So ex­trem ist der Hass ge­gen Schwu­le

ZÜ­RICH. Wer sind die bru­ta­len Schwu­len­has­ser, die im Zürcher Aus­gang Ho­mo­se­xu­el­le an­pö­beln und schla­gen? 20 Mi­nu­ten hat sich auf die Su­che ge­macht.

20 Minuten - Zurich - - News - DA­NI­EL KRÄ­HEN­BÜHL/HE­LE­NA MÜL­LER *Na­me ge­än­dert

Mel­dun­gen über An­grif­fe auf Schwu­le häu­fen sich. «Wir müs­sen mehr Angst ha­ben als noch vor ei­ni­gen Jah­ren», sagt ein Ho­mo­se­xu­el­ler zu 20 Mi­nu­ten. Schwu­le müss­ten halt mit An­grif­fen

rech­nen, wenn sie sich öf­fent­lich küss­ten, fin­det hin­ge­gen ein Schwu­len­has­ser. Denn: «Mit Schlä­gen kann man sie hei­len.» SP-Na­tio­nal­rat An­ge­lo Bar­ri­le for­dert mehr Prä­ven­ti­on.

In den letz­ten Mo­na­ten häuf­ten sich die Mel­dun­gen über schwu­le Paa­re, die in der Öf­fent­lich­keit ver­prü­gelt wur­den. Wie ge­fähr­lich ist das Zürcher Nachtleben für ho­mo­se­xu­el­le Män­ner? Wo­her rührt die Wut ge­gen sie? 20 Mi­nu­ten hat sich am Frei­tag­abend auf die Su­che nach Ant­wor­ten ge­macht.

Wir be­fin­den uns vor dem Schwu­len­club Hea­ven. Auch Mar­ko* (23) und sein Kol­le­ge Si­mon* (21) fei­ern heu­te hier. Erst kürz­lich wur­den sie in Zü­rich ver­prü­gelt. «Sie nann­ten uns ‹Sch­wuch­teln› und schlu­gen auf uns ein», er­zäh­len sie. «Ich trug ein blau­es Au­ge da­von, Si­mon ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung», sagt Mar­ko.

«Es ge­hört mitt­ler­wei­le zum All­tag ei­nes Schwu­len, dass dich Leu­te be­schimp­fen oder an­spu­cken», sagt Si­mon. «Heu­te müs­sen wir mehr Angst ha­ben als noch vor ei­ni­gen

Jah­ren.» Die At­mo­sphä­re in der Sze­ne sei an­ge­spannt – nicht zu­letzt seit dem An­griff auf ein ho­mo­se­xu­el­les Paar in der Sil­ves­ter­nacht.

Wer steckt hin­ter den Atta­cken? «Oft sind es Män­ner­grup­pen zwi­schen 20 und 30, die zu viel Al­ko­hol ge­trun­ken ha­ben.» Zwar sei­en auch vie­le Schwei­zer ho­mo­phob, aber oft

stamm­ten die Tä­ter aus dem Bal­kan, sagt Mar­ko. Er dür­fe das sa­gen, schliess­lich sei er sel­ber Ser­be. Ra­mon (22), der schon oft an­ge­pö­belt wur­de, pflich­tet bei: «Auch bei mir wa­ren es meis­tens Leu­te mit ei­ner zwei­ten Na­tio­na­li­tät.» Um 2.30 Uhr tref­fen wir auf De­jan*. «Schwul­sein ist ei­ne Krank­heit, das ist ge­gen die Na­tur», sagt der ser­bisch­stäm­mi­ge 18-Jäh­ri­ge. «Schwu­le kön­nen aber mit ein paar Schlä­gen ge­heilt wer­den», sagt De­jan. In sei­nem Kol­le­gen­kreis sei es nor­mal, Schwu­le zu ver­prü­geln. «Wenn sich Schwu­le in der Öf­fent­lich­keit küs­sen, müs­sen sie da­mit rech­nen, ge­schla­gen zu wer­den. Sie sind sel­ber schuld.» Er sel­ber ha­be aber noch nie zu­ge­schla­gen.

Vor dem nächs­ten Club spre­chen wir mit Ivan* (19). Er sagt: «Schwul­sein ist ein De­fekt im Hirn.» Schliess­lich heis­se es «Adam und Eva» und nicht «Ha­rald und Pe­ter». Für Ro­ber­to* hin­ge­gen sind Schwu­le «ganz nor­ma­le Men­schen». Doch nicht nur Per­so­nen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund ha­ben ein Pro­blem mit Schwu­len. Der ge­bür­ti­ge Schwei­zer Mar­tin (21) ver­gleicht es mit ei­ner Krank­heit: «Das ist wie Aids, ein­fach un­heil­bar.» Auch er wür­de ei­nen Ho­mo­se­xu­el­len schla­gen. War­um? «Wenn mich ein Schwu­ler an­macht, ist das ei­ne Pro­vo­ka­ti­on.»

«Schwul­sein ist ein De­fekt im Hirn», sagt der 19-jäh­ri­ge Ivan. So er­le­ben Schwu­le das Zürcher Nachtleben – 20min.ch

20M

Mar­ko (l.) und Si­mon sind schwul und wur­den im Aus­gang be­reits Op­fer von ho­mo­pho­ber Ge­walt.

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