20 Minuten - Bern

«Meine Schwester versteckt sich vor den Taliban im Keller»

ZÜRICH. Sahid wurde von den Taliban gefoltert. Nun fürchtet seine Schwester, eine Ex-offizierin, in Afghanista­n um ihr Leben.

-

Jedes Mal, wenn Sahid die Nummer seiner Schwester wählt und sie nicht abnimmt, befürchtet er das Schlimmste. Seitdem die Taliban im August die Macht ergriffen haben, versteckt sich die Frau in einem Keller. Sie befürchtet Rache, weil sie zuvor in einem hohen militärisc­hen Dienstgrad bei der afghanisch­en Polizei gearbeitet und Mitglieder der Taliban vor Gericht gezogen hatte.

«Ich habe jeden Tag Angst, dass die Taliban meine Schwester und ihre Familie finden und sie töten», sagt Sahid. Der 58-Jährige ist vor sechs Jahren aus dem Land geflohen und lebt inzwischen in einer Zürcher Gemeinde. Auch er war ins Visier der Taliban geraten, weil er sich als Präsident eines Sportverei­ns dafür eingesetzt hatte, dass auch Frauen Sport treiben dürfen. Daraufhin entführten und folterten die Taliban Sahid während zwanzig Tagen, bis er von der Polizei befreit wurde. «Diese Leute sind keine Muslime. Das sind Teufel», sagt Sahid.

Er ruft seine Schwester an. «Ich sitze in einem dunklen Raum. Ich bekomme nicht genug Luft und habe nicht genug Essen», erzählt sie unter Tränen. Die Schwester flehe ihn jeden Tag an, ihr zu helfen, erzählt Sahid nach dem Telefonges­präch. Aber ihm seien die Hände gebunden. Es sei schrecklic­h: «Ich kann ihr nicht helfen.»

 ??  ?? Sahid floh vor den Taliban und lebt im Kanton Zürich. Was Sahid zu erzählen hat, sehen Sie auf 20minuten.ch
Sahid floh vor den Taliban und lebt im Kanton Zürich. Was Sahid zu erzählen hat, sehen Sie auf 20minuten.ch

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland