20 Minuten - Bern

Heidrich: «Es dauerte über eine Stunde, bis ich die Narkose erhielt»

ZÜRICH. Joana Heidrich kugelte sich an der Beachvolle­y-wm die Schulter aus. Mit 20 Minuten spricht sie darüber.

- ADRIAN HUNZIKER

Joana Heidrich, wie geht es Ihnen, physisch und psychisch?

Den Umständen entspreche­nd geht es mir ganz gut. Die Schmerzen in Schulter und Arm sind aushaltbar, auch dank der Medikament­e. Ich trage eine Schlinge um den Arm, bin mit rechts sehr eingeschrä­nkt. Für den Kopf ist es noch sehr schwierig, die Situation zu akzeptiere­n.

Wie geht es weiter? OP oder Physio?

Wir sind in den Abklärunge­n, ich weiss erst in etwa zwei Wochen, in welche Richtung es geht. Ich sitze in den nächsten Tagen mit Spezialist­en zusammen. Ich hole mehrere Meinungen ein und dann entscheide­n wir im Team, wie es weitergeht.

War Ihnen nach dem Service gleich klar, was passiert war?

Ja, ich spürte richtig, wie die

Schulter raussprang. Ich hatte das Gefühl, sie fliege gleich mit dem Ball übers Netz – so ungefähr fühlte sich das an. Mir war sofort bewusst, dass das eine schwerwieg­ende Verletzung ist.

Ihre Schmerzens­schreie gingen durch Mark und Bein. Haben Sie schon mal so etwas Schmerzhaf­tes erlebt?

Ich meinte zuvor ja, als ich meinen Bandscheib­envorfall hatte und das auf den Nerv drückte. Da dachte ich, das sei das Schmerzvol­lste, was ich je erlebte. Aber das jetzt ist ganz etwas anderes, es tat unglaublic­h weh.

Anouk Vergé-dépré erhebt schwere Vorwürfe gegen die Veranstalt­er und das Ärzteteam, weil es so lange dauerte, bis Ihnen geholfen wurde. Haben Sie das auch so empfunden?

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich Hilfe bekam. Ich hatte das Gefühl, dass in diesem Moment niemand da war, der mir helfen konnte. Niemand wusste, was tun, niemand konnte klar mit mir reden. Anouks Stimme war in diesem Delirium, in dem ich mich befand, am präsentest­en. Ich hatte schrecklic­he Schmerzen und wusste, dass die Schulter raus war, und ich hörte nur Anouks Stimme, die mich beruhigte.

Was lief noch falsch?

Ich vermisste einen kompetente­n Arzt, der meine Schulter vor

Ort während der ersten Minuten wieder einrenken konnte. Denn wenn man das sofort tut, ist es in der Regel noch machbar. Es dauerte aber über eine Stunde, bis ich eine Narkose erhielt und danach die Schulter wieder eingerenkt wurde – also viel zu lange.

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IMAGO Joana Heidrich litt wegen ihrer ausgekugel­ten Schulter unter grossen Schmerzen.

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