«Schwei­zer Recht in der Schweiz» oder «An­griff auf Rechts­staat»?

BERN. Alié­nor Ni­na Burg­hartz (Ope­ra­ti­on Li­be­ro) und Clau­dio Za­net­ti (SVP) kreu­zen die Klin­gen im 20-Mi­nu­ten­Streit­ge­spräch.

20 Minuten - Zurich - - Schweiz - NI­KO­LAI THELITZ

War­um set­zen Sie sich für oder ge­gen die Initia­ti­ve ein?

Clau­dio Za­net­ti: Wir wol­len, dass in der Schweiz auch un­ser Schwei­zer Recht gilt. Wenn wir Staats­ver­trä­ge ab­schlies­sen, sol­len wir sel­ber

be­stim­men kön­nen, wie weit die­se gel­ten. Das ist ei­gent­lich al­les.

Alié­nor Ni­na Burg­hartz: Uns stört, dass die Initia­ti­ve ein Fron­tal­an­griff auf die Selbst­be­stim­mung ist und nicht mehr Selbst­be­stim­mung bringt. Un­ser Rechts­staat, den wir mit viel Sorg­falt und Er­folg auf­ge­baut ha­ben, wird an­ge­grif­fen.

Herr Za­net­ti, Sie stö­ren sich an ver­hin­der­ten Aus­schaf­fun­gen. Wie­so?

Za­net­ti: We­gen dem Völ­ker­

«Uns stört, dass die Initia­ti­ve ein Fron­tal­an­griff auf die Selbst­be­stim­mung ist und nicht mehr Selbst­be­stim­mung bringt.»

Alié­nor Ni­na Burg­hartz «Die Leu­te den­ken jetzt schon, die in Bern wür­den ja eh ma­chen, was sie wol­len. Die De­mo­kra­tie hat be­reits mas­siv Scha­den ge­nom­men.»

Clau­dio Za­net­ti

recht kön­nen wir mo­men­tan selbst Schwer­kri­mi­nel­le nicht mehr aus­schaf­fen. Es kann doch nicht sein, dass Leu­te we­gen der Per­so­nen­frei­zü­gig­keit blei­ben dür­fen. Burg­hartz: Für Aus­län­der gilt das glei­che Straf­recht wie für Schwei­zer. Wir ha­ben ei­ne kla­re Re­ge­lung, wie aus­län­di­sche Straf­tä­ter aus­ge­schafft wer­den sol­len. Ih­re Initia­ti­ve wür­de an der Per­so­nen­frei­zü­gig­keit zu­dem nichts än­dern. Frau Burg­hartz, Sie se­hen die Eu­ro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EMRK) in Ge­fahr. Was ist dar­an so wich­tig? Burg­hartz: Die EMRK bie­tet uns ei­nen aus­ge­bau­ten Schutz un­se­rer Men­schen­rech­te, ei­nen zu­sätz­li­chen Ort mit ei­nem zu­sätz­li­chen Ver­fah­ren, das uns vor Un­recht schützt. Za­net­ti: Von der Idee her ist die EMRK ei­ne gu­te Sa­che. Aber nun müs­sen wir zum Bei­spiel da­mit rech­nen, dass das Mi­na­rett­ver­bot von den Strass­bur­ger Rich­tern auf­ge­ho­ben wird.

Was än­dert sich für den Mau­rer­lehr­ling?

Za­net­ti: Bei ei­nem Nein wird er plötz­lich fest­stel­len, dass er über ei­ne Initia­ti­ve, die er un­ter­schrie­ben hat, nicht ab­stim­men kann. Die Leu­te den­ ken jetzt schon, die in Bern wür­den ja eh ma­chen, was sie wol­len. Die De­mo­kra­tie hat be­reits mas­siv Scha­den ge­nom­men.

Burg­hartz: Der Lehr­ling wird bei ei­nem Ja nicht mehr wis­sen, was gilt: Es ist un­si­cher, ob Ver­trä­ge, die wir ein­ge­gan­gen sind, gel­ten. Auch sei­ne per­sön­li­chen Rech­te und sei­ne Selbst­be­stim­mung über sein Le­ben sind nicht mehr so ge­schützt wie jetzt.

20M

Alié­nor Ni­na Burg­hartz (Ope­ra­ti­on Li­be­ro), Re­dak­tor Ni­ko­lai Thelitz und Clau­dio Za­net­ti (SVP). Vi­deo: Das Streit­ge­spräch se­hen Sie im Vi­deo auf 20mi­nu­ten.ch

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