Die de­mo­kra­ti­sche Wahl

EDI­TO­RI­AL So­zi­al­wah­len: Be­stim­mung der Kräf­te­ver­hält­nis­se

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - rschnei­[email protected]­ge­blatt.lu Ro­bert Schnei­der

Mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen wer­den dem­nächst über die Be­set­zung der Ar­beit­neh­mer­kam­mer be­stim­men – die de­mo­kra­tischs­te Wahl im Land, so Edi­to­ria­list Ro­bert Schnei­der.

Mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen sind bei der wohl de­mo­kra­tischs­ten Wahl im Lan­de, weil un­ab­hän­gig von Na­tio­na­li­tät und Wohn­ort­wahl, auf­ge­ru­fen, über die Zu­sam­men­set­zung der Ar­beit­neh­mer­kam­mer zu ent­schei­den.

Al­le al­so, die für ei­nen Lohn ar­bei­ten (Grenz­gän­ger in­be­grif­fen), und die Rent­ner wer­den über die Zu­sam­men­set­zung der Kam­mer ent­schei­den, die mitt­ler­wei­le weit über rei­ne Fra­gen der Ar­beit hin­aus ak­tiv ist: Sie lie­fert Gut­ach­ten zu Ge­set­zes­tex­ten, er­ar­bei­tet wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en und lie­fert so Hin­ter­grund­ma­te­ri­al für re­le­van­te so­zia­le The­men (u.a. den aus­sa­ge­kräf­ti­gen „Qua­li­ty of work“-In­dex) und bie­tet zahl­rei­che Aus- und Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te an.

In zwei Mo­na­ten, am 12. März, be­ginnt die Aus­zäh­lung der Stimm­zet­tel, die in den kom­men­den Wo­chen al­len in Lu­xem­burg be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­mern pos­ta­lisch zu­ge­stellt wer­den. Wahl­pflicht be­steht kei­ne, al­ler­dings macht es Sinn, sich zu be­tei­li­gen: Die Be­set­zung der Sala­ri­ats­kam­mer ist auch aus­schlag­ge­bend für die ei­ner gan­zen Rei­he an­de­rer Gre­mi­en, die wie­der­um die Funk­ti­on von u.a. Kran­ken-, Pfle­ge-, Ren­ten­kas­se über­wa­chen und mit­de­fi­nie­ren.

Die Macht­ver­hält­nis­se in der Ar­beit­neh­mer­kam­mer ha­ben da­ne­ben ei­nen ho­hen sym­bo­li­schen Cha­rak­ter; wer hier die Mehr­heit hat, wird ernst ge­nom­men, vom Pa­tro­nat und von der Re­gie­rung. Im­mer­hin re­prä­sen­tiert die Kam­mer all je­ne, oh­ne die nichts, über­haupt nichts funk­tio­nie­ren wür­de.

Seit es die CSL („Cham­bre des sala­riés“) gibt, al­so seit der Ein­füh­rung des Ein­heits­ta­tuts 2009, hat der OGBL hier die ab­so­lu­te Mehr­heit. Dass sich dies nach dem 12. März än­dert, ist eher un­wahr­schein­lich; die größ­te Ge­werk­schaft des Pri­vat­sek­tors hat bei der letz­ten Wahl 38 von 60 Man­da­ten er­run­gen, ein kom­for­ta­bler Vor­sprung. Für ei­nen er­neu­ten Er­folg der füh­ren­den Ge­werk­schaft spricht u.a. der er­folg­reich durch­ge­führ­te Streik im Pfle­ge­sek­tor, zahl­rei­che po­si­ti­ve kol­lek­tiv­ver­trag­li­che Ab­schlüs­se – zu­letzt je­ner im Bau­sek­tor –, aber auch ein brei­tes An­ge­bot an Di­enst­leis­tun­gen für die Mit­glie­der; all dies lässt kei­ne Schwä­chung er­war­ten. Die zwei Sit­ze, die von dem be­freun­de­ten FNCTTFEL-Lan­des­ver­band ge­hal­ten wer­den, dür­fen als zu­sätz­li­ches Pols­ter für den OGBL ge­se­hen wer­den; im­mer­hin lau­fen in­ten­si­ve Ge­sprä­che in Rich­tung Fu­si­on der bei­den In­ter­es­sen­ver­tre­tun­gen des Sala­ri­ats.

Ei­ne Zwei-Drit­tel-Mehr­heit, die aus­ge­baut wür­de, wird zwar nicht zum Wunsch­ziel des „On­of­hän­ge­ge Ge­werk­schafts­bond“, ei­ner star­ken Ein­heits­ge­werk­schaft, füh­ren, die den Ar­beit­ge­bern die gan­ze or­ga­ni­sier­te Macht der dann ge­ei­nig­ten Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen­stel­len könn­te und so mehr er­rei­chen könn­te als ei­ne zer­split­ter­te Ge­gen­kraft zur UEL, da­für zeigt der LCGB zur­zeit kein In­ter­es­se (was üb­ri­gens nicht im­mer so war).

Ein star­kes Si­gnal wä­re es aber und si­cher nütz­lich für die wei­te­re eman­zi­pa­to­ri­sche Ent­wick­lung im Land.

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.