Bei Gag­gan le­cken die Gäs­te den Tel­ler ab

FÜRSTENAU GR. Gag­gan Anand (40) hasst stei­fe Sit­ten und macht das Gour­metdin­ner zur Show. 20 Mi­nu­ten war bei sei­nem Schwei­zer Gast­spiel da­bei.

20 Minuten - Zurich - - People - ALEX KÜHN

«Lick it up!» Die Bot­schaft auf dem Tel­ler ist un­miss­ver­ständ­lich. Al­so le­cken wir bis zum letz­ten Sau­cen­tup­fer auf, was Gag­gan Anand für uns zu­be­rei­tet hat. Der In­der ist ein Pio­nier des un­ge­zwun­ge­nen Fi­ne Di­ning. Ei­ner, der ver­knö­cher­te Kon­ven­tio­nen lust­voll um­stösst. «Nichts ist schlim­mer in ei­nem Re­stau­rant als ei­ne stei­fe At­mo­sphä­re. Al­so las­se ich die Gäs­te oft oh­ne Be­steck es­sen. Dann wird die Stim­mung lo­cke­rer», sagt er. Doch das ist nicht Gag­gans ein­zi­ger Trick. Wer in sei­nem Re­stau­rant in Bang­kok zu Tisch sitzt, be­kommt ein ku­li­na­ri­sches Trom­mel­feu­er ab: 25 Ge­rich­te in nicht ein­mal zwei St­un­den. Macht al­le vier Mi­nu­ten ei­nen neu­en Tel­ler. «So ha­ben die Leu­te kei­ne Zeit, dau- ernd das Smart­pho­ne zur Hand zu neh­men oder das Es­sen zu zer­re­den. Das Er­geb­nis: ganz vie­le gu­te Vi­bes», er­klärt der Meis­ter.

Gu­te Lau­ne macht aber auch der Ge­schmack sei­ner Krea­tio­nen. Vor al­lem die ro­he Ja­kobs­mu­schel mit Ko­kos­schaum, Chi­li- und Cur­ry-Öl hat es uns an­ge­tan. Ge­nau­so wie die De­fi­ni­ti­on der bei­den schar­fen Zu­ta­ten. Auf der Fla­sche mit dem Chi­li-Öl steht «Sex», auf je­ner mit dem Cur­ry-Öl «Ma­ke

Lo­ve». In die Schweiz sei er ge­kom­men, um die Stil­le zu ge­nies­sen und für ein paar Ta­ge Ru­he vor sei­ner Frau zu ha- ben, sagt Gag­gan. Doch das ist na­tür­lich Quatsch: Er folg­te dem Ruf von Andre­as Ca­mina­da und be­rei­te­te auf Schloss Schau­en­stein ein 4-Hands-Din­ner für die Fun­da­ziun Uc­ce­lin zu. Ca­min­a­das Stif­tung ver­hilft jun­gen Be­rufs­leu­ten – egal ob aus Ser­vice oder Kü­che – zu Ein­bli­cken in die bes­ten Be­trie­be der Welt.

Wer sich ein Sti­pen­di­um si­chert, kann zum Bei­spiel bei Mas­si­mo Bot­tu­ra in der Os­te­ria Fran­ce­sca­na in Mo­de­na oder bei Da­ni­el Humm im New Yor­ker Ele­ven Ma­di­son Park ein Prak­ti­kum ab­sol­vie­ren. Und na­tür­lich im Gag­gan in Bang­kok. Dort aber nur noch ein gu­tes Jahr. 2020 schliesst der Qu­er­den­ker sein Lo­kal und er­öff­net in Ja­pan ein neu­es. Bis da­hin ser­viert er aber noch sei­ne Klas­si­ker: das Des­sert «Dark Si­de of the Moon» aus Kaf­fee, Scho­ko­la­de, Va­nil­le und Blü­ten zum Bei­spiel, stil­ge­recht auf­ge­tra­gen zum gleich­na­mi­gen Song von Pink Floyd.

Bit­te lä­cheln: Net­flix-Star Gag­gan Anand po­siert in der Kü­che von Schloss Schau­en­stein mit dem Gast­ge­ber und Schwei­zer Spit­zen­koch Andre­as Ca­mina­da für ein Sel­fie.

BO­RIS MÜL­LER

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