Vier Ta­ge und Näch­te in den Fjor­den Pa­ta­go­ni­ens

PUNTA ARE­NAS. Die Fäh­re von Pu­er­to Na­ta­les nach Pu­er­to Montt ist der In­be­griff von Slow Tra­vel.

20 Minuten - Zurich - - Reisen - GA­B­RI­EL­LA HUM­MEL

Kan­ti­ne Der Ka­pi­tän star­tet den Mo­tor. Wir er­wa­chen in un­se­ren Ko­jen, se­hen das nächt­li­che Pu­er­to Na­ta­les hin­ter dem Bul­l­au­ge. Ein flüch­ti­ger Ge­dan­ke: Nun geht es los. Und schon wie­der ein­ge­schlum­mert. In der Zwi­schen­zeit, qua­si im Un­ter­grund, wird das Schiff be­la­den: mit Au­tos und Cam­pern, mit Wa­ren al­ler Art und, wie wir spä­ter hö­ren wer­den, mit le­ben­di­gem Vieh.

Seit den 70er-Jah­ren ver­kehrt das Schiff, auf dem wir uns be­fin­den, zwi­schen Pu­er­to Montt im nörd­li­chen Pa­ta­go­ni­en von Chi­le und Pu­er­to Na­ta­les im Sü­den. Die Fahrt durch die

drei­mal

sim­ples Fjor­de ist 2000 Ki­lo­me­ter lang und dau­ert vier Ta­ge. Die Ziel­grup­pen: Rei­sen­de, die mal was an­de­res er­le­ben wol­len, so­ge­nann­te Slow Tra­vel­ler – und Chi­le­nen, die in ab­ge­le­ge­nen Ge­bie­ten le­ben oder ihr Au­to trans­por­tie­ren las­sen wol­len. An­we­send sind viel­leicht 150 Pas­sa­gie­re; das Tou­ris­ten-Chi­le­nen-Ver­hält­nis liegt bei un­ge­fähr 50:50.

Im­mer wie­der sieht man sich mit der Fra­ge kon­fron­tiert: Was stel­le ich mit mir an, so ganz oh­ne In­ter­net, oh­ne Al­ko­hol, oh­ne Auf­ga­be? Mal ei­ne Run­de auf Deck spa­zie­ren ge­hen.

Das Wet­ter ist trüb, der Ne­bel hängt über den Klip­pen, Was­ser­fäl­le und Glet­scher al­le paar Ki­lo­me­ter. Die Ru­he schleicht sich so­gleich in das Ge­müt ein, und der nie­mals still­ste­hen­de Mo­tor stellt den per­fek­ten Sound­track dar. Zwi­schen Es­sen, Le­sen und Aus-dem-Fens­ter-Star­ren, zwi­schen Re­gen­bo­gen­zäh­len und Stau­nen, zwi­schen Ni­cker­chen in der Ko­je und Bei­ne­ver­tre­ten auf Deck schleicht sich al­le paar St­un­den wie­der die Auf­re­gung ein: Wenn je­mand meint, ei­nen Mee­res­säu­ger er­späht zu ha­ben, oder dies tat­säch­lich der Fall ist.

An­sons­ten kann man sich in den Fjor­den dem ei­nen Ge­fühl hin­ge­ben, das hier so all­ge­gen­wär­tig, aber heut­zu­ta­ge nicht mehr al­ler­orts zu fin­den ist – schon gar nicht vier Ta­ge lang: näm­lich je­nem, ganz al­lein auf der Welt zu sein.

In der gibt es täg­lich gu­tes, Es­sen. Die Fäh­re trans­por­tiert ne­ben Pas­sa­gie­ren, Fahr­zeu­gen und Gü­tern a

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