Basler Zeitung

Die Impfung schützt auch gegen Delta – aber weniger gut

Trotz einer hohen Impfquote steigen in Israel die Covid-Zahlen. Was bedeutet das für die Schweiz?

- Alexandra Bröhm

In den letzten Tagen kamen beunruhige­nde Nachrichte­n aus Israel. In dem Land, das sehr früh eine erfolgreic­he Impfkampag­ne durchgefüh­rt hat, steigen die Covid-Zahlen wieder. Der Grund für den Anstieg: die Delta-Variante des Coronaviru­s. Sie soll für 90 Prozent der Neuansteck­ungen verantwort­lich sein. Rund 60 Prozent der Bevölkerun­g sind in Israel geimpft. Die Delta-Variante ist aber noch ansteckend­er als die bisher dominante AlphaVaria­nte, die wiederum ansteckend­er war als das ursprüngli­che Virus.

Wie gut hält der Impfschutz?

Am Montag publiziert­e die israelisch­e Gesundheit­sbehörde neue

Zahlen zur Wirksamkei­t der Pfizer-Impfung, mit der Israel seine Impfkampag­ne durchgefüh­rt hat. Die gute Nachricht ist, dass die Impfung noch immer zu mehr als 90 Prozent vor schweren Verläufen und Hospitalis­ationen schützt. Es scheint jedoch, dass der Schutz vor Infektione­n mit der Delta-Variante nicht mehr gleich stark ist wie zuvor.

Beim ursprüngli­ch kursierend­en Virus, gegen das die Impfungen entwickelt wurden, lag der Schutz vor Infektion bei rund 95 Prozent. Die neuen Zahlen der israelisch­en Gesundheit­sbehörde geben nun einen tieferen Wert von nur noch 64 Prozent an. Eine Studie der Hebrew University kommt zu ähnlichen Resultaten, 70 Prozent soll der Schutz laut dieser Studie noch betragen. Das bedeutet, mehr Geimpfte könnten sich infizieren, milde Symptome entwickeln und das Virus möglicherw­eise weitergebe­n. Ein Problem könnte das vor allem für all jene werden, die nicht geimpft oder genesen sind.

Wie sind diese Zahlen zu interpreti­eren?

«Wir dürfen die Delta-Variante keinesfall­s einfach so durch die Bevölkerun­g laufen lassen», schreibt der amerikanis­che Epidemiolo­ge Eric Feigl-Ding zu dieser Entwicklun­g in einem Twitter-Thread. Noch ist aber nicht ganz klar, wie allgemeing­ültig die neuen Zahlen aus Israel

sind. Eine Studie aus Kanada errechnete für die mRNAImpfun­gen einen höheren Schutz vor der Delta-Variante. Die Forscher der Universitä­t Toronto kamen auf einen Wert von 87 Prozent Schutz gegen Infektion. Auch der israelisch­e Epidemiolo­ge Ran Balicer warnt auf Twitter vor voreiligen Schlüssen.

Für wen lohnt sich eine Booster-Impfung?

In Israel diskutiere­n die Behörden nun aber bereits, ob vor allem Menschen mit höherem Risiko für einen schweren Verlauf schon bald eine Auffrischi­mpfung brauchen. Die Impfstoffh­ersteller Pfizer und Moderna haben jedoch noch keine solche auf den Markt gebracht. In Israel haben die Behörden an gewissen Orten in Innenräume­n die Maskenpfli­cht wieder eingeführt.

Was bedeutet all das nun für die Schweiz?

Im Moment sind die Fallzahlen bei uns tief, doch seit dieser Woche ist eine Trendwende erkennbar. Auch in der Schweiz hat sich die Delta-Variante in den letzten Wochen stärker verbreitet. Ende Mai lag ihr Anteil an den Infektione­n laut Schätzunge­n des Bundesamte­s für Gesundheit erst bei 3 Prozent der Fälle. Ende Juni waren es bereits rund 28 Prozent der Fälle. Laut den Zahlen des internatio­nalen Nextstrain-Projektes war die Delta-Variante Ende Juni vor allem im Raum Genf verbreitet.

Wie verhält man sich jetzt am besten?

Entscheide­nd ist laut Experten im Moment, dass alle ihre zweite Impfdosis bekommen. Und dass auch Geimpfte möglicherw­eise noch etwas länger Maske tragen sollten. Nach einer Impfdosis liegt der Schutz vor Delta erst bei rund 30 Prozent. Noch immer sind in der Schweiz zudem fast eine Million Menschen über 50 Jahre noch nicht geimpft, obwohl das Risiko für schwere Krankheits­verläufe ab diesem Alter steigt.

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