War­um gibt es trotz Auf­schwung we­ni­ger Lohn?

ZÜ­RICH. Die Re­al­löh­ne sind letz­tes Jahr um 0,4 Pro­zent ge­sun­ken. Es ist be­reits die zwei­te Mi­nus­run­de.

20 Minuten - Zurich - - Auftakt - PAS­CAL MI­CHEL

Der 1.­Mai­Pro­test für hö­he­re Löh­ne er­hielt ges­tern Auf­trieb durch neue Zah­len des Bun­des­amts für Sta­tis­tik: Zwar stie­gen die Löh­ne im Jahr 2018 no­mi­nal im Durch­schnitt um 0,5 Pro­zent. Doch die Teue­rung von 0,9 Pro­zent frass den An­stieg wie­der weg. Das heisst kon­kret: An­ge­stell­te mit dem ak­tu­el­len Me­di­an­lohn von 6502 Fran­ken büss­ten letz­tes Jahr 312 Fran­ken an Kauf­kraft ein. Und das, ob­wohl das Brut­to­in­land­pro­dukt 2018 um 2,5 Pro­zent zu­ge­legt hat.

Für Ge­werk­schaf­ter ist da­für der «har­te Kurs der Ar­beit­ge­ber bei den Lohn­ver­hand­lun­gen» ver­ant­wort­lich. «Wir spü­ren ei­ne neue Här­te», sagt Da­ni­el Lam­part, Chef­öko­nom beim Ge­werk­schafts­bund. Vie­le wei­ger­ten sich, selbst den Teue­rungs­aus­gleich zu zah­len. Da es be­reits seit zwei Jah­ren kei­ne Re­al­lohn­er­hö­hun­gen ge­ge­ben ha­be, wer­de man nun här­ter ver­han­deln, kün­digt Lam­part an.

«Es ist ei­ne ziem­lich ko­mi­sche Vor­stel­lung, dass die Wert­schöp­fung ein­fach mit der Be­völ­ke­rung mit­wächst», sagt da­ge­gen Wirt­schafts­pro­fes­sor Rei­ner Ei­chen­ber­ger. Denn da­für müss­ten die Schwei­zer Fir­men im­mer mehr Pro­duk­te zu gleich gu­ten Prei­sen in die in­ter­na­tio­na­len Märk­te pum­pen kön­nen. Das sei in vie­len Bran­chen un­rea­lis­tisch. Der Ver­dacht lie­ge na­he, dass durch die Zu­wan­de­rung die Löh­ne ge­drückt wür­den. «Na­tür­lich ge­wäh­ren Chefs we­ni­ger Lohn­er­hö­hun­gen, wenn sie Aus­län­der zu tie­fe­ren Löh­nen an­stel­len könn­ten.» Sie trei­be zu­dem die Wohn­, Pen­del­ und Ener­gie­kos­ten in die Hö­he, was wie­der­um die rea­le Kauf­kraft sen­ke. Lam­part wi­der­spricht: «Die Bran­chen mit den schlech­tes­ten Ab­schlüs­sen be­schäf­ti­gen re­la­tiv we­ni­ge Per­so­nen aus dem Aus­land.»

Mit 312 Fr. könn­te man Airpods plus ein Spo­ti­fy-Abo, ei­nen Ski­pass Saas-Fee, Leu­ker­bad, Pres-D’Or­vin oder die Sera­fe-Rech­nung zah­len.

KEY

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.