Basler Zeitung

Grosser Rat verlangt von Cramer Taten

Integrativ­e Schule auf Prüfstand Konsens in der Basler Politik: Der Erziehungs­direktor muss in den kommenden zwei Jahren massive Verbesseru­ngen für das Schulsyste­m ausarbeite­n.

- Jan Amsler

Die Not in Basler Schulzimme­rn ist gross. Die Rede ist von Bissattack­en und Beleidigun­gen gegenüber Lehrperson­en, von einem Qualitätse­inbruch im Unterricht wegen verhaltens­auffällige­r Schülerinn­en und Schüler, die nicht gesondert, sondern in gewöhnlich­en Klassen untergebra­cht sind.

Doch das System der integrativ­en Schule in BaselStadt ist unter Druck. Nun ist der Erziehungs­direktor Conradin Cramer (LDP) verpflicht­et, innert zwei Jahren weitergehe­nde Massnahmen vorzulegen. Dies fordert eine Motion, die am Mittwoch stillschwe­igend überwiesen worden ist.

In seiner Stellungna­hme weist der Regierungs­rat diverse Pläne aus, wie die integrativ­e Schule in den kommenden Jahren ohnehin verbessert werden soll. So plant das Erziehungs­departemen­t zum Beispiel, spezielle Förderräum­e einzuricht­en. Es handelt sich um ein niederschw­elliges Angebot im Schulhaus, in dem Schülerinn­en und Schüler für eine zeitlich begrenzte Dauer ausserhalb ihrer Stammklass­e unterricht­et und gefördert werden.

«Wir sind keine Schreibtis­chtäter»

Die Motion verlangt aber mehr, etwa weitere Förderange­bote für Schüler mit Auffälligk­eiten im sozialemot­ionalen Bereich und zusätzlich­e Fachperson­en wie Sozialpäda­gogen. Urheberin ist Franziska Roth aus Riehen, die für die SP politisier­t und beruflich selber als Sozialpäda­gogin arbeitet. Sie und ihre Mitstreite­r wollen verhindern, dass die integrativ­e Schule scheitert, und sie möchten eine für alle tragbare Situation schaffen. Die ge

planten Förderräum­e beispielsw­eise seien eine gute Idee, aber zu kurzfristi­g angelegt; die Kinder bräuchten konstante Bezugspers­onen.

Roth kritisiert in der Ratsdebatt­e: «Herr Cramer, Sie können die integrativ­e Schule nicht nur im Erziehungs­departemen­t weiterentw­ickeln. Sie brauchen die Lehrer dazu.» Diese sollen nicht nur konsultier­t, sondern explizit eingebunde­n werden. Cramer kontert: «Wir sind keine Schreibtis­chtäter.» Alle, die an den Konzepten mitarbeite­ten, hätten eine pädagogisc­he Ausbildung. Doch er ist einverstan­den, die Bedürfniss­e in den Schulen vor Ort

«Herr Cramer, Sie können die Schule nicht nur im Departemen­t weiterentw­ickeln. Sie brauchen die Lehrer dazu.»

abzuholen. Und: «Es ist erkannt, dass wir jetzt am System der integrativ­en Schule grössere Instandhal­tungsarbei­ten machen müssen.»

Seit einem Jahrzehnt ein Thema

Heidi Mück vom GrünAltern­ativen Bündnis betont, dass die Situation unmittelba­ren Handlungsb­edarf verlange. Sie stört sich daran, dass sich der Regierungs­rat zwei Jahre Zeit lassen will, um die Massnahmen auszuarbei­ten. In der heutigen Praxis dauere es sehr lange, bis Lehrperson­en in Not Unterstütz­ung erführen. Doch wenn bei der

SP-Politikeri­n und Sozialpäda­gogin

Schulleitu­ng um Hilfe gebeten werde, sei der Leidensdru­ck bereits hoch, und «das Gefüge befindet sich in einer sehr fragilen Lage». Das Thema beschäftig­e die Schule seit einem Jahrzehnt. Dass es nun nochmals zwei Jahre benötige, «ist für mich und betroffene Lehrperson­en schwierig nachzuvoll­ziehen».

Auch Sandra Bothe verlangt im Namen der Grünlibera­len «ein deutliches Zeichen für die Unterstütz­ung in belastende­n Situatione­n». Die Problemste­llung sei «über die Massen herausford­ernd», die Auswirkung­en auf den Regelunter­richt würden stark unterschät­zt.

Franziska Roth

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Foto: Kostas Maros LDP-Regierungs­rat Conradin Cramer will die Bedürfniss­e der Lehrer abholen.

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