«Man wird sich hü­ten, ihn wie­der frei­zu­las­sen»

20 Minuten - Basel - - Auftakt -

AARAU. Der fo­ren­si­sche Psych­ia­ter Ralph Aschwan­den geht da­von aus, dass die Ver­wah­rung von Tho­mas N. auch vor Ober­ge­richt Be­stand hat.

Herr Aschwan­den, der Vier­fach­mör­der von Rup­pers­wil geht ge­gen sei­ne Ver­wah­rung vor. War­um ak­zep­tiert er das Ur­teil nicht?

Schon im Pro­zess äus­ser­te Tho­mas N. die ab­we­gi­ge Vor­stel­lung, wie­der Teil der Ge­sell­schaft zu wer­den. Of­fen­bar sieht er sich nicht als rück­fall­ge­fähr­det oder glaubt, dass ein­fach je­der wie­der frei­kommt, der wil­lig an Psy­cho­the­ra­pie teil­nimmt. Ein Wei­ter­zug je­den­falls spricht ge­gen ein ak­tu­el­les Pro­blem­ver­ständ­nis. Be­son­ders em­pa­thie­lo­se, psy­cho­pa­thi­sche Tä­ter rei­zen ju­ris­ti­sche Mit­tel ma­xi­mal aus.

In ei­nem Rechts­staat ist es nor­mal, dass man ein Ur­teil an­fech­ten kann.

Er hat das Recht, in Be­ru­fung zu ge­hen – und es scha­det auch nicht, wenn sich meh­re­re In­stan­zen mit dem Fall be­fas­sen müs­sen.

War­um?

Un­se­re Jus­tiz ist es sich nicht ge­wohnt, mit solch schwe­ren Tä­tern um­zu­ge­hen, weil das Straf­recht stark auf Re­in­te­gra­ti­on aus­ge­legt ist. Auch wenn es öf­fent­lich kaum je­mand zu sa­gen wagt: Wohl je­der Ju­rist und fo­ren­si­sche Psych­ia­ter er­schau­dert, wenn man bei so ei­nem Tä­ter das Wort «Re­in­te­gra­ti­on» in den Mund nimmt. Dass nun et­wa ei­ne Ver­län­ge­rung der mi­ni­ma­len Dau­er der le­bens­läng­li­chen Frei­heits­stra­fe vor­ge­schla­gen wird, zeigt die Wir­kung sol­cher öf­fent­li­cher Pro­zes­se.

Wie schät­zen Sie die Chan­ce ein, dass Tho­mas N. vor Ober­ge­richt ge­winnt?

Ich rech­ne nicht da­mit, dass die or­dent­li­che Ver­wah­rung auf­ge­ho­ben wird. Die Wahr­schein­lich­keit, dass er ir­gend­wann ent­las­sen wird, ist re­la­tiv klein. Man wird sich hü­ten, ihn frei­zu­las­sen, denn nie­mand wird je mit ge­nü­gen­der Si­cher­heit sa­gen kön­nen, was sich hin­ter sei­ner

Fas­sa­de wirk­lich ver­birgt und dass er nie wie­der sol­che Ta­ten be­ge­hen wird.

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