War­um bloß „Po­la­cos“?

Costa Blanca Nachrichten - - Meinung -

Auf dem Berg Mont­s­er­rat in Ka­ta­lo­ni­en sagt man, dass Po­len den Ort be­son­ders an­däch­tig be­su­chen. Denn die Sta­tue, die dort steht, die schwar­ze Ma­ria „La Mo­re­ne­ta“, er­in­nert sie an die ei­ge­ne schwar­ze Ma­don­na vom Berg Jas­na Gó­ra. Selbst die Sa­ge – dass Evan­ge­list Lu­kas das Bild schuf – ist die­sel­be. Ist das der Grund, war­um in Spa­ni­en der Spitz­na­me der Ka­ta­la­nen „Po­la­cos“lau­tet?

Die Ka­ta­la­nen selbst nann­ten ih­re kul­ti­ge TV-Show „Polò­nia“, tun sich aber selbst mit ei­ner Er­klä­rung schwer. Oft heißt es, dass der Grund für den Spitz­na­men ih­re für Spa­nier un­ver­ständ­li­che Spra­che ist. Als die Ka­ta­la­nen nach dem Erb­fol­ge­krieg in spa­ni­schen Ker­kern schmor­ten, ver­stan­den die Wäch­ter sie nicht und schimpf­ten: „Die­se Po­la­cos!“

Ka­ta­la­ni­sche Lin­gu­is­ti­ker stu­dier­ten so­gar den be­son­de­ren Reich­tum ih­rer Spra­che mit solch sla­wi­schen Lau­ten. Doch auch His­to­rie und Po­li­tik bie­ten Grün­de. Wie Po­len von Deutsch­land und Russ­land sei Ka­ta­lo­ni­en von Spa­ni­en und Frank­reich um­stellt, heißt es. Fast zu­gleich ris­sen sich Hit­ler und Fran­co 1939 Po­len und Ka­ta­lo­ni­en un­ter den Na­gel.

Bei­de wa­ren auch gro­ße Kö­nig­tü­mer: Po­len mit Li­tau­en, Ka­ta­lo­ni­en mit Ara­gon. Bei­de ver­schwan­den im 18. Jahr­hun­dert von der Kar­te. Zu­min­dest Po­len fei­ert am 11. No­vem­ber die Be­frei­ung. Und Ka­ta­lo­ni­en? Das exis­tier­te laut kon­ser­va­ti­ven Spa­ni­ern nie. Die end­gül­ti­ge Ka­pi­tu­la­ti­on – al­so nichts Er­freu­li­ches – fei­ern die Ka­ta­la­nen an ih­rem Fei­er­tag – welch ein Zu­fall, auch ein 11., nur halt Sep­tem­ber.

Doch trau­ri­ge Fei­er­ta­ge hat auch Po­len. Wie den Tag des War­schau­er Auf­stands, der die Stadt in Asche ver­wan­del­te. Ken­nen Spa­nier oder Deut­sche das, ei­ne Tra­gö­die zu „fei­ern“? Als Ver­lie­rer zu gel­ten ha­ben Ka­ta­la­nen und Po­len so­zu­sa­gen im Blut. Und auch den selt­sa­men Kom­plex, sich als min­der­wer­ti­ge und zu­gleich aus­er­wähl­te Na­ti­on zu füh­len. Der Esel sym­bo­li­siert das gut: Er er­in­nert ei­gent­lich dar­an, dass die Ka­ta­la­nen als Töl­pel gal­ten – doch stolz kle­ben sie ihn statt des Stie­res auf das Au­to. So ist das „Po­la­cos“ei­gent­lich auch nicht nett ge­meint. Wenn die Em­pö­rung über die heu­ti­ge Stör­risch­keit bei­der Völ­ker groß ist, soll­ten die Stie­re al­so nicht mit ih­ren di­cken Ei­ern wa­ckeln: Pa­ra­graph 155 oder Eu­ro­päi­sches Ge­richt. Son­dern Esel gleich­wer­tig be­han­deln – als Tie­re, wie sie selbst.

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