Trumps Druck auf De­mo­kra­ten

USA Längs­ter Shut­down der Ge­schich­te legt das Land teil­wei­se lahm

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Se­bas­ti­an Smith, Wa­shing­ton

An­ge­sichts der längs­ten Haus­halts­sper­re in der Ge­schich­te der USA hat Prä­si­dent Do­nald Trump ver­sucht, den Druck auf die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten zu er­hö­hen. „Die De­mo­kra­ten könn­ten den Shut­down in 15 Mi­nu­ten be­he­ben“, schrieb Trump am Sams­tag auf Twit­ter. Der Shut­down und der da­mit ver­bun­de­ne teil­wei­se Re­gie­rungs­still­stand gin­gen ges­tern in den 23. Tag. Trump nahm aber vor­erst Ab­stand von sei­ner Dro­hung, den na­tio­na­len Not­stand aus­zu­ru­fen.

Trump mach­te bei Twit­ter er­neut die De­mo­kra­ten für die his­to­ri­sche Haus­halts­sper­re ver­ant­wort­lich. Die­se wer­de sich so lan­ge fort­set­zen, bis die De­mo­kra­ten aus ih­ren „Fe­ri­en“in die Haupt­stadt zu­rück­keh­ren und die Ar­beit auf­neh­men. „Ich bin im Wei­ßen Haus und be­reit, zu un­ter­zeich­nen.“

Er ha­be ei­nen „Plan“zur Bei­le­gung der Kri­se, be­ton­te er. Die meis­ten Ab­ge­ord­ne­ten hat­ten Wa­shing­ton über das Wo­che­n­en­de ver­las­sen, was ei­ne Lö­sung des Haus­halts­streits vor dem heu­ti­gen Mon­tag un­wahr­schein­lich er­schie­nen ließ. Trump for­der­te sei­ne An­hän­ger auf, die Se­na­to­ren und Ab­ge­ord­ne­ten des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses an­zu­ru­fen und ihnen zu sa­gen, „ih­re Ar­beit zu er­le­di­gen“.

Der Shut­down wur­de durch den Streit zwi­schen Trump und den De­mo­kra­ten um den von ihm ge­wünsch­ten Bau ei­ner Mau­er an der Gren­ze zu Me­xi­ko aus­eg­löst. Trump ver­langt da­für 5,7 Mil­li­ar­den Dol­lar (4,9 Mil­li­ar­den Eu­ro), die De­mo­kra­ten leh­nen dies strikt ab. Sie ver­fü­gen seit Jah­res­be­ginn über die Mehr­heit im Re­prä­sen­tan­ten­haus und da­mit über er­heb­lich mehr Macht.

Seit Sams­tag um Mit­ter­nacht (6.00 Uhr MEZ) ist der der­zei­ti­ge Shut­down der längs­te in der USGe­schich­te. Den bis­he­ri­gen Rekord von 21 Ta­gen hat­te es zwi­schen De­zem­ber 1995 und Ja­nu­ar 1996 un­ter dem de­mo­kra­ti­schen Prä­si­den­ten Bill Cl­in­ton ge­ge­ben.

Vor­erst kein Not­stand aus­ge­ru­fen

Von der Fi­nanz­sper­re sind rund 25 Pro­zent der Bun­des­be­hör­den und et­wa 800.000 Bun­des­be­diens­te­te be­trof­fen. 420.000 von ihnen müs­sen oh­ne Be­zah­lung wei­ter­ar­bei­ten, da ih­re Ar­beit als un­ver­zicht­bar gilt. Die üb­ri­gen rund 380.000 wur­den in den Zwangs­ur­laub ge­schickt. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen hat­te Trump mehr­fach ge­droht, er kön­ne den Not­stand aus­ru­fen, um sich un­ter Um­ge­hung des Kon­gres­ses die Mau­er-Mil­li­ar­den zu be­schaf­fen. Am Frei­tag nahm er zu­nächst Ab­stand von die­ser Dro­hung. Er wol­le den De­mo­kra­ten die Mög­lich­keit ein­räu­men, „ver­ant­wort­lich zu han­deln“, be­grün­de­te Trump am Sams­tag im Sen­der Fox News die Ent­schei­dung. Die Aus­ru­fung des Not­stands dürf­te zu­dem in Jus­tiz­strei­tig­kei­ten bis zum Su­pre­me Court mün­den.

Trump pran­gert die il­le­ga­le Zu­wan­de­rung, das Schleu­ser­we­sen und den Dro­gen­schmug­gel an der Gren­ze zu Me­xi­ko als aku­te „Si­cher­heits­kri­se“an, für de­ren Be­kämp­fung die Mau­er drin­gend ge­braucht wer­de. Die Ein­wan­de­rung ge­walt­tä­ti­ger Kri­mi­nel­ler kön­ne ge­stoppt wer­den, „wenn wir ei­ne Bar­rie­re hät­ten, ei­ne mäch­ti­ge Bar­rie­re, aus Stahl oder Be­ton“, sag­te er bei ei­nem Tref­fen mit Grenz­be­am­ten.

Die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten be­strei­ten je­doch, dass es die von Trump be­schrie­be­ne „Si­cher­heits­kri­se“gibt, und nen­nen die Mau­er über­flüs­sig und un­mo­ra­lisch. Kri­ti­ker wer­fen Trump vor, sei­ne For­de­rung nach mehr Bar­rie­ren in ei­nen po­li­ti­schen Kreuz­zug ver­wan­delt zu ha­ben, um bei sei­ner rech­ten Wäh­ler­ba­sis Frem­den­feind­lich­keit zu schü­ren. Gleich­zei­tig igno­rie­re er die kom­ple­xe La­ge an der Gren­ze.

Die neue Vor­sit­zen­de des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses, die De­mo­kra­tin Nan­cy Pe­lo­si, for­dert, es soll­te mehr Geld für die Si­cher­heit an der Gren­ze, nicht aber für mehr Mau­ern aus­ge­ge­ben wer­den. Der Gou­ver­neur des US-Au­ßen­ge­biets Pu­er­to Ri­co, Ri­car­do Ro­sel­lo, for­der­te Trump auf, für die In­sel vor­ge­se­he­ne Not­fall­fonds nicht für die Grenz­mau­er um­zu­lei­ten. Er re­agier­te da­mit auf Be­rich­te, wo­nach das Wei­ße Haus prü­fen lässt, Not­fall­fonds nach Na­tur­ka­ta­stro­phen für die Fi­nan­zie­rung der Mau­er zu nut­zen. (AFP)

Do­nald Trump schiebt den De­mo­kra­ten er­neut die Schuld in die Schu­he

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