Emo­tio­na­le Pre­mie­re

VIN­CENT DI­AS DOS SAN­TOS Ers­ter Ti­tel mit 28 Jah­ren

Tageblatt (Luxembourg) - - Cyclocross - Jen­ny Zey­en

Die Stre­cke in Brouch war wie auf ihn zu­ge­schnit­ten und so wur­de Vin­cent Di­as dos San­tos sei­ner Fa­vo­ri­ten­rol­le ges­tern auch mehr als ge­recht. Erst­mals in sei­ner Kar­rie­re durf­te sich der 28-Jäh­ri­ge so das heiß er­sehn­te rot-weiß-blaue

Tri­kot des Lan­des­meis­ters bei der Eli­te über­strei­fen. Im Ziel­be­reich in Brouch wa­ren al­le ei­ner Mei­nung: Wenn ein Fah­rer den Lan­des­meis­ter­ti­tel ver­dient hat­te, dann war es Vin­cent Di­as dos San­tos. In der lau­fen­den Sai­son prä­sen­tier­te sich der Be­le­ser im­mer­hin als der do­mi­nie­ren­de Fah­rer, stand bei re­gio­na­len Ren­nen bis­her fünf Mal ganz oben auf dem Trepp­chen. Bei der Ge­ne­ral­pro­be in He­s­pe­rin­gen ei­ne Wo­che vor den na­tio­na­len Meis­ter­schaf­ten un­ter­strich der beim LC Te­tin­gen li­zen­zier­te Fah­rer ein­mal mehr sei­ne Stär­ke und ließ der Kon­kur­renz nicht den Hauch ei­ner Chan­ce. Die Fa­vo­ri­ten­bür­de lag so­mit klar auf den Schul­tern des 28-Jäh­ri­gen.

„Ha­be sehr ge­lit­ten“

Doch hin­ter Di­as dos San­tos lie­gen emo­tio­na­le Ta­ge. Un­ter der Wo­che ver­lor er sei­nen Stief­va­ter, hin­zu kam ein wei­te­rer klei­ner Schock am gest­ri­gen Mor­gen: „Ich ha­be die Wo­che über wirk­lich sehr ge­lit­ten und dann be­merk­te ich um acht Uhr mor­gens vor dem Ren­nen auch noch, dass je­mand die vier Rei­fen an mei­nem Wa­gen ka­putt ge­macht hat­te. Da muss­te kurz­fris­tig auch noch ei­ne Not­lö­sung her. Das war schon ei­ne gro­ße men­ta­le Be­las­tung, die ich mit mir her­um­schlep­pen muss­te. Die­ses Ren­nen ha­be ich auch für mei­ne Mut­ter ge­won­nen“, er­klär­te ein sicht­lich ge­rühr­ter neu­er Lan­des­meis­ter, der im Ziel­be­reich mit den Trä­nen kämp­fen muss­te.

Oft­mals als Mit­fa­vo­rit in die na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fe ge­star­tet, ging Di­as dos San­tos im Ren­nen der Eli­te im­mer leer aus. Um­so grö­ßer war die Freu­de über die Pre­mie­re dann ges­tern: „End­lich, der ers­te Ti­tel mit 28 Jah­ren! Wie man so schön sagt, muss man im­mer erst ein­mal bei­ßen, be­vor man so et­was mal ge­nie­ßen kann. Ich möch­te nicht über­heb­lich klin­gen, doch ich glau­be, dass die­ser Ti­tel wirk­lich ver­dient ist.“Da­bei ging der Fa­vo­rit dann auch kein Ri­si­ko ein: „In der zwei­ten Run­de konn­te ich mich ab­set­zen. Ich hat­te mir auch vor­ge­nom­men, nicht lan­ge ab­zu­war­ten. Mit drei oder vier Fah­rern auf die­ser Stre­cke zu­sam­men zu fah­ren, bringt so­wie­so nichts, es gibt kei­nen Wind­schat­ten, von dem man pro­fi­tie­ren könn­te. Bes­ser war es, mein ei­ge­nes Ren­nen vor­ne zu ge­stal­ten. So wuss­te ich, dass ich die Kur­ven so an­ge­hen konn­te, wie ich es woll­te, oh­ne dass mich je­mand ge­stört hat. Das war ein gro­ßer Vor­teil. Nur in der ers­ten Run­de bin ich ein­mal kurz ins Rut­schen ge­kom­men, weil ich zu schnell war, doch das hat mich nicht aus der Kon­zen­tra­ti­on ge­bracht.“

Auch der tech­nisch an­spruchs­vol­le Par­cours kam Di­as dos San­tos ent­ge­gen: „Was Gus­ty (Bausch) kann, das kann ich auch. Gus­ty ist ein wirk­lich gu­ter Fah­rer, doch er wird auch nicht jün­ger. Ich war sprit­zi­ger, hat­te mehr Kraft und wuss­te, dass wenn ich beim An­stieg vol­les Tem­po ge­hen wür­de, ich bis oben fünf oder sechs Se­kun­den her­aus­fah­ren konn­te.“Und auch der Vi­ze­meis­ter Gus­ty Bausch gönn­te Di­as dos San­tos den Ti­tel: „Dies war der sechs­te Sai­son­er­folg von Vin­cent, er hat den Ti­tel ab­so­lut ver­dient. Mit der Fa­vo­ri­ten­rol­le, die er in­ne­hat­te, muss man auch erst ein­mal klar­kom­men. Ich freue mich zu­dem, dass drei Cy­clo­cross-Spe­zia­lis­ten auf dem Po­di­um ste­hen, bes­ser geht es nicht.“

Der neue Lan­des­meis­ter hat für die­se Sai­son un­ter­des­sen noch

Das Po­di­um bei der Eli­te: Vin­cent Di­as dos San­tos, um­ge­ben von Gus­ty Bausch (l.) und Scott Thilt­ges (r.)

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