Gold: ein si­che­rer Ha­fen in wirt­schaft­lich un­ru­hi­gen Zei­ten

AN­LE­GER Wenn Ak­ti­en­kur­se schmel­zen, wird das Edel­me­tall in­ter­es­san­ter

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Je­an-Phil­ip­pe Sch­mit

2019 hat das Po­ten­zi­al, ein gol­de­nes Jahr zu wer­den. Meh­re­re Fak­to­ren könn­ten da­zu füh­ren, dass die Nach­fra­ge nach dem Edel­me­tall Gold steigt.

Im Jahr 2018 hat­te sich der Gold­preis in zwei Rich­tun­gen ent­wi­ckelt: Von Be­ginn des Jah­res bis zu den Mo­na­ten Sep­tem­ber/Ok­to­ber ver­bil­lig­te sich das Edel­me­tall. Die­se Ent­wick­lung konn­te sich bis zum Herbst, als es zu ei­nem Ak­ti­en­Aus­ver­kauf an den Bör­sen kam, hal­ten. Seit Ok­to­ber ist der Gold­preis wie­der um 7,5 Pro­zent ge­stie­gen. Dies führ­te da­zu, dass über das ge­sam­te Jahr 2018 ge­se­hen In­ves­ti­tio­nen in Gold im Ver­gleich zu an­de­ren An­la­ge­mög­lich­kei­ten sehr gut da­stan­den.

Die­ser po­si­ti­ve Trend soll laut Ex­per­ten des World Gold Coun­cil auch im Jahr 2019 an­hal­ten. Hier­für soll es meh­re­re Grün­de ge­ben – vor al­lem aber soll es dar­auf zu­rück­zu­füh­ren sein, dass vie­le Ak­ti­en trotz re­zen­ter Kor­rek­tu­ren an den Märk­ten im­mer noch über­be­wer­tet sind und die Er­trä­ge auf An­lei­hen „hart­nä­ckig tief“blei­ben.

2019 hat das Po­ten­zi­al, ein gol­de­nes Jahr zu wer­den. Meh­re­re Fak­to­ren könn­ten da­zu füh­ren, dass die Nach­fra­ge nach dem Edel­me­tall Gold steigt. Seit dem Jahr 2015 gibt es ei­nen neu­en Gold­rausch. Vie­le La­ger­stät­ten wur­den ent­deckt bzw. er­schlos­sen und be­ste­hen­de Mi­nen aus­ge­baut. Die­se Ent­wick­lung hat da­zu ge­führt, dass die Pro­duk­ti­on nun schon seit sechs Quar­ta­len in Fol­ge an­ge­stie­gen ist. Laut World Gold Coun­cil (WGC) soll im drit­ten Quar­tal 2018 so viel Gold pro­du­ziert wor­den sein wie noch nie zu­vor. In­ner­halb von drei Mo­na­ten wur­den 875,3 Ton­nen des Edel­me­talls ab­ge­baut.

Ent­ge­gen dem ei­gent­li­chen Trend kam we­ni­ger Gold aus Süd­afri­ka auf den Markt. Die Schlie­ßung der ver­lust­rei­chen Mi­nen Evan­der oder TauTo­na hat­te näm­lich zur Fol­ge, dass die Pro­duk­ti­on hier um rund ein Zehn­tel zu­rück­ging. In Chi­na ha­ben stren­ge­re Um­welt­nor­men in­des zu ei­nem ähn­li­chen Rück­gang ge­führt.

Durch Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen in an­de­ren Re­gio­nen, in de­nen Gold ge­won­nen wird, konn­te die­se Ent­wick­lung mehr als wett­ge­macht wer­den. Mit Stei­ge­run­gen von 34 bzw. 25% kann man Ma­li und Neu­gui­nea als neue Zen­tren des Gold­rauschs be­zeich­nen. Auch die klas­si­schen Gold­mäch­te Ka­na­da und Russ­land rin­gen ih­ren Mi­nen mehr von dem Edel­me­tall ab.

Aber nicht nur durch Gold­schür­fung aus Mi­nen wird das Edel­me­tall ge­won­nen, son­dern auch durch die Wie­der­ver­wer­tung. Die Men­ge des re­cy­cel­ten Gol­des konn­te im drit­ten Quar­tal 2018 um 4% auf 306,3 Ton­nen ge­stei­gert wer­den. Vor al­lem in der Tür­kei (+30%) und im Iran (+50%) wa­ren die Gold­schmel­zen im Dau­er­be­trieb. Fi­nanz­stress und dro­hen­de Sank­tio­nen ha­ben da­zu ge­führt, dass vie­le Kon­su­men­ten Gold ver­kauft ha­ben.

Der Gold­preis ent­wi­ckel­te sich im Jahr 2018 in zwei Rich­tun­gen: Von Be­ginn des Jah­res bis zu den Mo­na­ten Sep­tem­ber/Ok­to­ber ver­bil­lig­te sich das Edel­me­tall. Die Wirt­schaft dreh­te sich vor al­lem in den USA schnel­ler, In­ves­ti­tio­nen flos­sen vor­wie­gend in Ak­ti­en. Die­se Ent­wick­lung konn­te sich bis zum Herbst, als es zu ei­nem Ak­ti­en-Aus­ver­kauf an den Bör­sen kam, hal­ten. Das Geld floss teil­wei­se ins Edel­me­tall. Seit Ok­to­ber ist der Gold­preis um 7,5% ge­stie­gen.

Dies führ­te da­zu, dass über das ge­sam­te Jahr 2018 ge­se­hen In­ves­ti­tio­nen in Gold im Ver­gleich zu an­de­ren An­la­ge­mög­lich­kei­ten sehr gut da­stan­den. Öl-Ak­ti­en ha­ben rund ein Vier­tel an Wert ver­lo­ren und je­ne von an­de­ren Roh­stof­fen zwi­schen 10 und 15%. Gold-Ak­ti­en hat­ten so­gar ei­ne bes­se­re Per­for­mance als die Ak­ti­en­in­di­ces der auf­stre­ben­den Volks­wirt­schaf­ten oder die S&P-500- oder Nas­daq-In­di­ces.

Der Trend in Be­zug auf Gold wird laut WGC im Jahr 2019 an­hal­ten. Ex­per­ten be­stimm­ten drei Schlüs­sel­fak­to­ren, die dar­auf hin­wei­sen, dass die Nach­fra­ge nach dem Edel­me­tall auch im Jahr 2019 an­stei­gen wird.

Gold als Ab­si­che­rung ge­gen In­fla­ti­on

Auch wenn zu Be­ginn des Jah­res 2018 vie­le In­ves­to­ren ih­re mit Gold un­ter­leg­ten Fonds ab­ge­sto­ßen ha­ben – was zu Ab­flüs­sen von 103,2 Ton­nen Gold führ­te –, gab es über das ge­sam­te Jahr leich­te Zuflüs­se im In­vest­ment­be­reich.

Das WGC geht da­von aus, dass Fonds­ma­na­ger auch im neu­en Jahr In­ves­ti­tio­nen in Gold da­zu nut­zen wer­den, um die Port­fo­li­os ih­rer Kun­den zu di­ver­si­fi­zie­ren und ge­gen die stei­gen­de In­fla­ti­on ab­zu­si­chern. „Die zu­neh­men­de Un­ge­wiss­heit auf den Fi­nanz­märk­ten, die hö­he­re Wahr­schein­lich­keit ei­ner neu­en welt­wei­ten Re­zes­si­on und der Aus­bau von pro­tek­tio­nis­ti­schen Maß­nah­men – all das macht Gold als Ab­si­che­rung in­ter­es­sant“, so das WGC.

Trotz der re­zen­ten Markt­kor­rek­tu­ren sei­en vie­le Ak­ti­en im­mer noch über­be­wer­tet, die Er­trä­ge auf An­lei­hen blie­ben aber „hart­nä­ckig tief“. In­ves­ti­tio­nen in Gold ent­wi­ckeln sich seit je­her un­ab­hän­gig von den Ak­ti­en­oder An­lei­he­märk­ten und kön­nen Port­fo­li­os ge­gen all­zu gro­ße Ver­lus­te ab­si­chern.

Das WGC konn­te seit dem Jahr 2016 be­ob­ach­ten, dass vor al­lem In­ves­to­ren in Eu­ro­pa ver­stärkt Gold zu ih­ren Port­fo­li­os hin­zu­fü­gen. „Eu­ro­pa steht grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen ge­gen­über“, der Br­ex­it sei da­von die of­fen­sicht­lichs­te. Die so­zia­len Un­ru­hen in Frank­reich, Se­zes­si­ons­be­stre­bun­gen in Spa­ni­en und die po­pu­lis­ti­sche Re­gie­rung in Ita­li­en ha­ben bei vie­len In­ves­to­ren das In­ter­es­se an Gold wie­der ge­weckt.

Es gibt aber auch Grün­de, die ge­gen das Edel­me­tall spre­chen. Hö­he­re Zen­tral­bank­zin­sen und die Stär­ke des Dol­lars kön­nen das Gold teu­rer wer­den las­sen. „Die meis­ten Fak­to­ren ma­chen es aber at­trak­ti­ver“, meint das WGC. Auf län­ge­re Sicht wer­den das Auf­kom­men ei­ner neu­en Mit­tel­schicht in auf­stre­ben­den Volks­wirt­schaf­ten und die stän­dig zu­neh­men­de Nach­fra­ge nach Gold der Tech­nik­in­dus­trie den Gold­preis stüt­zen. Die Nach­fra­ge nach Gold wird die stei­gen­de Pro­duk­ti­on al­so über­tref­fen.

Wenn die Ge­win­ne der Ak­ti­en schmel­zen, wer­den In­ves­ti­tio­nen in Gold in­ter­es­san­ter

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