«Ein Frei­spruch ist für die Op­fer sehr be­las­tend»

20 Minuten - Bern - - Sexuelle Gewalt -

Frau Fehr­lin, wie­so wird man­chen Op­fern von ei­ner An­zei­ge ab­ge­ra­ten?

Ich ge­be kei­ne Emp­feh­lun­gen ab, aber ich zei­ge mei­nen Man­dan­tin­nen auf, was bei ei­ner An­zei­ge auf sie zu­kom­men kann. Die Ent­schei­dung tref­fen die Frau­en je­weils selbst.

Was kann denn auf ein

Op­fer zu­kom­men?

Die Frau­en müs­sen sich be­wusst sein, dass sich ein Pro­zess ers­tens über Jah­re hin­zie­hen kann. Und zwei­tens, dass je nach Be­weis­last ein Frei­spruch des Tä­ters mög­lich, in ei­ni­gen Fäl­len so­gar wahr­schein­lich ist. Ein Frei­spruch ist für die Op­fer sehr be­las­tend.

Ist es nicht ein Pro­blem un­se­res

Straf­rechts, wenn vie­le Op­fer das Ge­fühl ha­ben, dass sie kein Recht zu­ge­spro­chen be­kom­men? Se­xu­al­de­lik­te sind fast im­mer 4-Au­gen-ver­bre­chen. Es sind nur zwei Per­so­nen an­we­send, die Aus­sa­gen ma­chen kön­nen. Gibt es kei­ne Be­wei­se wie sicht­ba­re Ge­walt­ein­wir­kun­gen, muss das Ge­richt ent­schei­den, wel­che Aus­sa­gen

glaub­haf­ter sind.

Könn­te ei­ne Re­vi­si­on des Se­xu­al­straf­rechts Ver­bes­se­rung brin­gen? Ich be­grüs­se die Re­vi­si­on, den­ke je­doch, dass das Kern­pro­blem blei­ben wird: Wie be­wei­se ich, dass dem Tä­ter klar war, dass das Op­fer das nicht woll­te?

Kat­ja Fehr­lin ist Rechts­an­wäl­tin und ver­tritt Op­fer in Se­xu­al­straf­ver­fah­ren.

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