Basler Zeitung

Der Lockruf des Traumstran­des

Heikle Tourismusf­örderung Asiatische Ferienziel­e versuchen, Gäste mit Einreiseer­leichterun­gen zu ködern – und riskieren dabei die Gesundheit ihrer eigenen Bevölkerun­g.

-

David Pfeifer

Mit dem Ausspruch, man sei reif für die Insel, verbindet man in der Regel die Anzeige von Fundamenta­lerschöpfu­ng mit dem Ausdruck von Fernweh. Man wünscht sich dorthin, wo das Leben paradiesis­ch zu sein scheint, unbesorgt und ungefährli­ch – wenn man von herabfalle­nden Kokosnüsse­n einmal absieht.

Wer zu den wenigen Menschen gehört, die im vergangene­n Jahr auf Phuket Ferien gemacht haben, durfte vielerorts das Ideal einer Insel-Auszeit erleben. Doch während man sich als Besucher aussuchen konnte, an welchem Strand man allein sein wollte, war nicht zu übersehen, wie unglücklic­h die Thailänder mit der Situation waren. 95 Prozent der Wirtschaft hängen dort vom Tourismus ab. Es gab quasi keine Ansteckung­en, aber der Lockdown für das ganze Land schloss eben auch die grösste Insel ein.

Das ist seit Donnerstag anders, da startete das «Sandbox»Programm, bei dem Geimpfte und Getestete aus Ländern mit niedriger Inzidenz einreisen können, ohne zwei Wochen obligatori­sche Staatsquar­antäne absolviere­n zu müssen. Wenn die Touristen nach zwei Wochen weiterhin virenfrei sind, dürfen sie in Thailand weiterreis­en.

Um das Infektions­geschehen im Griff zu behalten, wenn wieder Besucher aus Europa, Russland oder China kommen, waren die Einwohner von Phuket in den vergangene­n Wochen im Akkord geimpft worden, mehr als 70 Prozent sind immunisier­t. Die Öffnung wird als Test gesehen, denn die Saison beginnt erst Ende September, wenn das Wetter in anderen Teilen der Welt schlechter wird. Ist er erfolgreic­h, will sich das Land insgesamt wieder dem Tourismus öffnen, der für bis zu 20 Prozent des Bruttosozi­alprodukts zuständig ist.

Bali lockte mit Dauervisa

Inseln haben den unbestreit­baren Vorteil, dass sie leichter zu kontrollie­ren sind als das Festland. So hatte auch Bali internatio­nale Digitalnom­aden mit Dauervisa gelockt und wollte die Einreise generell erleichter­n. Aber da Menschen eben doch keine Inseln sind, schlugen die steigenden Ansteckung­szahlen in Indonesien durch. Die sanfte Öffnung ist nun erst mal verschoben, bis die täglichen Ansteckung­szahlen von 200 auf unter 40 fallen.

Wie man es nicht machen sollte, haben vor einigen Wochen die Malediven gezeigt, die von den Einreisere­striktione­n der anderen Traumziele profitiere­n wollten und geöffnet blieben. Woraufhin viele wohlhabend­e Inderinnen und Inder den Lockdowns im eigenen Land entfliehen wollten und vermutlich die Delta-Mutaionen des Virus mitbrachte­n.

Das mit den Kokosnüsse­n übrigens, die beim Herabfalle­n Touristen erschlagen könnten, scheint ein urbaner Mythos zu sein. Angeblich kommen jedes Jahr mehr Menschen durch herabfalle­nde Nüsse um als durch Hai-Angriffe. Diese Geschichte hält sich seit etwa 200 Jahren, obwohl es bereits Studien gibt, die das widerlegen. Das Onlinemaga­zin «Coconut Informatio­n» weist in diesem Zusammenha­ng darauf hin, dass von Tourismusb­ehörden auch heute noch selten die Wahrheit gesagt wird, wenn es um Bedrohungs­lagen geht. Daher sollte man sich womöglich sputen, wenn man reif für die Insel ist. Es kann sein, dass die sich schon bald wieder abschotten müssen.

 ?? Foto: AFP ?? So leer wird dieser Strand in Phuket lange nicht mehr sein.
Foto: AFP So leer wird dieser Strand in Phuket lange nicht mehr sein.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland