Hu­ma­nist und Phil­an­throp: Ge­denk­ta­fel für Ot­to En­gel­hardt in Se­vil­la

Ei­ne Ge­denk­ta­fel im Ge­bäu­de des an­da­lu­si­schen Par­la­ments er­in­nert an Ot­to En­gel­hardt

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Se­vil­la – jan. In ei­nem der In­nen­hö­fe des Ho­s­pi­tal de las Cin­co Llagas in Se­vil­la, heu­ti­ger Sitz des an­da­lu­si­schen Par­la­ments, er­in­nert fort­an ei­ne Ge­denkt­ta­fel an den deutsch-spa­ni­schen In­ge­nieur Ot­to En­gel­hardt (1866-1936). Bei der Pla­ket­te han­delt es sich um die Re­plik ei­ner in den 1960er Jah­ren ver­schwun­de­nen Wand­ta­fel, mit der die Pro­vinz­re­gie­rung von Se­vil­la En­gel­hardt im Jahr 1909 für ei­ne wohl­tä­ti­ge Stif­tung dank­te.

In­ge­nieur und Di­plo­mat

Der in Braun­schweig be­hei­ma­te­te In­ge­nieur ar­bei­te­te für das Un­ter­neh­men AEG in Ber­lin, ehe er nach Se­vil­la um­sie­del­te, wo er sich im Ju­li 1894 nie­der­ließ. Als Di­rek­tor des Ener­gie­un­ter­neh­mens Com­pañia Se­vil­la­na de Electri­ci­dad und Lei­ter der Ge­sell­schaft Com­pañia de Tran­vías de Se­vil­la leis­te­te er ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag für die Aus­wei­tung des Strom­net­zes der Stadt so­wie für die Mo­der­ni­sie­rung der Stra­ßen­bahn. Im Jahr 1903 wur­de En­gel­hardt von Kai­ser Wil­helm II. zum deut­schen Ho­no­rar­kon­sul in Se­vil­la be­ru­fen und vom spa­ni­schen Kö­nig Al­fons XIII. in die­sem Amt be­stä­tigt. In die­ser Funk­ti­on trug er we­sent­lich da­zu bei, die Neu­tra­li­tät Spa­ni­ens im Ers­ten Welt­krieg zu wah­ren, was zu­letzt da­zu führ­te, dass er sei­ne Stel­lung und sein Ver­mö­gen ver­lor.

Er leg­te des­halb 1919 sein Amt als Ho­no­rar­kon­sul nie­der. In der Fol­ge­zeit wid­me­te er sich di­ver­sen un­ter­neh­me­ri­schen Tä­tig­kei­ten. So grün­de­te er et­wa in San Juan de Az­nal­fa­ra­che (Se­vil­la) das me­di­zi­ni­sche La­bor Sa­na­vi­da, das neue Me­di­ka­men­te ent­wi­ckel­te. Da­ne­ben tat er sich als Er­fin­der her­vor und mel­de­te meh­re­re Pa­ten­te an.

Als über­zeug­ter Pa­zi­fist war Ot­to En­gel­hardt au­ßer­dem auch ein ak­ti­ver Geg­ner der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in Deutsch­land. Nach de­ren Macht­er­grei­fung gab er al­le ihm ver­lie­he­nen Or­den und Aus­zeich­nun­gen zu­rück. An Hit­ler und wei­te­re Ver­tre­ter des Na­zi­re­gimes schrieb er Te­le­gram­me und Brie­fe, in de­nen er ge­gen die Recht­lo­sig­keit und den Ter­ror in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern pro­tes­tier­te.

We­gen sei­ner aus­drück­li­chen Op­po­si­ti­on zum po­li­ti­schen Re­gime in Deutsch­land be­an­trag­te er die spa­ni­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit, die ihm durch die Re­gie­rung der Zwei­ten Spa­ni­schen Re­pu­blik schließ­lich auch ge­währt wur­de. Sei­ne deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit gab er dar­auf­hin auf.

Ent­führt und exe­ku­tiert

Knapp zwei Mo­na­te nach dem Mi­li­tär­putsch ge­gen die Re­pu­blik, der in Se­vil­la un­ter der Füh­rung des Ge­ne­rals Qu­ei­po de Lla­no Er­folg hat­te, wur­de der mitt­ler­wei­le 70jäh­ri­ge Ot­to En­gel­hardt am 12. Sep­tem­ber 1936 aus ei­nem Kran­ken­haus in Se­vil­la ent­führt. Nur zwei Tage spä­ter rich­te­te man ihn oh­ne ein Ge­richts­ver­fah­ren hin.

Die Ge­denk­ta­fel im ge­schichts­träch­ti­gen Ge­bäu­de der an­da­lu­si­schen Haupt­stadt wur­de ent­hüllt von dem Par­la­ments­prä­si­den­ten Juan Pa­blo Durán und Fer­nan­do Za­mo­ra, Bür­ger­meis­ter von San Juan de Az­nal­fa­ra­che, wo Ot­to En­gel­hardt bis zu sei­nem ge­walt­sa­men Tod leb­te. In ih­ren An­spra­chen wür­dig­ten sie den Bei­trag En­gel­hardts für die Ent­wick­lung Se­vil­las, sein Mä­ze­na­ten­tum und vor al­lem sei­nen Mut. Der fei­er­li­chen Ze­re­mo­nie wohn­ten ne­ben Nach­fah­ren des Geehr­ten auch der ak­tu­el­le deut­sche Kon­sul in Mála­ga, Ar­nulf Braun, bei.

Fo­to: Deut­sches Kon­su­lat Se­vil­la

Die Pla­ket­te ist vom Par­la­ments­prä­si­den­ten Juan Pa­blo Durán im Bei­sein von Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen En­gel­hardts ent­hüllt wor­den.

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