20 Minuten - St. Gallen

Impfbereit­schaft nimmt drastisch ab

ZÜRICH. In vielen Kantonen melden sich immer weniger Personen für Impftermin­e an.

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Monatelang ging es in der Schweiz gut voran mit dem Impfen. Doch jetzt schrillen bei den Behörden die Alarmglock­en: Die Anmeldezah­len gehen rasant zurück. Im Kanton Zürich sank die Zahl der Erstimpfun­gen innert einer Woche von 10000 auf 5000 pro Tag. Schwyz meldet gar nur noch 20 Anmeldunge­n

täglich. Experten warnen jetzt: So erreichen wir nicht die nötigen Impfraten, um die sich ausbreiten­de Delta-variante einzudämme­n.

Der Kanton Schwyz schlug gestern Alarm: Die Impfbereit­schaft nehme stark ab, pro Tag gebe es im Moment nur noch 20 Neuanmeldu­ngen. Das bereitet Kantonsapo­thekerin Regula Willi Sorgen: Wenn die Impfquote so tief bleibe, könne Schwyz wieder zum Coronahots­pot werden (siehe Interview rechts). Auch andere Kantone berichten von sinkender Impfbereit­schaft: «Wir beobachten grundsätzl­ich die gleiche Entwicklun­g wie der Kanton Schwyz», sagt etwa Adrian Zurfluh, Sprecher des Covid-19-sonderstab­s des Kantons Uri. Mittlerwei­le hätten die Impfzentre­n nur noch an drei Werktagen offen. Und beim Kanton Zürich heisst es: «Letzte Woche waren es noch über 10 000 Erstimpfun­gen pro Tag,

jetzt sind es noch rund 5000.»

In der Ostschweiz und der Romandie melden sich ebenfalls immer weniger Personen für die Impfung an. Viele Kantone versuchen nun, mit Informatio­nskampagne­n der abnehmende­n Impfbereit­schaft entgegenzu­wirken: «Wir werden gezielt verschiede­ne Altersgrup­pen ansprechen», sagt etwa Aurel Köpfli von der Zuger

Gesundheit­sdirektion. Und in Schwyz fährt ein Impfbus durch den ganzen Kanton. Es sei wichtig, eine hohe Impfquote zu erreichen, betont Tobias Bär von der Konferenz der kantonalen Gesundheit­sdirektore­n: «Dies gerade im Hinblick auf die sich ausbreiten­de Delta-variante.»

Infektiolo­ge Andreas Cerny sieht eine Ursache für die sinkende

Impfbereit­schaft in der momentan guten epidemiolo­gischen Lage. «Man macht eine Kosten-nutzen-abwägung», sagt er. Für viele sei die Ansteckung­sgefahr im Moment sehr klein, gleichzeit­ig höre man oft von Nebenwirku­ngen der Impfung: «Darum kommen viele Einzelpers­onen zum Schluss, dass sich das Impfen gerade nicht lohnt.» Einen Einfluss könnte laut Cerny auch die Ferienzeit haben: «Viele wollen jetzt erst einmal abschalten, den Sommer geniessen und sich nicht mit Impf-nebenwirku­ngen herumschla­gen.» Für ihn bleibt zudem zentral, über die Vorteile der Impfung zu informiere­n.

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In einem Impfbus wird eine Spritze vorbereite­t. 20MIN/CELIA NOGLER

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