Ma­ze­do­ni­en-Fra­ge löst Re­gie­rungs­kri­se in Grie­chen­land aus

VO­TUM Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter tritt zu­rück, Tsi­pras for­dert Ver­trau­ens­ab­stim­mung

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite -

Der Streit um die Um­be­nen­nung Ma­ze­do­ni­ens hat die grie­chi­sche Re­gie­rung in ei­ne Kri­se ge­stürzt. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Pa­nos Kam­me­nos von der rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei Un­ab­hän­gi­ge Grie­chen (Anel) hat ges­tern sei­nen Rück­tritt ein­ge­reicht.

Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras for­der­te dar­auf­hin ei­ne so­for­ti­ge Ver­trau­ens­ab­stim­mung im Par­la­ment, das in Kür­ze über die Um­be­nen­nung des Nach­bar­lan­des Ma­ze­do­ni­ens ab­stim­men soll. Kam­me­nos sag­te, er ge­be sein Amt auf und sei­ne Par­tei zie­he sich aus der Re­gie­rung zu­rück.

„Wir wer­den um­ge­hend fort­fah­ren, das Ver­trau­en in un­se­re Re­gie­rung durch das Par­la­ment zu er­neu­ern, um die wich­tigs­ten Fra­gen für unser Land zu lö­sen“, sag­te Tsi­pras in Athen. Nach An­ga­ben der halb­amt­li­chen Nach­rich­ten­agen­tur ANA könn­te die Par­la­ments­de­bat­te über ein Miss­trau­ens­vo­tum be­reits mor­gen be­gin­nen und am Don­ners­tag ab­ge­schlos­sen sein. Bei der be­vor­ste­hen­den Ab­stim­mung über die Na­mens­ver­ein­ba­rung reicht Tsi­pras ei­ne ein­fa­che Mehr­heit.

Der Streit um die Um­be­nen­nung Ma­ze­do­ni­ens hat die grie­chi­sche Re­gie­rung in ei­ne Kri­se ge­stürzt. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Pa­nos Kam­me­nos von der rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei Un­ab­hän­gi­ge Grie­chen (ANEL) reich­te ges­tern sei­nen Rück­tritt ein. Re­gie­rungs­chef Al­exis Tsi­pras for­der­te dar­auf­hin ei­ne so­for­ti­ge Ver­trau­ens­ab­stim­mung im Par­la­ment, das in Kür­ze über die Um­be­nen­nung des Nach­bar­lan­des Ma­ze­do­ni­ens ab­stim­men soll. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Kam­me­nos sag­te, er ge­be sein Amt auf, sei­ne Par­tei zie­he sich aus der Re­gie­rung zu­rück. „Die Ma­ze­do­ni­en­fra­ge erlaubt es mir nicht, mei­nen Pos­ten nicht zu op­fern.“Er ha­be Tsi­pras „für die Zu­sam­men­ar­beit ge­dankt und ihm er­klärt, dass wir we­gen die­ser na­tio­na­len An­ge­le­gen­heit nicht wei­ter­ma­chen kön­nen“. „Wir wer­den um­ge­hend fort­fah­ren, das Ver­trau­en in un­se­re Re­gie­rung durch das Par­la­ment zu er­neu­ern, um die wich­tigs­ten Fra­gen für unser Land zu lö­sen“, sag­te Tsi­pras in Athen.

Nach An­ga­ben der halb­amt­li­chen Nach­rich­ten­agen­tur ANA könn­te die Par­la­ments­de­bat­te über ein Miss­trau­ens­vo­tum be­reits am mor­gi­gen Di­ens­tag be­gin­nen und am Don­ners­tag ab­ge­schlos­sen sein.

Kam­me­nos kün­dig­te an, dass er bei der Ver­trau­ens­ab­stim­mung ge­gen die Re­gie­rung stim­men wer­de, weil ei­ne Un­ter­stüt­zung ei­ne Zu­stim­mung zur Na­mens­ver­ein­ba­rung na­he­le­gen wür­de. „Wir wer­den al­les tun, um die Ra­ti­fi­zie­rung des Pre­spes-Ab­kom­mens zu ver­hin­dern“, sag­te der ANEL-Chef mit Ver­weis auf den grie­chisch-ma­ze­do­ni­schen Grenz­ort Pre­spes, nach dem der im Ju­ni ver­gan­ge­nen Jah­res ge­schlos­se­ne Ver­trag be­nannt ist.

Die rechts­po­pu­lis­ti­sche ANELPar­tei hat­te Tsi­pras’ Re­gie­rung mit ih­ren sie­ben Ab­ge­ord­ne­ten ei­ne knap­pe Mehr­heit im Athe­ner Par­la­ment ver­schafft. Wäh­rend ANEL-Chef Kam­me­nos we­gen des Na­mens­streits wie­der­holt mit sei­nem Rück­tritt ge­droht hat­te, sind an­de­re Par­la­men­ta­ri­er sei­ner Par­tei bei dem The­ma noch un­ent­schie­den.

Tsi­pras reicht ein­fa­che Mehr­heit

Bei der be­vor­ste­hen­den Ab­stim­mung über die Na­mens­ver­ein­ba­rung reicht Tsi­pras ei­ne ein­fa­che Mehr­heit in der 300 Mit­glie­der zäh­len­den Kam­mer. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent glaubt, die­se mit den 145 Ab­ge­ord­ne­ten sei­ner lin­ken Sy­ri­za-Par­tei so­wie den Stim­men der klei­nen pro-eu­ro­päi­schen Par­tei To Pota­mi und de­nen ei­ni­ger ANEL-Ab­ge­ord­ne­ten be­schaf­fen zu kön­nen.

Die größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei, die kon­ser­va­ti­ve Nea Di­mo­kra­tia, lehnt das Ab­kom­men strikt ab. Das Par­la­ment in Skopje hat­te der Um­be­nen­nung von Ma­ze­do­ni­en in „Re­pu­blik Nord­ma­ze­do­ni­en“am Frei­tag mit der er­for­der­li­chen Zwei­drit­tel­mehr­heit zu­ge­stimmt. Tsi­pras hat­te im ver­gan­ge­nen Ju­ni mit dem ma­ze­do­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Zoran Zaev ver­ein­bart, dass des­sen Land künf­tig Nord­ma­ze­do­ni­en hei­ßen sol­le.

Hin­ter dem jah­re­lan­gen Na­mens­streit stand die Furcht At­hens, der Nach­bar­staat könn­te mit der Lan­des­be­zeich­nung Ma­ze­do­ni­en An­sprü­che auf die nord­grie­chi­sche Pro­vinz Ma­ke­do­ni­en er­he­ben.

Bei der UNO fir­mier­te der Staat des­halb bis­lang un­ter dem Na­men Frü­he­re ju­go­sla­wi­sche Re­pu­blik Ma­ze­do­ni­en, eng­lisch ab­ge­kürzt Fyrom. We­gen des Kon­flikts blo­ckier­te Grie­chen­land bis zu­letzt ei­ne Auf­nah­me des Lan­des in die EU und die NA­TO-Mi­li­tär­al­li­anz. (AFP)

Nach dem Rück­tritt des grie­chi­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters tritt Pre­mier Al­exis Tsi­pras vor die Pres­se (Foto: AFP/An­ge­los Tz­ort­zi­nis)

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