Ein har­mo­ni­scher Rei­gen

Work­shop im Reit­stall Al Ka­dar in Este­po­na: Die bei­den Pfer­de­ex­per­ten Marc Pla­na und Me­lin Far­riols be­geis­tern Pfer­de­nar­ren

Costa del Sol Nachrichten - - Costa Del Sol -

Le­na Ku­der Este­po­na

Kan­d­ar­ren, schar­fe Na­sen­ei­sen, Spo­ren­spu­ren und Schlä­ge ha­ben in der Pfer­de­welt von Marc Pla­na nichts zu su­chen. Vor ei­ni­gen Jah­ren hat er die „Do­ma Edu­ca­ti­va“ent­wi­ckelt, ei­ne Me­tho­de, die dar­auf zielt, an­de­ren Men­schen das „Na­tu­ral Hor­se­m­anship“, das sanft auf Kom­mu­ni­ka­ti­on und Kör­per­spra­che ba­sie­ren­de Pfer­de­trai­ning, zu ver­mit­teln.

Pla­na be­trach­tet die Pfer­de als ganz be­son­de­re We­sen mit ei­nem „rei­nen Her­zen“, die es ver­dient ha­ben, dass man ih­nen auf Au­gen­hö­he be­geg­net, da­mit sie ei­nen als Spiel­ka­me­ra­den und Kum­pel se­hen, vor de­nen sie kei­ne Angst ha­ben müs­sen. „Dass Pfer­de gut­mü­tig sind, zeigt sich schon al­lein dar­in, dass sie uns mit ih­ren 500 Ki­lo schwe­ren Kör­pern tö­ten könn­ten, dies aber nicht tun“, sagt Pla­na. Er lädt die Pfer­de­men­schen da­zu ein, of­fen für Neu­es zu sein. Teil­neh­mer mit ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den und Er­fah­rungs­schät­zen ha­ben sich für den Work­shop an­ge­mel­det. Da ist Juan, der Pfer­de mit ge­bro­che­nen Na­sen kennt und sich ge­gen­über an­de­ren Pfer­de­be­sit­zern recht­fer­ti­gen muss, dass er sei­ne Pfer­de nicht schlägt, ein Schwei­zer-Ehe­paar, das ein ähn­li­ches Trai­ning, das „Na­tu­ral Dog­manship“, bei ih­rem Hund an­wen­det, oder Mar­ta, die be­reits Er­fah­run­gen mit den „Na­tu­ral Hor­se­m­anship“-Me­tho­den von Pat Pa­rel­li hat.

Ver­schie­de­ne Hin­ter­grün­de

Ei­ni­ge ha­ben Pla­nas Kur­se be­reits be­sucht und bau­en dar­auf auf, für an­de­re ist die­se Her­an­ge­hens­wei­se voll­kom­men neu. Pla­nas durch Be­ob­ach­tung, Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und Aus­pro­bie­ren ge­nähr­tes Wis­sen gibt er an Pfer­de­freun­de wei­ter. Da­bei geht es ihm nicht dar­um, ein Dog­ma zu ver­brei­ten, son­dern je­der soll aus dem, was er ver­mit­telt, die Ele­men­te her­aus­pi­cken, mit de­nen er et­was an­fan­gen kann und die er für sich um­set­zen möch­te. Die Hau-Ruck-Me­tho­de ist al­ler­dings fehl am Platz. Be­vor es ans Pferd geht, er­klärt Pla­na im theo­re­ti­schen Teil am Frei­tag, 22. No­vem­ber, im Gar­ten­cen­ter Agro­jar­dín den Pfer­de­nar­ren und -när­rin­nen, wie der Pfer­de­kör­per auf­ge­baut ist, wie das Pferd sieht, riecht und fühlt.

„Je­des Pferd ist ein In­di­vi­du­um und soll­te auch so be­han­delt wer­den“, so Pla­na. Auf Fo­tos kön­nen die Teil­neh­mer an­hand der Mi­mik und Ge­bah­ren des Tie­res er­ken­nen, ob es Angst hat, ent­spannt, ag­gres­siv oder de­pres­siv ist. Pla­na geht es dar­um, das We­sen des Pfer­des zu ver­ste­hen und sich in das Tier hin­ein­zu­ver­set­zen.

Steht et­wa plötz­lich ein Müll­con­tai­ner auf ei­nem ge­wohn­ten Weg, so soll­te der Rei­ter be­grei­fen, dass sich das Pferd den Con­tai­ner erst­mal an­schau­en und da­ran schnup­pern muss.

Das A und O sei es, so Pla­na, dass man erst ein­mal in sich geht, be­vor man mit dem Pferd ar­bei­tet, denn Stress über­tra­ge sich auf das Tier. Wer me­lan­cho­lisch, übel ge­launt oder ex­trem ge­stresst ist, der soll­te sich an sol­chen Ta­gen lie­ber vom Stall fern­hal­ten. Es sei ein Ge­schenk, sagt der Pfer­de­ex­per­te, dass das Pferd nur das Le­ben im Mo­ment ken­ne. Es leh­re den Men­schen, in der Ge­gen­wart zu le­ben. Da­bei er­war­te das Pferd, dass der Mensch ihm die vol­le Auf­merk­sam­keit schenkt und es nicht mit Zi­ga­ret­te im Mund­win­kel und auf das Smart­pho­ne-Dis­play schau­end lon­giert. Pla­na un­ter­streicht, dass das Pferd er­war­tet, dass sich sein Kum­pel – der Mensch – mit ihm be­schäf­tigt.

Me­lin Far­riols ist Ex­per­tin im „Con­nec­ted Ri­ding“, ei­ner von der US-ame­ri­ka­ni­schen Rei­te­rin Pen­ny Cum­mings ent­wi­ckel­ten Me­tho­de. Die Ka­ta­la­nin ist auf ei­nem Ge­stüt in Ar­gen­to­na (Bar­ce­lo­na) auf­ge­wach­sen, war al­so von klein­auf mit Pfer­den zu­sam­men. Ihr Groß­va­ter ha­be ihr die Grund­re­geln des Rei­tens bei­ge­bracht. Da­bei ging es dar­um, die Bei­ne fest an den Pfer­de­leib zu pres­sen, tief im Sat­tel zu sit­zen und ei­ne eher star­re Hand zu ha­ben.

Rei­ter als Pas­sa­gier

Als sie 2002 ei­nen „Hor­se­m­anship“-Kurs (na­tür­li­che, sanf­te Pfer­de­aus­bil­dung) mit­mach­te, be­gann sie, das be­reits Ge­lern­te zu über­den­ken. Sie häng­te ih­ren Be­ruf als Rechts­an­wäl­tin an den Na­gel, um sich fort­an den Pfer­den zu wid­men. „Ich be­gann Jung­pfer­de aus­zu­bil­den und stell­te schnell fest, dass sie mir mei­ne Feh­ler zeig­ten“, er­zählt Far­riols. „Oft hat­te ich we­nig Ge­duld oder war frus­triert.“Des­halb ha­be sie be­gon­nen, zu­nächst ih­re ei­ge­nen Feh­ler zu kor­ri­gie­ren. „Wir müs­sen uns vor Au­gen füh­ren, dass wir für das Pferd ein Le­bend­ge­wicht dar­stel­len“, sagt Far­riols. Per se sei das Pferd nicht da­zu ge­schaf­fen, ei­nen Rei­ter durch die Welt­ge­schich­te zu tra­gen, der Mensch muss es erst da­für prä­pa­rie­ren. „Ge­mein­hin wird ge-

Marc Pla­na: „Je­des Pferd ist ein In­di­vi­du­um und soll­te auch so be­han­delt wer­den“

Fo­tos: Le­na Ku­der

Auf ei­ner Ver­trau­ens­ba­sis: Nach we­ni­gen Mi­nu­ten ge­lingt es Marc Pla­na, den Hengst Na­ran­je­ro zu be­ru­hi­gen.

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