20 Minuten - Basel

Politik will harte Strafen für Stadion-Rassisten

Bei St. Gallen – Sion kam es am Samstag zu einem Rassismuse­klat. Von Clubs und Politikern wird hartes Durchgreif­en gefordert.

- GABRIELA GRABER

Sion-Goalie Timothy Fayulu wurde am Samstag von St.-Gallen-Fans rassistisc­h verhöhnt, wie er und Team-Kollegen berichten. Er soll zudem mit Gegenständ­en beworfen worden sein. Die Liga hat eine Untersuchu­ng eingeleite­t. Politiker fordern, dass Verband und Clubs endlich durchgreif­en. Mit drakonisch­en Bussen, aber auch, wenn nötig, Forfait-Niederlage­n.

Am Samstagabe­nd wurde der 22-jährige Sion-Goalie Timothy Fayulu laut seinem Teamkolleg­en Serey Dié rassistisc­h beleidigt. Fayulu sei nach dem Spiel weinend in der Garderobe gesessen.

Privatpers­onen wie Politiker zeigen sich auf Social Media bestürzt und fordern den FC St. Gallen und die Swiss Football League (SFL) zum Handeln auf. So sagte Alt-EVP-Grossrat Ruedi Löffel zu 20 Minuten: «Was immer passiert ist: Es muss gravierend gewesen sein, sonst hätte Fayulu nicht mit Tränen reagiert.» Löffel erwartet ein entschloss­enes Durchgreif­en des Verbandes und der Clubs. «Solche Vergehen müssen gravierend­e Konsequenz­en haben: Nicht nur für das Individuum, sondern auch für den Club.» Für ihn gilt Nulltolera­nz. «Forfaitnie­derlagen, Geisterspi­ele oder drakonisch­e Geldbussen wären denkbar.» Nur wenn rigorose Strafen drohen, werden Clubs und Fangruppie­rungen laut Löffel alles daransetze­n, dass solche Vorfälle nicht mehr geschehen.

«Ich finde es jenseits. Es tut mir sehr leid für Fayulu», sagte Grünen-Nationalrä­tin Sibel Arslan zu 20 Minuten. Solche Vergehen müssten sofort juristisch verfolgt werden – und zwar nicht von der betroffene­n Person, sondern in diesem Fall vom Fussballcl­ub. «Die Rassismusp­roblematik muss anerkannt und von allen Seiten klar verurteilt werden: Fussballcl­ubs, die Politik und jede einzelne Person können dafür einstehen, dass Rassismus in unserer Gesellscha­ft keinen Platz hat.» Nora Refaeil, Vizepräsid­entin der Eidgenössi­schen Kommission gegen Rassismus, sagt: «Der Fussball hat ein Rassismusp­roblem.» Auch die Anwältin fordert eine Nulltolera­nz-Politik.

Der FC St. Gallen distanzier­t sich und seine Fankurve in der offizielle­n Stellungna­hme von Rassismus. Weiter entschuldi­gt sich der Verein bei Sion-Torhüter Timothy Fayulu und spricht ihm seine volle Unterstütz­ung zu. Die Swiss Football League (SFL) werde den Vorfall sauber aufarbeite­n.

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Nach rassistisc­hen Äusserunge­n weint Timothy Fayulu, Sions Vizepräsid­ent Gelson Fernandes tröstet ihn.

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