Basler Zeitung

Hagelschad­en am Auto: Reparieren oder Pauschalbe­trag kassieren?

Tausende Fahrzeuge wurden kürzlich von Hagel getroffen. Wann ein Geldbetrag sinnvoller ist als eine Reparatur.

- Bernhard Kislig

In den vergangene­n Wochen haben Unwetter überregion­al Schäden in Milliarden­höhe angerichte­t. Allein die Axa hat seit Mitte Juni mehr als 33’000 Meldungen für Hagelschäd­en mit einer Versicheru­ngssumme von über 143 Millionen Franken erhalten. Bei drei Viertel dieser Schäden geht es um Fahrzeuge.

Viele Betroffene konnten ihr Auto inzwischen in einem HagelDrive-in vorführen, etwa bei jenem der Firma PDR-Team mit Sitz in Tuggen SZ. Sie mietet dafür jeweils eine Halle im Epizentrum eines Hagelzuges. Dutzende Angestellt­e, Freelancer und Mitarbeite­nde von Schwesterg­esellschaf­ten in Deutschlan­d sowie Frankreich reisen an, wie kürzlich auf dem Messegelän­de in Thun. Dort begutachte­ten sie innert kurzer Zeit mehrere Hundert Fahrzeuge. Sie zählen Dellen und beurteilen, wie gravierend diese sind. In seltenen Fällen gibt es auch beschädigt­e Scheiben.

Weitere Einsätze organisier­te Nathanael Kalisky, Geschäftsf­ührer von PDR-Team, während der vergangene­n Wochen in La Chaux-de-Fonds, Yverdon, Chavornay, Kriens, Wädenswil, Zug und St. Gallen. Nach seinen bisherigen Erfahrunge­n hagle es regelmässi­g in den Regionen Thun und Luzern. St.Gallen sei hingegen selten betroffen.

Folgen von Totalschäd­en

Immer wieder stellen die Fachleute auch einen «Totalschad­en» fest, wie Kalisky sagt. Das ist der Fall, wenn die Reparaturk­osten den Wert des Fahrzeugs deutlich übersteige­n. Nach der Begutachtu­ng eines Autos kommt es zum Gespräch, in dem ein DellenExpe­rte die Schäden erläutert. Dann muss der Fahrzeugha­lter entscheide­n, ob er den Hagelschad­en beheben lassen will oder ob ihm die Versicheru­ng einen Pauschalbe­trag auszahlen soll.

Bei diesem Entscheid spielen Alter und Zustand des Fahrzeugs eine Rolle. Wer ein älteres Auto besitzt und sich nicht an einigen Dellen stört, dürfte den Pauschalbe­trag vorziehen, selbst wenn dieser etwas weniger hoch ist als die Reparaturk­osten. Die Helvetia begründet diesen Abschlag mit der eingespart­en Mehrwertst­euer, die bei einer Reparatur angerechne­t würde. Ob der Abschlag nicht manchmal höher ausfällt, ist schwierig zu prüfen. Auf jeden Fall erhalten Betroffene bei Hagelschäd­en einen stattliche­n Betrag. Die meisten nehmen das Geld, wie sowohl Kalisky als auch Versichere­r bestätigen.

Die Auszahlung hat zudem den Vorteil, dass der Reparatura­ufwand wegfällt und sofort Bares zur Verfügung steht, das ein Autobesitz­er später allenfalls für den Kauf eines anderen Fahrzeugs verwenden kann. Die Auszahlung hat aber auch Nachteile. Bei einem neueren Wagen kann der Wiederverk­aufswert deutlich sinken. Und kommt es später zu einem weiteren Hagelschad­en, zahlt die Versicheru­ng – wenn überhaupt – nur noch einen geringen Betrag.

Und schliessli­ch gibt es auch Autolenker­innen und -lenker, die Dellen am Fahrzeug schlicht nicht ausstehen können und deshalb die Reparatur vorziehen.

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