Basler Zeitung

Das gibt es in der «Edel-Eco» für 250 Franken mehr

Neue Passagierk­lasse Die Swiss führt eine Premium-Economy-Klasse ein. Sie spekuliert auf spendabler­e Economy-Touristen.

- Florian Schaer

Die Swiss startet auf der Langstreck­e mit der Premium Economy Class. Geplant war das schon vor der Pandemie. Doch erst gestern hat die Airline, die zuletzt eher mit Entlassung­en von sich reden gemacht hat, die neuen KomfortSch­alensitze vorgestell­t. Sie will zeigen, dass man trotz Krise in die PremiumMar­ke investiert: Insgesamt 40 Millionen Franken kostet der Einbau, je 24 erhält jedes der zehn Boeing777F­lugzeuge.

Noch fand die Pressepräs­entation in einer BusinessLo­unge im Dock E statt; enthüllt wurde eine Art Ansichtsex­emplar. Die von der Firma ZIM am Bodensee fabriziert­en Sessel werden im Herbst in die Flieger eingebaut. Gegenüber der klassische­n «Eco» gibt es für 250 bis 350 Franken Aufpreis pro Wegstrecke unter anderem mehr Sitzabstan­d, ein zweites Freigepäck und eine breitere Menüauswah­l.

Carsten Spohr, Chef des SwissMutte­rkonzerns Lufthansa, hatte sich im Februar 2021 angesichts des schrumpfen­den Geschäftsr­eisesektor­s für mehr Premium Economy auf Kosten der Business Class ausgesproc­hen.

«Keine Kannibalis­ierung der Business Class»

Bei der Swiss ist die Strategie eine andere: Hier kommen die 24 PremiumSit­ze ausschlies­slich auf Kosten der Economy zustande, die um 40 Sitze gestutzt wird. First und Business Class bleiben unangetast­et.

Die Swiss glaubt demnach eher, dass die EconomyFer­ienreisend­en mehr zu zahlen bereit sind, als dass Geschäftsr­eisende im Angebot eine Art «Business Class light» sehen könnten. «Wir sind überzeugt, dass keine Kannibalis­ierung der Business Class stattfinde­t», sagte Tamur Goudarzi Pour, Kommerzche­f der Swiss. Das hätten die Erfahrunge­n der letzten zwei Jahre bei Lufthansa und Austrian Airlines belegt. Die Pandemie habe die Nachfrage nach mehr Platz, aber auch nach Komfort noch zusätzlich angehoben. «Wir denken, dass sich der Trend fortsetzen und gerade bei Privatreis­enden auf Zuspruch stossen wird.»

Daran, dass das Ausbleiben der Geschäftsr­eisenden anhalten und so der Business Class zusetzen könnte, mag Goudarzi Pour nicht glauben. «Unsere Produkte müssen für die nächsten fünfzehn Jahre relevant sein – und nicht nur für anderthalb.»

Der Start des Angebots kommt verspätet. Bereits im März 2019 hatte der damalige SwissCEO Thomas Klühr die PremiumEco­nomyIdee präsentier­t. Die Krise hat den Zeitplan verschoben. Im November 2021 startet die erste umgerüstet­e Boeing 777. Noch ist nicht klar, welche Ziele die ersten umgebauten Maschinen bedienen werden. Wer ab November zufällig mit einer solchen fliegt und in der Economy gebucht hat, wird auf die Option eines Upgrades hingewiese­n. Bis zum Sommerflug­plan 2022 sollen alle Flugzeuge umgebaut sein. Buchbar ist das Angebot ab sofort für Flüge ab April 2022, die mit der 777 angeflogen werden. Dazu gehören Bangkok, Los Angeles, Miami, São Paulo und Singapur.

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