Juncker ringt mit Ru­mä­ni­en

EU-RATSVORSITZ Re­gie­rung in Bu­ka­rest will „ehr­li­cher Mak­ler“sein

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Eric Bon­se, Brüs­sel

Der EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent re­det Bu­ka­rest ins Ge­wis­sen. Die Re­gie­rung sol­le sich zu­sam­men­rei­ßen – denn die nächs­ten Mo­na­te un­ter ru­mä­ni­schem EUVor­sitz wer­den schwie­rig.

Der Prä­si­dent der EU-Kom­mis­si­on re­det der Re­gie­rung in Bu­ka­rest ins Ge­wis­sen. Sie soll sich zu­sam­men­rei­ßen – denn die nächs­ten Mo­na­te un­ter ru­mä­ni­schem EU-Vor­sitz wer­den schwie­rig. Schon am Di­ens­tag droht Är­ger. Am En­de prä­sen­tier­ten sie sich doch noch ei­nig: „Ich ha­be vol­les Ver­trau­en in dich“, sag­te EUKom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker nach ei­nem Tref­fen mit der ru­mä­ni­schen Pre­mier­mi­nis­te­rin Vio­ri­ca Dan­ci­la am gest­ri­gen Frei­tag in Bu­ka­rest. „Wir wol­len ehr­li­che Mak­ler sein und po­si­ti­ve Er­geb­nis­se er­mög­li­chen“, be­teu­er­te Dan­ci­la zu Be­ginn der sechs­mo­na­ti­gen EURats­prä­si­dent­schaft ih­res Lan­des.

Doch vor­her hat­te es ge­wal­tig ge­kracht zwi­schen dem Lu­xem­bur­ger EU-Chef und der ru­mä­ni­schen Re­gie­rung. Noch vor dem Jah­res­wech­sel hat­te Juncker an­ge­zwei­felt, dass Bu­ka­rest reif für den EU-Vor­sitz sei. Die Re­gie­rung sei zwar tech­nisch gut vor­be­rei­tet. Er glau­be aber, dass sie noch nicht in vol­lem Um­fang be­grif­fen ha­be, „was es be­deu­tet, den Vor­sitz über die EU-Län­der zu füh­ren“.

Beim zwei­tä­gi­gen Be­such der EU-Kom­mis­si­on in Bu­ka­rest re­de­te Juncker der ru­mä­ni­schen Führung er­neut ins Ge­wis­sen. „Ru­mä­ni­en muss die in­ter­nen Be­din­gun­gen für ei­ne er­folg­rei­che Prä­si­dent­schaft schaf­fen“, sag­te Juncker. Er warn­te zu­gleich vor Ab­stri­chen bei der Rechts­staat­lich­keit. Ei­ne ge­plan­te Am­nes­tie für Kor­rup­ti­ons­de­lik­te wä­re ein Schritt zu­rück, so Juncker.

Seit dem Bei­tritt 2007 steht Ru­mä­ni­en un­ter be­son­de­rer Be­ob­ach­tung der EU-Kom­mis­si­on. Die Brüs­se­ler Be­hör­de kri­ti­sier­te zu­letzt un­ter an­de­rem „den Druck auf die un­ab­hän­gi­ge Jus­tiz im All­ge­mei­nen und ins­be­son­de­re auf die Na­tio­na­le Di­rek­ti­on für Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung so­wie wei­te­re Schrit­te, die der Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung zu­wi­der­lau­fen“. Zu­dem mo­niert sie Ein­schrän­kun­gen der Me­di­en und der Hand­lungs­frei­heit der Jus­tiz.

Br­ex­it ist ei­ne ers­te Her­aus­for­de­rung

Die größ­ten Rück­schrit­te hat es aus Brüs­se­ler Sicht seit dem An­tritt der so­zi­al­li­be­ra­len Re­gie­rung 2016 ge­ge­ben. Der Chef der re­gie­ren­den So­zi­al­de­mo­kra­ten, Li­viu Dragnea, ist we­gen Wahl­ma­ni­pu­la­tio­nen vor­be­straft. Er darf des­halb nicht selbst Mi­nis­ter­prä­si­dent wer­den, kon­trol­liert je­doch Par­tei und Re­gie­rung. Auch Pre­mier­mi­nis­te­rin Dan­ci­la kann sich kaum aus sei­nem Schat­ten lö­sen.

Beim Be­such von Juncker und sei­nem Team ver­such­te sie je­doch, die Zwei­fel zu zer­streu­en. In der Ab­schluss-Pres­se­kon­fe­renz stell­te Dan­ci­la die un­ge­wöhn­lich schwie­ri­ge EU-Agen­da her­aus, die Ru­mä­ni­en bis Ju­ni ab­ar­bei­ten muss. Ne­ben dem Br­ex­it, der am 29. März er­fol­gen soll, will sich Bu­ka­rest auch um das EU-Bud­get ab 2021 und um die Zu­kunft der EU küm­mern. Da­zu ist am 9. Mai so­gar ein Son­der­gip­fel in Si­biu ge­plant. Auch die Eu­ro­pa­wahl im Mai fällt in die ru­mä­ni­sche Prä­si­dent­schaft.

Der ers­te Stol­per­stein türmt sich schon am kom­men­den Di­ens­tag in Lon­don auf. Dann hat Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May die Ab­stim­mung zum EUAus­tritts­ver­trag an­ge­setzt. In Brüs­sel geht man mitt­ler­wei­le da­von aus, dass der im No­vem­ber mit May ge­schlos­se­ne Schei­dungs­ver­trag durch­fällt. Die Fra­ge sei ei­gent­lich nur noch, wie groß die Nie­der­la­ge wird, sag­te ein In­si­der.

Bei we­ni­gen Ge­gen­stim­men wä­re die EU wohl be­reit, noch län­ger auf May zu war­ten und ihr für ei­ne zwei­te Ab­stim­mung auch ein Stück ent­ge­gen­zu­kom­men. Soll­ten May und der Br­ex­it-Ver­trag je­doch auf mas­si­ven Wi­der­stand sto­ßen, so müss­te sich die EU auf ei­nen „har­ten“Br­ex­it mit Stö­run­gen im Schiffs-, Bahn- und Flug­ver­kehr so­wie mas­si­ven wirt­schaft­li­chen Schä­den ein­rich­ten.

Um das zu ver­hin­dern, su­chen EU-Di­plo­ma­ten hin­ter den Ku­lis­sen ver­zwei­felt nach Lö­sun­gen. Juncker sag­te in Bu­ka­rest, dass Brüs­sel be­reit sei, May mit schrift­li­chen Er­klä­run­gen zum Aus­trittsver­trag zu hel­fen. „Wir dis­ku­tie­ren dar­über mit Dow­ning Street, wie die­se Klar­stel­lun­gen aus­se­hen könn­ten“, sag­te er. Neue Ver­hand­lun­gen mit dem Ziel ei­ner Ver­trags­än­de­rung schloss er je­doch aus.

EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker sprach der ru­mä­ni­schen Pre­mier­mi­nis­te­rin Vio­ri­ca Dan­ci­la ges­tern nach an­fäng­li­chen Zwei­feln den­noch das Ver­trau­en für die be­vor­ste­hen­de sechs­mo­na­ti­ge EU-Rats­prä­si­dent­schaft aus

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