Wild und ro­man­tisch

Bei Ben­imau­rell geht es über das „Grü­ne Pferd“, vor­bei an Kir­schund Man­del­fel­dern

Costa Blanca Nachrichten - - Erste Seite - In­grid Lech­ner

Nicht weit von der Küs­te ent­fernt, in der ber­gi­gen Ma­ri­na Al­ta, fin­den Sie ei­ne der spek­ta­ku­lärs­ten Land­schaf­ten des Lan­des Va­len­cia, das Vall de La­guart. Hier zwängt sich der Río Gi­ro­na durch den weit über die Gren­zen als Wan­der- und Klet­ter­pa­ra­dies be­kann­ten Barran­co del In­fi­er­no. In net­ter Ver­wandt­schaft und nicht min­der in­ter­es­sant er­hebt sich da­ne­ben der ge­schichts­träch­ti­ge Ca­ball Verd mit sei­nen bei­den fel­si­gen Gip­feln. Sein lang­ge­zo­ge­ner Rü­cken trennt die bei­den Tä­ler La­guart und Pop und bie­tet auf sei­nen fel­si­gen Pfa­den spek­ta­ku­lä­re Aus­sich­ten.

Die nach­fol­gend be­schrie­be­ne Wan­de­rung streift bei­de Wan­der­pa­ra­die­se und ge­währt da­bei über­wäl­ti­gen­de Ein­bli­cke in ei­ne fas­zi- nie­ren­de Berg­land­schaft. Von Ih­rem Park­platz in Ben­imau­rell fol­gen Sie der auf­wärts füh­ren­den Stra­ße, bie­gen aber an der nächs­ten Ver­zwei­gung wie­der nach links in den Ort ab. Nun steu­ern Sie, gelb­weiß mar­kiert, auf die Berg­ket­te des Ca­ball Verd zu.

Sie kom­men auf ei­nen be­to­nier­ten, von Man­del- und Kirsch­plan­ta­gen ge­säum­ten Wirt­schafts­weg und nach 150 Me­tern an ei­nen Ab­zweig zum „Col­la­do de la Gar­ga“. Die­sem Hin­weis fol­gen Sie nicht, son­dern blei­ben auf dem ge­ra­de­aus berg­auf füh­ren­den Haupt­weg.

Wenn er nach cir­ca zehn Mi­nu­ten en­det, be­gin­nen Sie mit dem Auf­stieg auf dem mar­kier­ten Berg­pfad halb­links, der mit wun­der­schö­nen Aus­bli­cken auf das grü­ne Or­ba­tal und den Küs­ten­strei­fen ver­bun­den ist. Nach 45 kurz­wei­li­gen Auf­stiegs­mi­nu­ten ha­ben Sie den Kamm er­reicht und wer­den so­gleich von den skur­ri­len Fels­for­ma­tio­nen und der herr­li­chen Aus-

sicht be­geis­tert sein. Lin­ker­hand do­mi­niert der Dop­pel­gip­fel des Ca­ball Verd, der wie auch der ge­sam­te Berg­rü­cken eng mit der mau­ri­schen Ge­schich­te in Zu­sam­men­hang ge­bracht wird.

Man weiß, dass der Ca­ball Verd bei der Mo­ris­ken­ver­trei­bung im Jah­re 1609 als das letz­te Rück­zugs­ge­biet der ver­folg­ten Mo­ris­ken des Ma­ri­na Al­ta Krei­ses galt. Be­kannt ist auch, dass die­se Ge­schich­te un­gut en­de­te und das ent­völ­ker­te Tal ei­ni­ge Jah­re spä­ter mit Mal­lor­qui­nern wie­der neu be­sie­delt wur­de. Die­se trü­ben Ge­dan­ken soll­te man je­doch schnell bei Sei­te schie­ben und vol­ler Neu­gier­de den gelb-wei­ßen Mar­kie­run­gen über den fel­si­gen Kamm nach rechts fol­gen.

Die Ve­ge­ta­ti­on über­rascht hier mit vie­len an­spruchs­lo­sen Ge­wäch­sen wie Pal­mi­tas, Kräu­tern und klein­wüch­si­gen, bun­ten Ge­birgs­blu­men. Weit reicht der Blick über Vall de Pop und Vall de La­guart hin­weg bis zum Berg­mas­siv der Sier­ra Ser­rel­la. Die do­mi­nan­ten Gip­fel Mal­la de Llop und Pla de la Ca­sa sind zu er­ken­nen und auch das höchs­te Berg­mas­siv der Pro­vinz Ali­can­te, die 1.558 Me­ter ho­he Sier­ra Ai­ta­na, lässt sich an der An­ten­nen­an­la­ge gut or­ten. Will­kom­me­ne Kon­tras­te Nach ei­ner gu­ten hal­ben St­un­de Pan­ora­ma­wan­de­rung ha­ben Sie den höchs­ten Punkt auf 800 Me­tern er­reicht und es geht, von un­we­sent­li­chen Stei­gun­gen ab­ge­se­hen, nur noch berg­ab. Nach­dem Sie ei­nen duf­ten­den, grü­nen Pi­ni­en­wald durch­wan­dert ha­ben, wech­selt der Pfad auf die an­de­re Hang­sei­te und mit schö­nem Blick auf ein­zel­ne, am Hang ver­streu­te Bau­ern­häu­ser nä­hern Sie sich ei­ner mar­kan­ten und mar­kier­ten Weg­kreu­zung an.

Hier fol­gen Sie dem schma­len Pfad ge­ra­de­aus und dem Hin­weis „Col­la­do de la Gar­ga“. 15 Mi­nu­ten spä­ter auf dem Col­la­do (760 Me­ter hoch) an­ge­kom­men, fas­zi­niert ne­ben der wun­der­vol­len Aus­sicht auch die hüb­sche „Alm­hüt­te“mit dem über­aus an­spre­chen­den Am­bi­en­te.

Und wie nur Kon­tras­te das Le­ben le­bens­wert ma­chen, ver­läuft Ihr Wei­ter­weg nun die nächs­te St­un­de recht ent­span­nend auf ei­nem brei­ten Forst­weg. Auf die­sem aus­sichts­rei- chen, rechts ab­zwei­gen­den Pan­ora­ma­weg kann man sei­ne Ge­dan­ken schwei­fen las­sen und oh­ne An­stren­gung die um­wer­fend schö­ne Berg­welt ge­nie­ßen. Hier wur­de ich bei mei­ner letz­ten Wan­de­rung von ei­ner Her­de ibe­ri­scher St­ein­bö­cke über­rascht, die mich aus si­che­rer Hö­he ge­las­sen be­ob­ach­te­te. Und ge­ra­de hier ka­men mir die Wor­te ei­nes be­kann­ten Berg­stei­gers in den Sinn; „dass man zum Glück­lich­sein nur we­nig braucht, ein paar Ki­lo im Ruck­sack, Il­lu­sio­nen und den fes­ten Wil­len das ge­steck­te Ziel zu er­rei­chen. Al­les an­de­re wä­re Über­ge­päck“.

Oh­ne Ori­en­tie­rungs­pro­ble­me er­rei­chen Sie die klei­ne An­sied­lung „Ju­vees del Po­b­le de Dalt“(500 Me­ter), mit teil­wei­se ver­fal­le­nen Häu­sern und ei­ner Zis­ter­ne. Nun be­fin­den Sie sich auf der klas­si­schen Rou­te des „PRV 147 Barran­co In­fi­er­no“, die das letz­te Stück durch den Barranc de Ra­cons mit un­se­rer Wan­der­rou­te iden­tisch ist (sie­he auch Wan­der­buch „Rund­wan­de­run­gen Cos­ta Blan­ca und süd­li­che Cos­ta Aza­har vom CBN-Ver­lag“).

Be­vor Sie hier je­doch dem vor der Rui­ne rechts ab­zwei­gen­den Pfad fol­gen, soll­ten Sie ei­nen Blick nach links in den Barran­co del In­fi­er­no wer­fen, des­sen Ver­lauf man ein Stück weit gut ver­fol­gen kann. Ma­le­risch, vor­bei an ver­fal­le­nen Aus­sied­ler­hö­fen, führt un­ser Pfad nun recht ro­man­tisch durch die Schlucht Tu­er­to in den Barranc de Ra­cons hin­ein. Auf dem Ge­röll­bett und der tiefs­ten Stel­le der Wan­de­rung mit 380 Me­tern an­ge­kom­men, heißt es nun die letz­ten 2.000 mau­ri­schen Stu­fen in An­griff zu neh­men. Es ist er­staun­lich und im­mer wie­der fas­zi­nie­rend, wie gut sich die­se mau­ri­schen Pfa­de bis heu­te er­hal­ten ha­ben. Man hat das Ge­fühl, nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von der Küs­te ent­fernt, ver­ges­sen von der Welt durch das ur­al­te Spa­ni­en zu wan­dern.

Wenn Sie dann end­lich auf der An­hö­he hoch über Ben­imau­rell an­ge­kom­men sind, reicht die Sicht über Kirsch- und Man­del­plan­ta­gen bis hin zum Meer. Ge­hen Sie nun wei­ter bis zur Stra­ße und bie­gen Sie an der Wan­der­ta­fel nach links. Hier hat die Zi­vi­li­sa­ti­on uns wie­der und vor­bei am klei­nen Pick­nick­platz Font de Ol­bis schlen­dern Sie in 15 kurz­wei­li­gen Mi­nu­ten ge­müt­lich zu Ih­rem Fahr­zeug. Ein letz­ter Blick hin­auf zu den Hö­hen des Ca­ball Verd macht stolz auf die ei­ge­ne Leis­tung und si­cher­lich auch Ih­nen Lust auf neue Wan­der­aben­teu­er.

Fotos: In­grid Lech­ner

Oben an­ge­kom­men reicht der Blick über Man­del- und Kirsch­plan­ta­gen bis zum Meer.

Skur­ri­le Fels­for­ma­tio­nen wie die­se säu­men die Wan­der­rou­te.

Blick in das Barran­co del In­fi­er­no, das als Wan­der- und Klet­ter­pa­ra­dies be­kannt ist.

Das Re­stau­rant – oder die „Alm­hüt­te“auf dem Col­la­do de la Gar­ga.

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