Basler Zeitung

Prattler Wagencliqu­e plant Sommerfasn­acht im September

Nach zwei Jahren ohne Fasnacht Schaulusti­ge haben sich über die sozialen Medien zuhauf angemeldet – die Cliquen zögern aber noch.

- Andrea Schuhmache­r

2022 soll es endlich wieder eine Fasnacht geben: Das hoffen jedenfalls die Tausende Basler und Baselbiete­r Aktiven nach zwei trostlosen Jahren ohne. Nicht alle mögen aber so lange warten. In Pratteln ruft die Wagencliqu­e «Verruggte Rhy-Waggis» zu einer zweitägige­n Sommerfasn­acht auf. Mitten im September, vom 17. bis 18., laden die Fasnächtle­r zum «Nachholen» der verlorenen Fasnachtsa­usgaben ein, zum Musizieren und Gässle auf dem Areal der Frenken-Garage – nicht zum ersten Mal zeigen sich die AggloGemei­nden kreativ, wenn es darum geht, den Corona-bedingten Ausfall der Fasnacht zu kompensier­en.

Auf den sozialen Medien, wo sie den Event anpreisen, hat die Clique nahezu 1000 Personen dafür begeistern können – bereits zu viele also. Denn wie Obmann Ruedi Gysin auf Anfrage sagt, wolle man das Fest ohne Corona-Zertifikat durchführe­n: «Es soll einer Fasnacht so ähnlich wie möglich sein.» Zurzeit sieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) für Anlässe an der frischen Luft ohne Zertifikat und ohne Sitzpflich­t eine Obergrenze von 500 Gästen vor. Eine Sitzpflich­t komme aber laut Gysin nicht infrage.

Zu heiss für manche

Wo es aber noch harzt, ist bei den Fasnächtle­rn selbst. Bisher haben sich bei den Rhy-Waggis sechs Guggenmusi­ken und vier Schnitzelb­änke für die Sommerfasn­acht angemeldet. Darunter sind vor allem Städter wie die «Glaibasler Schränz-Brieder 1961» oder die «Guggemuusi­g Träne Furzer 1973» zu finden. Aus dem Baselbiet bekommen die Prattler Verstärkun­g aus Aesch mit dem Schnitzelb­ank «Doppelstää­b» und aus Birsfelden mit der «Guggemusig Birsbloote­re». Sogar aus Deutschlan­d wird eine Delegation erwartet: die «Node-Chaode» aus Grenzach-Wyhlen.

Cliquen hingegen haben sich keine angemeldet. «Ich hoffe, dass sich das noch ändert», sagt Gysin. Ihm seien verschiede­ne Gründe für die Absagen der Gruppierun­gen genannt worden. Einige wollen die Hitze meiden: Eine Fasnacht im September sei «lächerlich», weil viel zu heiss: Im Sommer wolle man Kostüm und Larve nicht anziehen. Andere verzichten aus Prinzip: Vor dem traditione­llen Beginn der Fasnachtsz­eit, dem 11.11., nehme man an keinem fasnächtli­chen Event Teil.

Fressstand statt Auftritt

Für Gysin wäre es kein Problem, wenn die Aktiven bei der Sommerfasn­acht nach der ersten Runde die Larve ablegen würden oder nur das Oberteil des Kostüms trügen. Doch just in diesem Punkt zeige sich dann der Graben zwischen der Stadt- und der Landfasnac­ht. Er spricht aus Erfahrung: Trete er im Baselbiet als Schnitzelb­änkler auf, sei es üblich, sich nach dem Auftritt ohne Larve zu den Gästen zu setzen. In Basel werde extra ein Raum eingericht­et, wo er sich umziehen könne, damit auch ja niemand erfahre, wer unter der Larve stecke.

Auch ein Hindernis für die Formatione­n dürfte die fehlende Vorbereitu­ng sein. Cliquen und Guggen konnten lange nicht zusammen üben, Wagencliqu­en haben ihr Gefährt noch nicht aufgebaut und geschmückt. Aber auch da winkt Gysin ab: «Die ‹Birsbloote­re› bauen zum Beispiel einen Fressstand.» Er ist mit drei weiteren Wagencliqu­en noch im Gespräch, um eine Teilnahme – in welcher Form auch immer – abzuklären.

Bis September geht es allerdings noch lange. Und sollten sich doch noch mehr Gruppierun­gen anmelden, so will Gysin einen zweiten Festplatz einrichten sowie weitere Auftritte ermögliche­n – für Schnitzelb­änke ist ein ruhigerer Ort im Innenberei­ch der Garage vorgesehen. Ein Shuttle-Bus vom Dorfzentru­m bis zum Festgeländ­e ist bereits organisier­t. Nun bleibt zu hoffen, dass der Bund die Massnahmen bei Grossveran­staltungen bis zur Sommerfasn­acht weiter lockert.

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Foto: Ruedi Gysin Die Rhy-Waggis an der letzten Prattler Fasnacht.

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