VON WEISEN MÄNNERN UND DEM ZAUBER DER SIER­RA

Animan Wunder der Welt - - KULINARISCHE WELTREISE - Text und Fo­tos: Franck Char­ton

Die Sier­ra Ne­va­da de San­ta Mar­ta, ganz im Nor­den Ko­lum­bi­ens, gilt als das höchs­te Küs­ten­ge­bir­ge der Welt. Sie ver­eint al­le Zu­ta­ten, die man sich von ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Rei­se­ziel wünscht: tie­fen Dschun­gel und Glet­scher­gip­fel, wil­de Stäm­me wie die der Kogi, Wi­wa und Ar­hu­a­co so­wie be­ein­dru­cken­de, ent­le­ge­ne ar­chäo­lo­gi­sche Stät­ten, dar­un­ter die welt­be­kann­te Ver­lo­re­ne Stadt. Nicht zu­letzt un­ter­liegt die Re­gi­on ei­nem streng re­gu­lier­ten Zu­gang.

Seit mei­ner Rei­se in die Sier­ra Mar­ta geis­tern mir zwei son­der­ba­re Mo­ment­auf­nah­men im Kopf her­um: Zu­nächst ih­re ho­hen, ver­schnei­ten Käm­me, die die tro­pi­schen Wäl­der, vom Aus­sichts­punkt des Cer­ro Ken­ne­dys aus, do­mi­nie­ren, so als ge­hör­ten sie in ein «an­de­res» Raum-Zeit-Ge­fü­ge, so weit über oder fern­ab der Welt. Und zum Zwei­ten, die­ses Ge­fühl der Er­grif­fen­heit beim flüch­ti­gen Anblick der Kogi, de­nen ich auf den wahl­lo­sen al­ten Pfa­den, die das Ge­bir­ge durch­zie­hen, be­geg­ne­te: ma­kel­lo­se weis­se Tu­ni­ken, wie Er­schei­nun­gen aus der Ver­gan­gen­heit, schlich­te ge­web­te über der Schul­ter oder gar um die Stirn ge­tra­ge­ne Ta­schen, und manch­mal ei­ne Kale­bas­se, ein aus­ge­höhl­ter Fla­schen­kür­bis, der auf die An­we­sen­heit ei­nes weisen Man­nes mit scha­ma­nen­haf­ter Mie­ne hin­deu­tet. Al­len vor­an die scheu­en, ein­ge­schüch­ter­ten Bli­cke der Frau­en, und die na­he­zu auf­säs­si­gen, ver­ächt­li­chen der Män­ner, mit ih­ren lan­gen, re­bel­li­schen Haa­ren, den Stie­feln, der Ma­che­te in der Hand.

Wie schwer fällt es doch, ei­nen ein­fa­chen Kon­takt her­zu­stel­len, sei es auch nur mit den Au­gen! Wie soll man die­se strah­len­den und ge­heim­nis­vol­len We­sen ver­ges­sen, die ge­ra­de­wegs aus grau­en Vor­zei­ten und dem Schos­se des Ur­wal­des ent­sprun­gen zu sein schei­nen? Phy­sisch so nah, kul­tu­rell doch so fern.

Ei­ne wei­te­re Fra­ge, die mich im­mer wie­der be­schäf­tigt: Was hat­te es mit die­ser Zi­vi­li­sa­ti­on der Ta­i­ro­na auf sich, die vor über tau­send Jah­ren ei­ne gros­se be­fes­tig­te und in Ter­ras­sen an­ge­leg­te Stadt aus St­ein, mit­ten in den Ber­gen der ko­lum­bia­ni­schen Sier­ra Ne­va­da, er­rich­te­te? Nach ei­ner mehr­tä­gi­gen Wan­de­rung auf den ur­al­ten Pfa­den ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Dschun­gel­land­schaft und in Be­glei­tung ei­nes ein­hei­mi­schen Wi­wa-Füh­rers bleibt das Ge­heim­nis un­ge­klärt. Wie ein von sei­ner pflanz­li­chen Schutz­hül­le be­frei­tes Mi­nia­tur-Ma­chu Pic­chu be­ein­druckt die­ser hoch­ge­le­ge­ne, von der Aus­sen­welt ab­ge­schnit­te­ne Ort durch sei­nen zu­gleich stim­mungs­vol­len wie hie­ra­ti­schen Cha­rak­ter so­wie durch die spür­ba­re na­tu­ra­lis­ti­sche Spi­ri­tua­li­tät, die er ver­strömt. Rück­blick auf ei­ne Initia­ti­ons­rei­se.

AUF ZUR VERLORENEN STADT

Im Fe­bru­ar ist die Mee­res­küs­te des Tay­ro­na-Na­tio­nal­parks, im Os­ten des Ba­de­or­tes San­ta Mar­ta, für Be­su­cher ge­schlos­sen, da die in­di­ge­ne Be­völ­ke­rung an den Strän­den die hei­li­gen Mu­scheln sam­melt, die sie für ih­re Rei­ni­gungs­ze­re­mo­ni­en be­nö­tigt. Im Ge­län­de­wa­gen fah­ren wir ei­ne Stras­se bis zum Dorf Ma­che­te Pe­lao hin­auf. Hier am Ein­stieg zum Berg­land des Archäo­lo­gi­schen Parks von Teyu­na, der Wie­ge der Ta­i­ro­na-In­dia­ner, herrscht re­ge Auf­bruchs­stim­mung. Back­pa­cker aus der gan­zen Welt ver­sam­meln sich in Grüpp­chen und set­zen sich mit ih­ren lo­ka­len Teams in Be­we­gung. Sie star­ten zur 4- bis 5-tä­gi­gen Trek­king­tour im Tal von El Ma­mey in Rich­tung der «Ciudad Perdida». Durch sei­ne Aus­strah­lung und sei­ne be­son­ne­ne Kraft, hin­ter­lässt un­ser ein­hei­mi­scher Gui­de, ein Wi­wa-In­dia­ner na­mens Cel­so, bei uns ei­nen blei­ben­den Ein­druck.

Sehr schnell wird die Hit­ze un­er­träg­lich. Der Pfad aus ro­tem La­te­rit führt uns mit­ten durch die mit Kaf­fee- und Ka­kao­plan­ta­gen be­deck­ten Hü­gel. Ein Dut­zend Ki­lo­me­ter, ein paar hun­dert Hö­hen­me­ter und drei bis vier St­un­den Kraft­an­stren­gung in der pral­len Sonne spä­ter, er­rei­chen wir tropf­nass den Wald­rand. Nun müs­sen wir nur noch ei­nem hüb­schen Wan­der­weg im Schat­ten der Baum­kro­nen folgen und schon ge­lan­gen wir zum La­ger Ca­sa de Adam, am Ufer ei­nes Ge­birgs­bachs mit pa­ra­die­si­schen Gum­pen und Was­ser­fall. Wir über­nach­ten in Hän­ge­mat­ten mit Mos­ki­to­netz und las­sen uns vom to­sen­den Fluss und dem Qua­ken der Frö­sche in den Schlaf wie­gen.

HEILIGER WAS­SER­FALL UND ERSTE LEKTIONEN

Am zwei­ten Tag ver­läuft die Wan­de­rung haupt­säch­lich im Wald. Zu­nächst er­rei­chen wir Ma­ta Ca­fé, ei­ne Lich­tung in 800 m Hö­he, die den Ein­stieg zum Ter­ri­to­ri­um der In­dia­ner mar­kiert. Von hier aus fällt der Weg steil ab, bis zum Pue­b­lo Wi­wa, ei­nem in­di­ge­nen Camp, das gern mit Tou­ris­ten zu­sam­men­ar­bei­tet, im Ge­gen­satz zum be­nach­bar­ten Kogi-Dorf Mu­tan­ji, wo man sich ge­gen jeg­li­chen Kon­takt oder Fo­to­auf­nah­men sträubt.

Cel­so führt uns zu ei­nem hei­li­gen Was­ser­fall im Wald und be­ginnt mit sei­ner ers­ten Lek­ti­on. «Un­se­re Wel­t­an­schau­ung dreht sich um die hei­li­gen Gip­fel Shi­man­dua und Go­na­win­dua (die Berg­spit­zen des Colón und des Bo­li­var). Wir bil­den vier Völ­ker, die seit je­her an ih­ren Hän­gen le­ben: Kogi (die am meis­ten re­spek­tier­ten, weil am tra­di­tio­nells­ten), Wi­wa, Ar­hu­a­cos

und, in ei­nem ge­rin­ge­ren Mas­se, Kan­ku­a­mos, denn die­se ha­ben sich mit der Zi­vi­li­sa­ti­on an ei­ne an­de­re Kul­tur an­ge­passt. Wir sind so­gar der Auf­fas­sung, dass sie sich selbst ver­stüm­meln, in­dem sie sich die Haa­re schnei­den! Wir tei­len die­sel­be münd­li­che Tra­di­ti­on, ein­zig un­se­re Spra­chen un­ter­schei­den sich. 1980 ha­ben wir die Go­na­wind­wa Tay­ro­na, den Bund der vier Kul­tu­ren der Sier­ra Ne­va­da, ge­grün­det. Un­ser Ziel: Un­ser an­ge­stamm­tes Land aus den Hän­den der Sied­ler und Mes­ti­zen wie­der­zu­er­lan­gen, die über ein hal­bes Jahr­hun­dert vom be­waff­ne­ten Kon­flikt zwi­schen Rausch­gift­händ­lern und pa­ra­mi­li­tä­ri­schen Grup­pen pro­fi­tier­ten, um sich in un­se­ren Ber­gen nie­der­zu­las­sen. Nur die Hö­hen­la­gen der Sier­ra blie­ben tra­di­tio­nell, da sie sich vor der Aus­sen­welt ver­schlos­sen. Wir be­fin­den uns hier im mitt­le­ren Be­reich. Was den un­te­ren Teil des Ge­bir­ges be­trifft, so ha­ben wir jeg­li­che Hoff­nung auf­ge­ge­ben, un­se­re Dör­fer dort je­mals wie­der auf­bau­en zu kön­nen, weil sich hier mitt­ler­wei­le zu vie­le Men­schen nie­der­ge­las­sen ha­ben.»

«Im Mittelpunkt un­se­rer Rituale steht der Po­po­ro, er ist gleichzeitig Übergangsritus der Jungen, Symbol un­se­rer Identität und ein Ort, an dem jeder sei­ne Gedanken aufbewahrt. Er ist in gewisser Weise un­ser USB-Stick! Wir neh­men ei­ne Kale­bas­se, de­ren Pa­lo (Sti­el) am obe­ren En­de den Mann oder den Pi­co Colón dar­stellt, der un­te­re run­de Teil steht für die Frau oder die Er­de, der mitt­le­re Teil für die Na­tur und die Bäu­me. An­schlies­send rei­ben wir ihn mit Kalk ein, den man aus zer­stos­se­nen hei­li­gen Mu­scheln ge­winnt – die­se wer­den nur an vier ganz be­stimm­ten Stel­len der Küs­te ge­sam­melt – und ver­mi­schen ihn im Mund mit zer­kau­ten Ko­kaBlät­tern. Die Form, die der Mu­schel­kalk mit der Zeit am Hals der Kale­bas­se hin­ter­lässt, hängt von je­dem In­di­vi­du­um, sei­nen Träu­men und sei­ner Per­sön­lich­keit ab.»

«Bei uns spielt Spi­ri­tua­li­tät ei­ne zen­tra­le Rol­le. Der Ma­mo ist die wich­tigs­te Per­son un­se­rer Ge­mein­schaft. Er wird von den an­de­ren Ma­mos be­reits im Kin­des­al­ter aus­ge­wählt und er­hält ei­ne spe­zi­el­le Aus­bil­dung, die bis zu fünf­zehn Jah­re dau­ert, in de­nen er sich in Be­glei­tung ei­nes äl­te­ren Ma­mo an ei­nen ent­le­ge­nen Ort zu­rück­zie­hen muss. Erst da­nach darf er am Rat der Ma­mos, der Dor­f­äl­tes­ten, teil­neh­men, kol­lek­ti­ve Ar­bei­ten or­ga­ni­sie­ren, in den Träu­men le­sen oder Weis­sa­gun­gen aus­spre­chen. Sei­ne Frau, die Sa­ga, ist bei den Frau­en der Ge­mein­schaft eben­falls sehr an­ge­se­hen.»

IM MITTELPUNKT UN­SE­RER RITUALE STEHT DER PO­PO­RO, ER IST GLEICHZEITIG ÜBERGANGSRITUS DER JUNGEN, SYMBOL UN­SE­RER IDENTITÄT UND EIN ORT, AN DEM JEDER SEI­NE GEDANKEN AUFBEWAHRT. ER IST IN GEWISSER WEISE UN­SER USB-STICK!

EIN MAGISCHER ORT

Nach die­ser Ein­füh­rung wan­dern wir am Nach­mit­tag noch ei­ni­ge St­un­den wei­ter. Der Weg führt mit­ten durch den Wald, am Fluss Bu­rita­ca ent­lang, bis zum Ba­sis­camp Al­to Pa­rai­so, am Fus­se der Verlorenen Stadt. Fe­ri­en­la­ger­stim­mung in­mit­ten der verschiedenen Schlaf­sä­le, der Rei­hen aus Hän­ge­mat­ten und der Kan­ti­ne, in der sich ein­hei­mi­sche Gui­des, Mes­ti­zoMaul­tier­trei­ber und Back­pa­cker aus al­ler Welt über den Weg lau­fen.

5 Uhr mor­gens, auf ins Ge­fecht, ein Caf­eci­to im Ste­hen und los geht’s. Die Wan­der­grup­pen ste­hen et­was spä­ter auf. Man soll­te bes­ser mun­ter sein, denn das Fest be­ginnt mit der Über­que­rung des Rio, bar­fuss über die Kie­sel­stei­ne und mit ei­ner Stirn­lam­pe aus­ge­rüs­tet, klam­mert man sich an ei­nem quer über die Strom­schnel­len ge­spann­ten Seil fest. Auf der an­de­ren Sei­te geht es so­fort mit ei­nem stei­len Auf­stieg wei­ter. Auf zum Teil grob be­haue­nen 1’200 Stu­fen, die man in der Dun­kel­heit er­ahnt, führt uns der Weg bis zur Kult­stät­te, die sich schliess­lich zwi­schen den Bäu­men, im mil­chi­gen Schim­mer der Mor­gen­däm­me­rung, ab­zeich­net.

Am Ein­gang der Stät­te be­fin­det sich ei­ne Platt­form, in der vier We­ge zu­sam­men­lau­fen, ei­ner für je­des der vier Ur­völ­ker der Sier­ra. Auf Hö­he des Por­tals, das den Ein­gang sym­bo­li­siert, ne­ben ei­nem mit Geo­gly­phen be­deck­ten Fel­sen, der auf die an­de­ren en­er­ge­tisch ver­bun­de­nen Or­te hin­weist, führt Cel­so mit uns ein klei­nes Ri­tu­al durch, be­vor wir zu den obe­ren Ter­ras­sen hin­auf­stei­gen. Denn man muss al­le ne­ga­ti­ven Ener­gi­en ab­le­gen.

Erste Vo­gel­ru­fe drin­gen an un­ser Ohr, zu un­se­ren Füs­sen, das atem­be­rau­ben­de Pan­ora­ma der Kult­stät­te, die sich über dem Wald er­hebt. Cel­so er­zählt: «Die Guaque­r­os (Schatz­jä­ger oder Gr­ab­räu­ber) ha­ben die­se Stät­te in den 60er Jah­ren ent­deckt, doch nach jah­re­lan­gen Aus­gra­bungs­ar­bei­ten strit­ten sie sich um das Gold in den Grä­bern, die sich un­ter­halb der einst aus Holz ge­bau­ten Häu­ser, in der Mit­te jeder kreis­för­mi­gen Ter­ras­se, be­fan­den. Die­ser Streit er­reg­te schliess­lich die Auf­merk­sam­keit der Be­hör­den, die lan­ge zö­ger­ten, be­vor erste Er­hal­tungs­mass­nah­men um­ge­setzt wur­den. Heu­te kom­men Be­su­cher aus al­ler Welt, um die Ar­beit un­se­rer Vor­fah­ren zu be­wun­dern.»

KOGI UND DIE WAHRUNG DER NA­TUR

Cel­so führt uns an­schlies­send zur Hüt­te des Kogi-Ma­mos, der den Ort be­hü­tet, doch der ist fort­ge­gan­gen, um Pflan­zen zu sam­meln. Sei­ne gan­ze Fa­mi­lie ist hin­ge­gen zu Hau­se, wie der Rauch, der durch das Stroh­dach auf­steigt, ver­rät. Cel­so spricht lan­ge durch die Tür mit ih­nen, um sie zu be­ru­hi­gen, dann voll­führt Tris­tan, un­ser fran­zö­si­scher Gui­de, der seit Jah­ren in Ko­lum­bi­en lebt und für die Sier­ra schwärmt, ein paar Zau­ber­tricks, um sie all­mäh­lich aus ih­rer dunk­len Hüt­te her­vor­zu­lo­cken. Ih­re Au­gen glän­zen vor Freu­de, ein Lä­cheln zeich­net sich ab. Un­auf­fäl­lig schies­se ich ei­ni­ge Fo­tos. Ei­ne na­he­zu ent­spann­te Begegnung mit ei­ner Kogi-Fa­mi­lie, ei­ne ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit…

Um 8.30 Uhr be­rüh­ren die ers­ten Son­nen­strah­len die ehr­wür­di­gen St­ei­ne. Be­vor wir uns von die­sem en­er­gie­ge­la­de­nen Ort los­reis­sen, möch­te uns Cel­so noch ei­ne letz­te Bot­schaft mit auf den Weg ge­ben. Er­ho­ben streckt er im Zentrum ei­ner ze­re­mo­ni­el­len Ter­ras­se sei­nen Po­po­ro in die Luft und er­klärt fei­er­lich: «Die­ser Ort ist für un­se­re Kul­tur hei­lig. Na­tür­lich gibt es noch an­de­re hei­li­ge Or­te auf der Welt: Ma­chu Pic­chu, Ti­kal etc… Aber wir, das in­di­ge­ne Volk, fordern al­le Men­schen, un­se­re klei­nen Brüder, da­zu auf, die­se Stät­ten, die für die Menschheit so wichtig sind, zu schützen und Mut­ter Na­tur zu wahren, die ih­rer­seits über uns wacht. Lasst uns einander beschützen…»

WIR, DAS IN­DI­GE­NE VOLK, FORDERN AL­LE MEN­SCHEN, UN­SE­RE KLEI­NEN BRÜDER, DA­ZU AUF, DIE­SE STÄT­TEN, DIE FÜR DIE MENSCHHEIT SO WICHTIG SIND, ZU SCHÜTZEN UND MUT­TER NA­TUR ZU WAHREN, DIE IH­RER­SEITS ÜBER UNS WACHT. LASST UNS EINANDER BESCHÜTZEN…

DER SCHUTZ DER GE­MEIN­SCHAFT

Die über dreis­sig­tau­send Ur­ein­woh­ner, die Nach­fah­ren der Ta­i­ro­na, un­ter­tei­len sich in vier Volks­stäm­me: Kogi, Ar­hu­a­co, Kan­ku­a­mo, Wi­wa und die «äl­tes­ten Brüder» (Ma­mos). Sie le­ben in den In­dia­ner­dör­fern und Re­ser­va­ten (Res­guar­dos In­di­genas), die sich in den mitt­le­ren Hö­hen­la­gen be­fin­den. Seit zehn Jah­ren ist der Zu­gang zu den hö­he­ren Re­gio­nen des Ge­birgs­mas­sivs durch die ört­li­chen Be­hör­den stark ein­ge­schränkt, denn die in­di­ge­nen Ge­mein­schaf­ten emp­fin­den die Wan­de­rer und Berg­stei­ger zu­neh­mend als kul­tu­rel­len und öko­lo­gi­schen Stör­fak­tor. Die be­deu­tends­ten Gip­fel und die hei­li­gen La­gu­nen sind da­her nicht mehr zu­gäng­lich.

Ob­wohl es un­ter ge­wis­sen Be­din­gun­gen mög­lich ist, man­che Kogi-Dör­fer in den Rand­ge­bie­ten des Parks zu be­sich­ti­gen, wird die­se Art der Ak­ti­vi­tät nicht ge­för­dert, um die lo­ka­le Kul­tur zu be­wah­ren. Die­ses An­ge­bot rich­tet sich in ers­ter Li­nie an er­fah­re­ne und sehr ge­wis­sen­haf­te Be­su­cher, er­laubt al­ler­dings kein wirk­li­ches Ein­tau­chen in die frem­de Kul­tur, da man hier in der Re­gel, bis auf we­ni­ge Aus­nah­men, nicht über­nach­ten darf. Die ver­ant­wort­li­chen Rei­se­agen­tu­ren tun dies auf aus­drück­li­chen Wunsch, über­prü­fen aber ge­nau, wel­che Be­su­cher zu­ge­las­sen wer­den. Die Be­sich­ti­gungs­zei­ten und Spen­den sind bei An­kunft mit den ört­li­chen Be­hör­den zu ver­han­deln.

DIE SIER­RA NE­VA­DA, TEMPEL DER BIODIVERSITÄT

Die Sier­ra er­streckt sich zwi­schen den Pro­vin­zen Mag­da­le­na, Ce­sar und Gua­ji­ra auf über 17’000 km2, 36 Flüs­se ent­sprin­gen in ihr. Die feuch­ten Nie­der­wäl­der be­de­cken die nörd­li­chen und süd­li­chen Flan­ken des Ge­bir­ges auf 500 bis 900 m Hö­he, wäh­rend sich die tro­cke­ne­ren süd­li­chen und öst­li­chen Re­gio­nen auf 800 bis 1’000 Hö­hen­me­tern be­fin­den. Dar­über hin­aus schliesst sich der Ne­bel­wald, das Kro­nen­dach in bis zu 3'300 m so­wie der Pa­ra­mo (Sümp­fe und Torf­moo­re) bis 4'500 m an. In Hö­hen von 4'500 bis 5'000 m liegt das gan­ze Jahr über Schnee. Die Sier­ra be­hei­ma­tet Ja­gua­re, Ta­pi­re, Pa­ra­mo-Hir­sche, Kon­do­re, Oro­pen­do­las (Krä­hen­stirn­vö­gel), Berg­pa­pa­gei­en etc. Die Unesco er­klär­te die Sier­ra Ne­va­da 1979 zum Bio­sphä­ren­re­ser­vat und zum Wel­ter­be.

Ei­ne Wi­wa-Fa­mi­lie, die sich ober­halb von Min­ca an­ge­sie­delt hat.Ab­wech­selnd freu­di­ger und dis­tan­zier­ter Emp­fang in ei­nem Kogi-Dorf.Fern­blick über die Sier­ra von den Berg­käm­men des Cer­ro Ken­ne­dy aus, in 3'100 m.

Un­ser Gui­de Cel­so mit dem Po­po­ro in der Hand. Lin­ke Sei­te: Start der Wan­de­rung in Ma­che­te Pe­lao. Kur­zer Aus­blick auf die bei­den Berg­spit­zen Co­lon und Bo­li­var (5'700 m) mit dem Fluss Mag­da­le­na im Vor­der­grund. An­kunft in Ca­sa de Adam.

Ein­füh­rung in die Grund­la­gen der Ein­ge­bo­re­nen, vor dem schö­nen Zu­sam­men­tref­fen mit ei­ner ganz schüch­ter­nen jungen Kogi. Das Dorf Mu­tan­ji lehnt Be­su­cher ab. Das Ab­scha­ben der Fa­ser der Ma­guey-Aga­ve dient zur Her­stel­lung von Stri­cken. Rech­te Sei­te: Cel­so be­grüsst die ers­ten Son­nen­strah­len in der Verlorenen Stadt.

Vor Son­nen­auf­gang ha­ben wir die ar­chäo­lo­gi­sche Stät­te ganz für uns al­lein. Cel­so setzt sich mit den Vor­fah­ren in Ver­bin­dung. Lin­ke Sei­te: zärt­li­cher Anblick ei­ner jungen Mut­ter im Vor­über­ge­hen, Er­klä­run­gen zu ei­ner Ab­kür­zung, in­ne­re Ein­kehr bei der Nacht­wa­che und ei­ne Kogi-Ka­ra­wa­ne, die die Knol­len­ern­te zum Dorf her­auf­bringt.

Der Wäch­ter der Stät­te ist nicht zu Hau­se, aber sei­ne Fa­mi­lie ist da. Dank Cel­sos be­ru­hi­gen­den Wor­ten und den lus­ti­gen Zau­ber­tricks un­se­res fran­zö­si­schen Frem­den­füh­rers Tris­tan trau­en sich al­le, ei­ner nach dem an­de­ren, aus der Hüt­te, um dem be­schwing­ten In­ter­mez­zo bei­zu­woh­nen.

Was­ser­fall im Wald und Ko­li­bris im Vo­gel­re­ser­vat.Lin­ke Sei­te: ge­stat­te­te Be­sich­ti­gung ei­nes Kogi-Dorfs. Ob­wohl es recht ein­fach ist, sich den Frau­en und Kin­dern mit ei­nem Mi­ni­mum an Dis­kre­ti­on und Em­pa­thie zu nä­hern, ist der Kon­takt zu den Männern viel an­ge­spann­ter.Sie mus­tern dich fort­wäh­rend oder las­sen ei­nen links lie­gen.

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