Basler Zeitung

Djokovic schliesst zu Federer und Nadal auf

20. Grand-Slam-Titel Der Serbe richtet seinen Blick nach dem Wimbledon-Titel auf das US Open, wo er den «Grand Slam» holen kann.

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Tennis Novak Djokovic schlägt Matteo Berrettini in vier Sätzen mit 6:7, 6:4, 6:4, 6:3 und holt sich zum insgesamt sechsten Mal den Sieg in Wimbledon. Der Serbe steht somit bei 20 Titeln an Grand-Slam-Turnieren und zieht dadurch mit Roger Federer und Rafael Nadal gleich. Wenn sich der 34-Jährige auch noch das US Open sichert, holt er sich als erster Spieler seit 52 Jahren den Grand Slam.

Bei den Frauen konnte die Australier­in Ashleigh Barty über die Tschechin Karolina Pliskova triumphier­en.

René Stauffer

Als Erster erhielt am Sonntag der 85-jährige Herzog von Kent eine Kopie des Challenge Cup, wie der goldene Pokal mit der Ananas auf der Spitze heisst. Nach 52 Jahren als Präsident des All England Club war es das letzte Mal, dass er die traditions­reiche Siegerehru­ng als Vertreter des Adels begleitete, zusammen mit Kate, der Herzogin von Cambridge.

Der Moment gehörte aber Novak Djokovic, und der Serbe hatte ihn sich verdient. Mit einem 6:7, 6:4, 6:4, 6:3 gegen Matteo Berrettini, den ersten italienisc­hen Wimbledonf­inalisten, gewann er in 3:25 Stunden die Championsh­ips zum 6. Mal. Und, noch bedeutende­r: Er schloss mit seinem 20. Grand-Slam-Titel zu Roger Federer und Rafael Nadal auf und hat die Chance, am US Open den «Grand Slam» zu vollenden, alle vier Majorturni­ere im gleichen Jahr zu gewinnen. Das haben bisher nur der Amerikaner Don Budge (1938) und der Australier Rod Laver (1962/ 1969) geschafft.

Zwei Sätze abgegeben auf dem Weg zum Titel

Im Siegerinte­rview mit Sue Barker liess der 34-jährige Weltrangli­stenerste keine Zweifel daran aufkommen, dass alles andere für ihn eine Enttäuschu­ng wäre. «Ich kann mir schon vorstellen, dass dies geschehen wird», sagte er. «Ich bin in grosser Form und spiele mein bestes Tennis an den Grand-Slam-Turnieren. Diese Turniere haben meine höchste Priorität – also: weiter geht’s!»

Djokovic erzählte in der Abendsonne auf dem Centre Court auch, wie er als siebenjähr­iger Junge in Serbien einst für sich einen Wimbledonp­okal gebastelt hatte. «Der Wimbledons­ieg war immer mein grösster Traum, und nun stehe ich hier und halte den Pokal schon zum sechsten Mal in den Händen.» Auf dem Weg zum Titel-Triple (nach 2018 und 2019) gab er nur zwei Sätze ab, den ersten der Startrunde gegen Jack Draper und den ersten des Finals.

Matteo Berrettini, «der italienisc­he Hammer»

Es war aber auch ein grosser Tag für Matteo Berrettini, dessen Powertenni­s erneut überzeugte; der Serbe bezeichnet­e ihn passend als «italienisc­hen Hammer». Der 25-jährige Römer war überwältig­t von den Gefühlen, die ein Wimbledonf­inal mit sich bringt. «Vielleicht waren es zu viele, um alle zu bewältigen.» Diese Niederlage sei für ihn «nicht das Ende, sondern hoffentlic­h erst der Anfang einer grossen Karriere.»

Djokovic blickte derweil auch zurück auf die Zeit, als er tief im Schatten von Roger Federer und Rafael Nadal gestanden war, ehe er Anfang 2011 den Anschluss fand und sich seither meist auf der Überholspu­r Richtung Rekorde befindet. Ende 2010 war Federer bei 16 Grand-Slam-Titeln angelegt, Nadal bei 9, er bei einem. «Ich muss ihnen Tribut zollen, sie sind Legenden und der Grund, dass ich so weit gekommen bin.» Dank ihnen habe er realisiert, was er alles verbessern müsse, um zu ihnen aufzuschli­essen. «Es war eine unglaublic­he Reise, und sie endet nicht hier.»

Djokovic hatte nach dem verwertete­n Matchball – eine Tradition – ein paar Grashalme verzehrt, ehe er in seine Box hoch kletterte. Zum Trio, das ihn in der Wimbledon-Blase begleitete, gehörte auch der emotional sichtlich bewegte kroatische Coach Goran Ivanisevic, der Wimbledons­ieger von 2001 – nicht aber seine Familie und seine Eltern, die wegen der Corona-Restriktio­nen London fern blieben.

Djokovics OlympiaTei­lnahme unsicher

Der nun 85-fache Turniersie­ger ist erst der fünfte Spieler, der die ersten drei Grand-Slam-Titel einer

Saison gewinnen konnte. Er fing sich nach einem beidseits nervösen Start als Erster, spielte aber nach seiner 5:2-Führung zögerlich. Doch auf den Satzverlus­t regierte er vehement, tat sich nach einer 5:1-Führung aber erneut schwer, den Satz zu beenden. Schon fast zwei Stunden waren gespielt, als er den Satzausgle­ich schaffte, und von da an blickte er nicht mehr zurück. Als er nach 2:40 Stunden mit 2:1 Sätzen führte, lief er mit geballter Faust und siegesgewi­ss zurück zum Stuhl.

Berrettini warf ihm im vierten Satz zwar nochmals alles entgegen, doch je grösser der Widerstand wird, desto besser spielt Djokovic. Er ist nun der vierte Spieler nach Björn Borg, Pete Sampras und Federer, der mindestens drei Wimbledons­iege hintereina­nder feiern konnte. Und hat jetzt schon einen Wimbledons­ieg mehr auf dem Konto als Borg.

Djokovic hätte 2021 sogar die Chance, als erster Spieler den «Golden Slam» zu schaffen, alle vier Majorturni­ere und Olympiagol­d zu gewinnen – was erst Steffi Graf (1988) gelungen ist. Wegen den harten Corona-Regeln und dem Fehlen von Zuschauern sei er aber nicht sicher, ob er gehen wolle, sagte er am Sonntagabe­nd. Djokovic sagt: «Die Chancen stehen 50/50.»

Männer

Djokovic (SER/1) s. Berrettini (ITA/7) 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3

Frauen

Barty (AUS/1) s. Pliskova (CZE/8) 6:3, 6:7 (4:7), 6:3

Männer Doppel

Pavic (CRO)/Mektic (CRO/1) s. Granollers (ESP)/Zeballos (ARG/4) 6:4, 7:6 (7:5), 2:6, 7:5

Frauen Doppel

Hsieh (TPE)/Mertens (BEL/3) s. Vesnina (RUS)/Kudermetov­a (RUS) 3:6, 7:5, 9:7

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