Geld­flut wird nicht aus­trock­nen

NOTENBANKEN Geld­po­li­ti­sche Ge­zei­ten­wen­de wohl nicht mehr 2019

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion -

Die welt­wei­te Flut an bil­li­gem Zen­tral­bank-Geld wird wo­mög­lich auch die­ses Jahr noch nicht ab­eb­ben. Zwar sag­ten Ex­per­ten noch vor we­ni­gen Mo­na­ten für 2019 ei­ne Ge­zei­ten­wen­de vor­aus. Erst­mals seit fast ei­nem Jahr­zehnt wür­den die gro­ßen Notenbanken in den USA, Eu­ro­pa und Asi­en den Fi­nanz­märk­ten un­ter dem Strich Li­qui­di­tät ent­zie­hen, lau­te­te da­mals ih­re Pro­gno­se. Doch in­zwi­schen ist die­se An­nah­me wohl nicht mehr zu hal­ten.

Chi­nas Geld­po­li­tik und ein schwä­che­res Welt­wirt­schafts­wachs­tum wer­den statt­des­sen wahr­schein­lich da­für sor­gen, dass die Notenbanken 2019 un­ter dem Strich ih­re mas­si­ven Geld­sprit­zen bei­be­hal­ten.

„Wo die Rei­se hin­geht, ist nun sehr klar“, meint et­wa Ste­ve Don­ze, Kon­junk­tur­stra­te­ge beim Schwei­zer Bank­haus Pic­tet. Er geht da­von aus, dass die­ses Jahr die von Zen­tral­ban­ken welt­weit ge­schaf­fe­ne Li­qui­di­tät um 140 Mil­li­ar­den Dol­lar an­steigt. Noch im Au­gust war er von ei­nem Li­qui­di­täts­ent­zug im Vo­lu­men von 100 Mil­li­ar­den Dol­lar aus­ge­gan­gen. Haupt­grund für sei­ne mas­si­ve Pro­gno­se-Än­de­rung: die Geld­po­li­tik im Reich der Mit­te.

Dort hat­ten die Wäh­rungs­hü­ter un­längst ih­ren Min­dest­re­ser­ve­satz für Ban­ken ge­senkt, den die­se bei ihr als Si­cher­heit hin­ter­le­gen müs­sen. Da­durch sol­len um­ge­rech­net bis zu 116 Mil­li­ar­den Dol­lar im Ban­ken­sys­tem frei­ge­setzt wer­den, die die In­sti­tu­te über Kre­di­te an Un­ter­neh­men wei­ter­rei­chen kön­nen. Da­mit soll die Wirt­schaft der Volks­re­pu­blik, die un­ter Straf­zöl­len im Zu­ge des Han­dels­streits mit den USA und ei­ner ge­sun­ke­nen In­lands­nach­fra­ge lei­det, an­ge­scho­ben wer­den.

Sor­gen um Kon­junk­tur in den USA und Eu­ro­pa

Aber auch in den USA und in Eu­ro­pa neh­men die Kon­junk­tur­sor­gen der Wäh­rungs­hü­ter zu. Zwar hat die Fe­deral Re­ser­ve zu­letzt noch ih­re Bi­lanz Mo­nat für Mo­nat um An­lei­hen im Vo­lu­men von rund 50 Mil­li­ar­den Dol­lar ver­rin­gert. Doch soll­te die USWirt­schaft spür­bar an Schwung ver­lie­ren, könn­te sie laut No­ten­bank-Chef Je­ro­me Po­well bei­spiels­wei­se das Tem­po ih­res Bi­lanz­ab­baus dros­seln.

Sein Vi­ze Richard Cla­ri­da sag­te un­längst, die Fed wer­de re­agie­ren, soll­ten die glo­ba­le Kon­junk­tur­ab­schwä­chung und die Schwan­kun­gen an den Fi­nanz­märk­ten an­hal­ten.

Im Eu­ro­raum könn­te die EZB wo­mög­lich eben­so ge­zwun­gen wer­den, an­ge­sichts ei­ner spür­ba­ren Ab­küh­lung des Wachs­tums um­zu­steu­ern. Dort hat die Wirt­schaft im drit­ten Quar­tal so schwach ex­pan­diert wie seit mehr als vier Jah­ren nicht mehr.

Ak­tu­ell be­wegt sich die Eu­roNo­ten­bank mit der Ein­stel­lung ih­rer bil­lio­nen­schwe­ren Wert­pa­pier­käu­fe lang­sam in Rich­tung ei­ner we­ni­ger ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik. An­ge­sichts der zu­neh­men­den Sor­gen­fal­ten ha­ben die Wäh­rungs­hü­ter auf ih­rer jüngs­ten Zins­sit­zung aber be­reits über die Mög­lich­keit neu­er su­per­bil­li­ger Lang­frist-Geld­sprit­zen für Ban­ken ge­spro­chen.

Klar ist al­ler­dings eben­so, dass der Um­fang der Geld­sprit­zen des Jah­res 2017 erst ein­mal nicht mehr er­reicht wird. Laut der Be­ra­ter­fir­ma Cros­sBor­der Ca­pi­tal ha­ben in­zwi­schen welt­weit 80 Pro­zent al­ler Zen­tral­ban­ken ei­nen straf­fe­ren Kurs ein­ge­schla­gen. Noch vor zwei Jah­ren sorg­ten sie pro Quar­tal nach Schät­zun­gen der US-Bank JP Mor­gan glo­bal für Li­qui­di­tät im Um­fang von 500 Mil­li­ar­den Dol­lar. „Nun müs­sen wir uns dar­an ge­wöh­nen, dass wir nicht mehr ei­ne hal­be Bil­li­on Dol­lar pro Quar­tal ha­ben, die den Markt ab­si­chern“, sagt der Che­fin­vest­ment­stra­te­ge der Bank, Bob Michele. Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass die Geld­sprit­zen in die­sem Jahr gera­de mal fünf Pro­zent der Gel­der aus­ma­chen wer­den, die noch vor zwei Jah­ren in die Fi­nanz­märk­te ge­pumpt wur­den.

(Reuters) Hua­wei hat den we­gen Spio­na­ge­ver­dachts in Po­len fest­ge­nom­men Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Man ha­be sich von dem Mann ge­trennt, weil der Vor­fall das Un­ter­neh­men in Miss­kre­dit brin­ge. Die ge­gen den Chi­ne­sen er­ho­be­nen Vor­wür­fe hät­ten nichts mit dem Un­ter­neh­men zu tun.

Ex­per­ten er­war­ten ei­ne Geld­zu­fuhr von 140 Mil­li­ar­den Dol­lar

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