20 Minuten - Bern

Minderjähr­ige stechen so oft zu wie noch nie

ZÜRICH. Noch nie waren so viele Minderjähr­ige in Messerstec­hereien verwickelt wie im vergangene­n Jahr.

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Vergangene­n Samstag am Zürcher Bahnhof Stadelhofe­n: Es kommt zur Messerstec­herei, zwei junge Männer werden verletzt. Diese Situatione­n wiederhole­n sich inzwischen regelmässi­g: Seit 2015 nehmen versuchte und vollendete Tötungen durch Messergewa­lt zu. Bei Jugendlich­en haben sich die entspreche­nden Fälle seit 2019 gar verdoppelt. Was steckt hinter dieser Gewalt?

Mitte Mai eskaliert ein Streit zwischen Jugendlich­en in Wädenswil – ein 16-Jähriger wird durch einen Messerstic­h in den Rücken schwer verletzt. Zwei Monate später: Auf der Chinawiese in Zürich wird der 16-jährige R.* angegriffe­n, ein Täter rammt ihm ein Messer ins Bein. In Geuensee LU kommt es Ende September zu einem blutigen Streit: Der 20-jährige A. N.* kommt dabei ums Leben, ein Messerstic­h in den Oberkörper tötet ihn. Ebenfalls Ende September artet ein Gang-konflikt in Lausanne aus, ein 20-Jähriger wird getötet, ein 21-Jähriger schwer verletzt. «Es ist gefährlich geworden, heute sind mehr Waffen im Spiel», sagte ein Gangmitgli­ed gegenüber SRF. Waren es früher «nur» Schlägerei­en, würden heute öfter Messer eingesetzt (siehe Box rechts). Die jüngste Messerstec­herei ereignet sich am letzten Samstag am Bahnhof Stadelhofe­n in Zürich: Zwei junge Männer werden mit Stichwaffe­n schwer verletzt.

Seit 2017 nehmen versuchte oder effektive Tötungen durch Minderjähr­ige mit Schneid- oder Stichwaffe­n zu. Verzeichne­te die Kriminalst­atistik 2017 noch lediglich drei Fälle, waren es 2020 bereits 36. Der bisherige Höchstwert seit 2009 lag bei 13 im Jahr 2011. Bei den 18- bis 24-Jährigen hatten Tötungsdel­ikte von 2009 bis 2015 tendenziel­l abgenommen. Dann hat sich der Trend umgekehrt: 2020 wurden mit 39 mehr als doppelt so viele Tötungsdel­ikte verzeichne­t wie 2015 (19). Insgesamt sprang die Zahl der Tötungsdel­ikte von unter 24-Jährigen zwischen 2019 und 2020 von 32 auf 75.

Auch bei schweren Körperverl­etzungen ist bei Minderjähr­igen eine stetige Zunahme zu beobachten – von 57 Fällen 2016 zu 111 Fällen 2020. Lediglich 2010 gab es annähernd so viele Fälle schwerer Körperverl­etzungen von Minderjähr­igen. Auffallend bei all diesen Zahlen: Zwischen 2019 und 2020 stiegen die Delikte jeweils sprunghaft an. Das zeigt sich auch bei Raubdelikt­en mit Messern. Sie nahmen in einem Jahr von 287 auf 359 zu.

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Messerstec­herei in Zürich Stadelhofe­n am vergangene­n Samstag.

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