­nug ein­ge­bun­den sind, nicht spü­ren, wo sie Ver­ant­wor­tung über­neh­men dür­fen und sol­len.“Mit sei­nem En­ga­ge­ment im Ju­gend­haus oder als Prä­si­dent der Escher Jung­so­zia­lis­ten will er zur Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on bei­tra­gen.

Ein re­ges Ver­eins­le­ben wir­ke sich auch po­si­tiv auf die At­trak­ti­vi­tät der Stadt aus, sagt er. Ihm ge­fällt es, wenn „sei­ne“Stadt wahr­ge­nom­men wird. Ger­ne er­zählt er die Ge­schich­te der zwei chi­ne­si­schen Stu­den­tin­nen, die, auf ih­rer Rei­se von Ams­ter­dam nach Pa­ris, ei­nen Zwi­schen­stopp in Esch ein­le­gen: „Das zeigt mir, dass Esch ei­nen Platz auf der Welt­kar­te hat.“In die­sem Sin­ne sei­en die Ju­gend­her­ber­ge und na­tür­lich auch die Uni auf Bel­val wich­tig für die Ent­wick­lung der Stadt.

Aber da war ja noch was? Rich­tig! Esch 2022. Lau­rent über­legt und blickt hin­über zum Ge­mein­de­haus. „Jetzt heißt es Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit ver­ges­sen und end­lich Gas ge­ben“, be­tont er, „und so in­ves­tie­ren, dass Esch über 2022 hin­aus ei­nen Nut­zen aus dem Event zieht.“

Escher Weih­nachts­markt. Zwei Bier spä­ter. Der Re­gen wird stär­ker. Was­ser tröp­felt auf den Tre­sen. Lau­rent hat al­les im Blick. Wird er ein­grei­fen? Nein. Der Wirt stellt ei­nen Ei­mer hin. Al­les gut.

Lau­rent hat kei­nen Füh­rer­schein. Sei­ne vie­len We­ge durch Esch geht er zu Fuß. Auch in die Kir­che(n). „Seit ei­ni­gen Jah­ren sitzt er im Pas­to­ral­rat der Ge­mein­de: „Die Kir­che, ih­re Ri­tua­le und der Glau­be ge­ben Halt im Le­ben.“Er spricht von Seel­sor­ge­ver­ant­wor­tung. „Durch mei­nen Bei­trag kann ich Menschen hel­fen, ih­re Fü­ße wie­der auf den Bo­den be­kom­men.“Der Pas­to­ral­rat scheint Lau­rent sehr viel zu be­deu­ten: „Ich spü­re, dass ich da­zu­ge­hö­re.“

Er ist ita­lie­ni­scher Ab­stam­mung – vä­ter­li­cher­seits. An­ders als sein Va­ter spricht er die Spra­che kaum. Das hin­dert ihn aber nicht dar­an, ger­ne nach Gub­bio, in die Hei­mat der Vor­fah­ren, zu rei­sen. Lieb­lings­spei­se sei al­ler­dings nicht ir­gend­ein Pas­ta-Ge­richt, son­dern „Groß­mut­ters Boh­nen­ein­topf mit Pfann­ku­chen“, sagt Lau­rent ge­nuss­voll und fügt hin­zu: „Viel­leicht es­se ich all­ge­mein et­was zu viel!?“Dann muss er los. Er macht näm­lich ge­ra­de ei­ne Aus­bil­dung zum Kir­chen­füh­rer.

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