De­li­ka­te Snacks

Ess­ba­re In­sek­ten gel­ten als Nah­rungs­mit­tel der Zu­kunft

Costa del Sol Nachrichten - - Erste Seite - Micha­el Tram­pert

Mil­lio­nen von Men­schen auf der gan­zen Welt ver­zeh­ren täg­lich In­sek­ten. In Spa­ni­en ist die An­zahl von Fans des so­ge­nann­ten No­velFood al­ler­dings über­schau­bar. In nur we­ni­gen Ge­schäf­ten und Re­stau­rants wer­den die Kr­ab­bel­tie­re an­ge­bo­ten. Doch ei­ne neue Ver­ord­nung er­leich­tert Un­ter­neh­men nun, ei­ne eu­ro­pa­wei­te Ge­neh­mi­gung für den Ver­trieb von In­sek­ten zu er­hal­ten. Au­ßer­dem ist der Ekel vor In­sek­ten bei man­chen Men­schen sehr viel ge­rin­ger als vie­le den­ken.

In vie­len Län­dern der Welt ge­hö­ren In­sek­ten zu den täg­li­chen Nah­rungs­mit­teln. Sie sind ein­fach zu züch­ten und ih­re Hal­tung ist um­welt­freund­lich, da die Tie­re im Ver­gleich zu Rin­dern oder Schwei­nen deut­lich we­ni­ger Treib­haus­ga­se aus­sto­ßen. Auch die Kos­ten für die Zucht von In­sek­ten sind ge­ring, da sie auf­grund ih­rer Grö­ße we­ni­ger Fut­ter be­nö­ti­gen als an­de­re Tie­re, um her­an­zu­rei­fen.

Der Haupt­grund für den Ver­zehr von In­sek­ten sind je­doch die vie­len ent­hal­te­nen Nähr­stof­fe und Vit­ami­ne. Ex­per­ten der Er­näh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen (FAO) ha­ben in ei­nem Be­richt auf die vie­len Vor­tei­le von In­sek­ten als Nah­rungs­mit­tel ver­wie­sen und die Kr­ab­bel­tie­re so­gar als „Es­sen der Zu­kunft“be­zeich­net. Im­mer­hin lan­den In­sek­ten be­reits jetzt schon täg­lich auf den Tel­lern von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Men­schen in Afri­ka, Asi­en und Süd­ame­ri­ka. In Eu­ro­pa je­doch kön­nen sich bis jetzt nur we­ni­ge Men­schen vor­stel­len, In­sek­ten zu ver­spei­sen. In Spa­ni­en gibt es ge­ra­de ein­mal ei­ne Hand­voll Re­stau­rants, die In­sek­ten zum Ver­zehr an­bie­ten und da­für auch wer­ben.

We­ni­ge Re­stau­rants in Spa­ni­en

Ei­nes der we­ni­gen Re­stau­rants, das sei­nen Gäs­ten seit be­reits zehn Jah­ren In­sek­ten an­bie­tet, ist das „Ent­re Su­spi­ro y Su­spi­ro“in Ma­drid.

„Täg­lich kom­men Men­schen zu uns, die un­ter an­de­rem Spei­sen aus In­sek­ten be­stel­len. Dar­un­ter auch Kin­der“, sagt der Di­rek­tor des Lo­kals, Adrian Cas­tañe­da de la Bar­re­ra. „Der Ge­schmack der zu­be­rei­te­ten In­sek­ten ist gran­di­os. Des­halb geht es beim Ver­zehr die­ser Tie­re dar­um, für ei­nen Mo­ment zu ver­ges­sen, was man isst und die Spei­se an­statt­des­sen ein­fach nur zu ge­nie­ßen.“ Der Grund da­für, dass es bis jetzt nicht vie­le Re­stau­rants in Spa­ni­en gibt, die ess­ba­re In­sek­ten an­bie­ten, sieht Adrian Cas­tañe­da de la Bar­re­ra in der feh­len­den Kom­mu­ni­ka­ti­on. „Vie­le Men­schen tun sich schwer da­mit, In­sek­ten als Nah­rungs­mit­tel zu be­grei­fen. Sie müss­ten bes­ser für In­sek­ten als Nah­rungs­mit­tel sen­si­bi­li­siert wer­den“, meint er. Im „Ent­re Su­spi­ro y Su­spi­ro“über­zeugt man die Gäs­te be­reits er­folg­reich mit ess­ba­ren In­sek­ten. Dort wer­den Heu­schre­cken und Wür­mer in Ta­cos und Amei­sen­Lar­ven mit Mais an­ge­bo­ten. Das Ziel sei es, den na­tür­li­chen Ge­schmack der In­sek­ten durch die Zu­be­rei­tung so we­nig wie mög­lich zu ver­än­dern, so der Di­rek­tor.

Auch in der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­sucht man be­reits, die Men­schen an das als No­vel-Food be­kann­te Es­sen her­an­zu­füh­ren. Seit dem 1. Ja­nu­ar 2018 gilt für ganz Eu­ro­pa ei­ne Ver­ord­nung, die die Her­stel­lung, die Zu­be­rei­tung und den Ver­kauf von In­sek­ten in­ner­halb

„Gut zu­be­rei­te­te In­sek­ten sind sehr ge­schmack­voll“

der Uni­on re­gelt. Bis­her muss­ten Un­ter­neh­men, die neu­ar­ti­ge Le­bens­mit­tel auf den Markt brin­gen woll­ten, ei­nen Zu­las­sungs­an­trag bei den je­weils na­tio­na­len Be­hör­den ein­rei­chen, in de­nen sie be­le­gen muss­ten, dass die Le­bens­mit­tel für Ver­brau­cher si­cher sind. Al­ler­dings ging es beim Ver­kauf von Le­bens­mit­teln im­mer nur um Aus­zü­ge und Tei­le ei­nes Tie­res. In­sek­ten wer­den je­doch als Gan­zes an­ge­bo­ten, was zu un­ter­schied­li­chen In­ter­pre­ta­tio­nen in den EU-Mit­glieds­staa­ten führ­te.

Ge­setz schließt Rechts­lü­cke

Die am 1. Ja­nu­ar 2018 in Kraft ge­tre­te­ne No­vel-Food-Ver­ord­nung (EU 2015/2283) be­sei­tigt nun al­le Un­klar­hei­ten. Sie be­inhal­tet aus­drück­lich In­sek­ten und in­sek­ten­hal­ti­ge Pro­duk­te. Un­ter­neh­mer müs­sen ih­ren Zu­las­sungs­an­trag nun an die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on rich­ten. Dort wird das neue Nah­rungs­mit­tel dann von der eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) be­wer­tet und ge­ge­be­nen­falls frei­ge­ge­ben.

Ei­ne Ver­ein­fa­chung stellt das so­ge­nann­te An­zei­ge­ver­fah­ren für tra­di­tio­nel­le Le­bens­mit­tel aus ei­nen Dritt­staat dar. In die­sem Fall muss das Un­ter­neh­men nach­wei­sen, dass das Nah­rungs­mit­tel be­reits über ei­nen Zei­t­raum von 25 Jah­ren in ei­nem Land au­ßer­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­speist wur­de, oh­ne dass es dort je­mals Si­cher­heits­be­den­ken ge­ge­ben hat. Auf die­se Wei­se könn­ten künf­tig be­stimm­te In­sek­ten­ar­ten auf dem eu­ro­päi­schen Le­bens­mit­tel­markt lan­den.

Zu­sätz­lich ist ei­ne so­ge­nann­te Le­bens­mit­tel-Lis­te ein­ge­führt wor­den, die al­le bis­lang in der EU zu­ge­las­se­nen Le­bens­mit­tel in­klu­si­ve Pro­dukt­spe­zi­fi­ka­ti­on und Ver­wen­dungs­be­din­gun­gen be­inhal­tet.

Durch die ver­ein­fach­te Form, In­sek­ten oder in­sek­ten­hal­ti­ge Pro­duk­te mit ei­nem Schritt in ganz Eu­ro­pa an­zu­mel­den, stei­gen auch die An­ge­bo­te in den Ge­schäfts­re­ga­len. Car­re­four ist der ers­te Su­per­markt in Spa­ni­en, der im ers­ten Quar­tal des Jah­res 2018 ess­ba­re In­sek­ten in sei­ne Pro­dukt­pa­let­te mit auf­nahm. Das fran­zö­si­sche Un­ter­neh­men teil­te in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung mit, dass die Ein­füh­rung von ess­ba­ren In­sek­ten dar­auf ab­zielt, den Ver­brau­chern neue und in­no­va­ti­ve Pro­duk­te an­zu­bie­ten, die gleich­zei­tig nach­hal­tig und um­welt­freund­lich sind.

In sei­nem Sor­ti­ment führt die Su­per­markt­ket­te un­ter an­de­rem Ener­gie­rie­gel für Sport­ler, Snacks und Pas­ta. Ein ent­spre­chen­des Schild am Re­gal mit der Auf­schrift „Atré­ve­te a pro­bar­los“(dt.: Trau­en Sie sich, zu pro­bie­ren) wird der Kun­de ein­ge­la­den, die pro­te­in­hal­ti­ge Nah­rung zu kau­fen. Al­ler­dings sind die Prei­se für ei­ne klei­ne Schach­tel mit fünf Eu­ro und mehr nicht ge­ra­de güns­tig.

Ne­ben Car­re­four bie­ten zahl­rei­che On­li­ne-Ge­schäf­te den Kauf von ess­ba­ren In­sek­ten an. Die Prei­se sind al­ler­dings ähn­lich hoch wie bei der fran­zö­si­schen Su­per­markt-Ket­te. Die ho­hen Prei­se von ess­ba­ren In­sek­ten sieht der Re­stau­rant-Di­rek­tor des „Ent­re Su­sprio y Su­spi­ro“, Adrian Cas­tañe­da de la Bar­re­ra, des­halb auch als Grund, war­um sie sich wahr­schein­lich nicht so schnell als Nah­rungs­mit­tel der Zu­kunft durch­set­zen wer­den. In­for­ma­tio­nen über das Re­stau­rant „Ent­re Su­spi­ro y Su­spi­ro“er­hält man auf der Web­sei­te <www.ent­re sus­pi­roysus­pi­ro.com>. In­for­ma­tio­nen zum The­ma In­sek­ten als Zu­kunfts­es­sen von der FAO gibt es un­ter <https://bit.ly/1ixCl5P>.

Fo­tos: dpa (1), Achim Schmidt (2), Micha­el Tram­pert (3)

Ex­per­ten ver­mu­ten, dass ess­ba­re In­sek­ten die Nah­rungs­mit­tel der Zu­kunft sind.

Be­son­ders be­liebt sind Heu­schre­cken.

Car­re­four bie­tet seit ei­ni­gen Mo­na­ten ess­ba­re In­sek­ten in sei­nem Sor­ti­ment an.

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