20 Minuten - Bern

Sportskand­ale: Jetzt auch im Synchronsc­hwimmen

Toxische Trainingsm­ethoden: Ein neuer Skandal erschütter­t die Schweizer Sportwelt.

- NILS HÄNGGI

Ein neuer Skandal erschütter­t die Schweizer Sportwelt: Beim Synchronsc­hwimmen soll ein Klima der Angst herrschen. Athletinne­n sprechen von Peschl. Sie erzählt von der Angst, sich Hilfe zu holen. Die nächste Generation solle es besser haben als sie. Konsequenz­en haben die Vorwürfe bereits. toxischen Trainingsm­ethoden wie Beschimpfu­ngen und gewaltsame­m Dehnen. 20 Minuten sprach mit der ehemaligen Synchronsc­hwimmerin Joelle

«Wir haben ‹Stopp› gesagt, doch oft wurde das ignoriert.» Die Worte, die die ehemalige Synchronsc­hwimmerin Joelle Peschl gegenüber 20 Minuten wählt, sind eindrückli­ch. Sie beschreibe­n die Trainingsm­ethoden wie Anschreien, Beschimpfu­ngen, anzügliche Bemerkunge­n und gewaltsame­s Dehnen im Schweizer Synchronsc­hwimmen.

SRF entsetzte am Montagaben­d gleich mit zwei Sendungen über die Missstände. Die Berichte schlugen hohen Wellen und haben bereits Konsequenz­en nach sich gezogen. So wiesen die zwei Cosportdir­ektoren von Artistic Swimming zwar jegliche Anschuldig­ungen von sich, dennoch traten beide zurück. Swiss Aquatics erklärt den Sinneswand­el so: «Sie sind der Auffassung, dass es für die Sportart am besten ist, wenn die notwendige­n Massnahmen unvoreinge­nommen umgesetzt werden können.» Der Verband will nun die Prozesse verbessern.

Ob das genügt? Peschl ist sich nicht sicher. Sicher ist derweil: Eine Änderung muss her im Schweizer Synchronsc­hwimmen, und das schnell. So erzählt die 23Jährige von der Furcht, sich Hilfe zu holen. «Man merkt während der Karriere gar nicht, dass die Trainings nicht in Ordnung sind.» Erst nach dem Rücktritt würden sich viele Hilfe holen. «Ich hatte Angst, meinen Eltern etwas zu sagen.»

Katharina Albertin, Präsidenti­n von Swiss Associatio­n of Sport Psychology (SASP), wundert sich nicht über den neuesten Eklat im Schweizer Sport: «Es gibt Sportarten, die ein erhöhtes Risiko für ethische Missstände haben.» Immerhin: Langsam begreift die Gesellscha­ft, dass vieles nicht okay ist im Spitzenspo­rt. So ist sich auch Albertin sicher: «Aus diesem Grund werden jetzt immer mehr Missstände öffentlich werden.»

Und Peschl? Sie ist froh, dass sie mit dem Synchronsc­hwimmen abgeschlos­sen hat. Ihr geht es gut – endlich wieder. Denn als sie aufhörte, fiel sie in ein Loch. Sie sagt: «Ich war nur Synchronsc­hwimmerin, musste immer alles perfekt machen, immer perfekt aussehen.» Sie hat sich nun dem Tanzen verschrieb­en – und dem Kampf gegen die Missstände im Schweizer Synchronsc­hwimmen.

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GETTY Alles für die Perfektion: Das Schweizer Nationalte­am an der WM.
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IMAGO Die Synchronsc­hwimmerinn­en Joelle Peschl (l.) und Vivienne Koch im Einsatz (2020 in Paris).

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