Schlag ge­gen die ’Ndran­ghe­ta

NACH­TRAG Zwei Fest­nah­men in Lu­xem­burg nach An­ti-Ma­fia-Raz­zia

Tageblatt (Luxembourg) - - Faits De Société - AH/Lg

Bei der bis­lang größ­ten ko­or­di­nier­ten An­ti-Ma­fia-Raz­zia in Eu­ro­pa ha­ben Fahn­der am Mitt­woch in meh­re­ren Län­dern rund 90 Ver­däch­ti­ge aus dem Um­feld der ita­lie­ni­schen ’Ndran­ghe­ta fest­ge­nom­men, dar­un­ter zwei Per­so­nen im Sü­den Lu­xem­burgs. An der Ope­ra­ti­on un­ter dem Deck­na­men „Pol­li­no“, die von der eu­ro­päi­schen Jus­tiz­be­hör­de Eu­ro­just ko­or­di­niert wur­de, wa­ren in Lu­xem­burg, den Nie­der­lan­den, in Ita­li­en, Deutsch­land und Bel­gi­en so­wie im süd­ame­ri­ka­ni­schen Su­ri­nam meh­re­re Hun­dert Po­li­zis­ten – dar­un­ter auch Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos – und Staats­an­wäl­te be­tei­ligt. Den fest­ge­nom­me­nen Per­so­nen wer­den ban­den­mä­ßi­ger Dro­gen­han­del, Geld­wä­sche und Mit­glied­schaft in ei­ner aus­län­di­schen kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung vor­ge­wor­fen.

4.000 kg Ko­ka­in be­schlag­nahmt

Zwei Män­ner im Al­ter von 23 bzw. 39 Jah­ren wur­den im Sü­den Lu­xem­burgs ver­haf­tet. Ih­re Woh­nun­gen wur­den im Zu­ge der Raz­zia eben­falls durch­sucht. Die Ver­däch­ti­gen wur­den dem Un­ter­su­chungs­rich­ter vor­ge­führt, der dar­über ent­schei­den wird, ob die bei­den nach Ita­li­en aus­ge­lie­fert wer­den.

Im Rah­men der Ope­ra­ti­on „Pol­li­no“wur­den Eu­ro­just zu­fol­ge 4.000 kg Ko­ka­in so­wie wei­te­re Dro­gen be­schlag­nahmt. Wel­che Men­gen bei den Haus­durch­su­chun­gen in Lu­xem­burg ge­fun­den wur­den, teil­te die Staats­an­walt­schaft nicht mit. Un­klar ist eben­falls, ob die Fest­nah­men in ir­gend­ei­ner Form im Zu­sam­men­hang mit den En­de No­vem­ber am Flug­ha­fen Fin­del be­schlag­nahm­ten 300 kg Ko­ka­in ste­hen.

Die Dro­gen wa­ren bei der La­dungs­kon­trol­le ei­nes Fracht­flie­gers aus Süd­ame­ri­ka si­cher­ge­stellt wor­den. Die Wa­re soll­te wei­ter in die Nie­der­lan­de ver­schickt wer­den und hat ei­nen ge­schätz­ten Stra­ßen­ver­kaufs­wert von 45 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die ’Ndran­ghe­ta hat ih­ren Ur­sprung in Ka­la­bri­en. Ih­re Wur­zeln rei­chen bis in die zwei­te Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts zu­rück. In Ita­li­en lief sie den Ma­fi­aOr­ga­ni­sa­tio­nen Co­sa Nos­tra aus Si­zi­li­en und Ca­mor­ra aus Nea­pel den Rang ab.

Die ’Ndran­ghe­ta hat ih­re kri­mi­nel­len Ma­chen­schaf­ten längst auf ganz Ita­li­en und ins Aus­land aus­ge­wei­tet. Nach An­ga­ben der ita­lie­ni­schen Be­hör­den ist sie die ein­zi­ge Ma­fi­aG­rup­pie­rung, die auf al­len Kon­ti­nen­ten prä­sent ist.

Mit 54 Mil­li­ar­den Eu­ro Jah­res­um­satz (Stand 2013) gilt sie als mäch­tigs­te Ma­fia-Or­ga­ni­sa­ti­on Eu­ro­pas. Wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­len sind der Dro­gen­han­del und die il­le­ga­le Müll­ent­sor­gung, ins­be­son­de­re von Gift­müll.

Eu­ro­pa­weit ha­ben Po­li­zis­ten Raz­zi­en durch­ge­führt, un­ter an­de­rem in ei­ner Eis­die­le in Duis­burg

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