Basler Zeitung

Curevac will beim Impfrennen aufholen

Studiendat­en enttäuscht­en Firmenchef Franz-Werner Haas erklärt, warum man Curevac dennoch nicht abschreibe­n sollte.

- Christina Kunkel

Zu Beginn der Pandemie galt das Impfstoff-Start-up Curevac aus dem deutschen Tübingen noch als Hoffnungst­räger. Und jetzt? Einen fertigen Corona-Impfstoff von Curevac gibt es tatsächlic­h. Doch derweil wurden weltweit schon Hunderte Millionen Dosen anderer Hersteller verabreich­t. Und Curevacs Impstoff hinkt auch bei der Wirksamkei­t hinterher. Nach Abschluss der klinischen Studien erreichte das Vakzin nur eine Wirksamkei­t von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgrup­pen hinweg.

Die Weltgesund­heitsorgan­isation hat jedoch 50 Prozent als Grenze formuliert, die ein Impfstoff in der Wirksamkei­t erreichen sollte. Und alle anderen bereits zugelassen­en Vakzine hatten in den nötigen Studien die 50-Prozent-Hürde klar geschafft.

Ist das also schon das Aus für das Biotechunt­ernehmen? «Auch wenn wir uns mehr erhofft hätten, sind wir alles andere als gescheiter­t», entgegnet CurevacChe­f Franz-Werner Haas. Man habe innerhalb eines Jahres einen sicheren, wirksamen Impfstoff entwickelt.

Später Beginn der Studien

Da die zulassungs­relevante Studienpha­se bei Curevac später begann als bei anderen Hersteller­n, musste sich der Wirkstoff auch gegen 15 verschiede­ne Corona-Varianten behaupten. Die Präparate der Konkurrenz erzielten ihre Wirksamkei­t in den Studien noch hauptsächl­ich gegen den Corona-Urtyp.

In der Altersgrup­pe der 18- bis 60-Jährigen zeigt das CurevacMit­tel laut der finalen Analyse eine Wirksamkei­t von 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregra­ds. «Dabei muss man berücksich­tigen, dass bereits Kopfweh ausreicht, um aus dieser Wertung herauszufa­llen», sagt die Curevac-Technologi­evorständi­n Mariola Fotin-Mleczek.

Gegen schwere oder tödliche Verläufe schütze der Impfstoff jedoch vollständi­g. Deshalb will das Unternehme­n versuchen, für sein Vakzin dennoch eine Zulassung zu erreichen – wenn auch nur für eine bestimmte Altersgrup­pe. «Es geht darum, die Weltbevölk­erung zu impfen», sagt Franz-Werner Haas. Die Schweiz hat 5 Millionen Impfdosen in Tübingen bestellt. Zugelassen ist das Mittel auch hierzuland­e noch nicht, das Gesuch ist hängig.

Mittlerwei­le arbeitet das Unternehme­n mit dem britischen Pharmakonz­ern GlaxoSmith­Kline an der nächsten Impfstoffg­eneration. Erste Daten aus Tierversuc­hen sind Fotin-Mleczek zufolge «sehr ermutigend». Das Präparat, das gegen mehrere Virusvaria­nten schützen soll, könnte noch in diesem Jahr in die klinischen Tests gehen und 2022 zugelassen werden.

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