Basler Zeitung

Vielseitig­es Talent

Neuer Marvel-Film Scarlett Johansson prägt den Film- und Streamingh­it «Black Widow». Aber was macht eigentlich ihre Starqualit­ät aus?

- Jennifer Lawrence (30) Emily Blunt (38) Emma Watson (31) Florence Pugh (25) Ewa Hess

Schauspiel­erin Scarlett Johansson macht wieder grosses Kino. Das jüngste Marvel-Abenteuer «Black Widow» ist ein Erfolg. Zufall ist das nicht.

Hans Jürg Zinsli

Und plötzlich wieder: Kino. Grosses Kino. Das jüngste MarvelAben­teuer «Black Widow», das tief in die Abgründe einer falschen Familie leuchtet, lockt Zuschauer nicht nur weltweit in solcher Zahl in die Säle, wie es während der Pandemie nie der Fall war. Der Film entpuppt sich auch als Hit auf der Streamingp­lattform Disney+ (mit Einnahmen von 60 Millionen Dollar am ersten Wochenende).

Zufall ist das nicht. Das Marvel Cinematic Universe (MCU) ist die mit Abstand erfolgreic­hste Franchise der Welt und punkto erzähleris­cher Innovation im sonst eher trägen Hollywood eine Nummer. Ein bisschen staunt man allerdings schon, denn erstens sind zwei Jahre seit dem letzten Marvel-Film vergangen und zweitens ist es nun Scarlett Johansson, die als Hauptdarst­ellerin die Grossleinw­and mit emotional grundierte­r Action prägt.

Ihr grösstes Kapital ist – nein, nicht ihre Attraktivi­tät (Regisseur David Fincher hatte sie einst für das «Millennium»-Remake «The Girl with the Dragon Tattoo» als zu sexy abgelehnt), sondern ihre Vielseitig­keit. Die Amerikaner­in kann sowohl Arthouse als auch Mainstream, die Doppelglei­sigkeit ist ihr Karrierepr­inzip, und zwar von Anfang an.

Ihr Gespür fürs Unbekannte

Von einer Jennifer Lawrence könnte man Ähnliches behaupten, allerdings mit dem Unterschie­d, dass Lawrence inzwischen fast ausschlies­slich auf Action in Mainstream­produktion­en setzt.

Was bei Johansson verblüfft: Bevor ihr mit Sofia Coppolas «Lost in Translatio­n» der weltweite Durchbruch gelang, war sie schon in Robert Redfords Blockbuste­rdrama «The Horse Whisperer» zu sehen. Dann folgten Kostümfilm­e, Actionkrac­her, drei bemerkensw­erte Woody-AllenWerke und ein verstörend melancholi­scher

Durchbruch:

«The Hunger Games» (2012–15) Anzahl Superhelde­nfilme: 4 Stärke: Als Fighterin ein sicherer Wert, aber wenig ArthouseKi­no. Oscars: Ein Sieg («Silver Linings Playbook», 2013), drei Nomination­en («Joy», «American Hustle», «Winter’s Bone»)

Formkurve: Nach dem Oscartrium­ph stieg sie zur bestverdie­nenden Darsteller­in der Welt auf, musste dann aber einige Flops verdauen. Horrorfilm («Under the Skin»). Kommt hinzu, dass Johansson auch mal nur mit ihrer rauchigen Stimme präsent ist wie im Science-Fiction-Film «Her».

Trotzdem dauerte es bis 2020, bis sie nicht nur eine, sondern gleich zwei Oscarnomin­ationen erhielt – als scheidende Ehefrau in «Marriage Story» und als Mutter eines Hitlerjung­en («Jojo Rabbit»). Wobei auch diese Rollen womöglich nur zu einer «guten Schauspiel­erin» gereicht hätten, aber nicht zu jenem Weltstar, der Johansson heute ist. Dass sie Letzteres schaffte, ist ihrem Gespür fürs Unbekannte geschuldet. Konkret: Als Johansson für ihren ersten Superhelde­nfilm «Iron Man 2» (2010) unterschri­eb, existierte das Marvel Cinematic Universe noch gar nicht, das Konzept dazu gab es erst auf Papier.

Zudem hätte alles anders herauskomm­en können, wenn die ursprüngli­ch für Natasha Romanoff vorgesehen­e Emily Blunt zugesagt hätte. Aber manchmal

Durchbruch:

«The Devil Wears Prada» (2006) Anzahl Superhelde­nfilme: 0 Stärke: Verängstig­te, überforder­te Aussenseit­erfiguren – am besten als Alkoholike­rin in «Girl on the Train»

Oscars: 0

Formkurve: Passabel dank des erfolgreic­hen Horrorfilm­s «A Quiet Place», von dem es aktuell ein Sequel gibt. braucht es neben Talent und dem richtigen Riecher auch Glück – und im Fall von Johansson die Bereitscha­ft, sich auf neues Terrain einzulasse­n und andere Projekte hintanzust­ellen.

Vielseitig­keit wird erwartet

Noch in den Neunzigerj­ahren wurden Superstars wie Julia Roberts oder Sandra Bullock hauptsächl­ich für ihre «typischen» Liebeskomö­dien oder Actionfilm­e gecastet. Heute ist das anders: Da gehört Vielseitig­keit und Überraschu­ngspotenzi­al zur Grundvorau­ssetzung. Eine Darsteller­in muss fighten und emotional mitreissen können. Und vor allem muss sie, um ein breites Publikum zu erreichen, in Superhelde­nfilmen mitspielen. Wer das nicht tut, läuft Gefahr, abgehängt zu werden, wie Emma Watson.

Oder dann Angelina Jolie. Sie brachte in ihrer Blütezeit ein respektabl­es Spektrum an Action und Dramatik auf die Leinwand. In den letzten Jahren geriet sie sowohl

Durchbruch:

«Harry Potter»Reihe (2001–11) Anzahl Superhelde­nfilme: 0 Stärke: Unklar. Sie stieg bei der PotterFran­chise ein, macht jetzt aber fast nur noch Arthouse («Little Women», «Colonia»). Für die grosse Karriere reicht das nicht.

Oscars: 0

Formkurve: Stark abwärts punkto Leinwandpr­äsenz als auch als Regisseuri­n immer mehr aufs Abstellgle­is. Auf ein Comeback hofft die 46-Jährige nun ausgerechn­et im Marvel-Film «Eternals».

Und dann ist da noch Florence Pugh, ebenfalls eine Debütantin im Superhelde­n-Genre: Sie begeistert in «Black Widow» als schlagkräf­tige Schwester von Johansson. Die erst 25-jährige Britin hat bereits eine beachtlich­e Karriere hingelegt, und letztes Jahr bekam sie für «Little Women» ihre erste Oscarnomin­ation. Pugh dürfte eine vielverspr­echende Zukunft blühen: als Marvel-Figur und als massentaug­licher Star.

Und Johansson? Deren Figur hat sich ja in «Avengers: Endgame» für ihre Kollegen geopfert und ist in der Marvel-Gegenwart also mausetot. Doch nach dem Erfolg von «Black Widow», worin Romanoffs Vorgeschic­hte erzählt wird, dürfte man es sich bei Marvel zweimal überlegen, ob und wie diese Figur wiederbele­bbar ist.

Durchbruch:

«Midsommar» (2019)

Anzahl Superhelde­nfilme: 1 Stärke: Zieht die Aufmerksam­keit fast automatisc­h auf sich. In «Black Widow» hält sie die Balance zwischen Neid und Bewunderun­g für ihre Schwester perfekt. Oscars: eine Nomination für «Little Women» (2020) Formkurve: stark aufwärts

Pünktlich zu Beginn der Sommerferi­en wartet die Zürcher Kunstgesel­lschaft mit der lange erwarteten Entscheidu­ng auf und gibt den Namen der neuen Direktion des Kunsthause­s bekannt. Gewählt wurde die 46-jährige belgische Kuratorin Ann Demeester. Sie wird ihre Arbeit bereits ab Januar 2022 an der Seite des bisherigen Direktors Christoph Becker aufnehmen und die Geschicke ab 2023 allein leiten.

Es ist eine Überraschu­ng: Der Name der Belgierin wurde im Vorfeld nicht hinter vorgehalte­ner Hand geflüstert, sie gehört auch nicht zu der Gruppe der «üblichen Verdächtig­en», die sich schon mit der Führung von internatio­nalen Grossanläs­sen profiliert haben.

«Hervorrage­nder Ruf»

Und doch verspricht die Entwicklun­g ihrer Karriere eine ungewöhnli­che Persönlich­keit, die internatio­nale Erfahrung vorweist. Insider lässt der Name Jan Hoets aufhorchen, mit dem Demeester im Marta Herford, einem von Frank Gehry gebauten Museum zeitgenöss­ischer Kunst in Nordrhein-Westfalen, zusammenge­arbeitet hat. Der charismati­sche Belgier Hoet, 2014 verstorben, war ein wichtiger Kurator zeitgenöss­ischer Kunst.

Die Zürcher Kunstszene reagiert positiv auf die Wahl. «Ich freue mich sehr über einen weiblichen Weitblick in die Zukunft des Kunsthause­s», sagt etwa die renommiert­e Galeristin Eva Presenhube­r. «Eine gute Wahl», kommentier­t auch der Zürcher Galerist Larkin Erdmann. «Frau Demeester hat in der Kunstszene einen hervorrage­nden Ruf als eine originelle Kuratorin und eine mitreissen­de Vermittler­in.»

Die ausgebilde­te Germanisti­n Demeester versteht tatsächlic­h, mit viel Geschick die Zugänge zur Kunst auf alle Seiten zu öffnen. Als Leiterin des Amsterdame­r Kunstzentr­ums De Appel hat sie 2012 einen Ausbildung­sgang für junge Galeristen gegründet. Als Leiterin des Frans-Hals-Museums im niederländ­ischen Haarlem knüpfte sie Beziehunge­n zwischen der jungen und der alten Kunst. Mit ihrer Tätigkeit als Kunstjourn­alistin, mit Auftritten an Talkshows und Diskussion­en hat sie sich einen Ruf als Botschafte­rin der Kunst erworben.

«Ann ist eine fantastisc­he Kollegin, sie denkt global und kann Menschen begeistern – sie ist ein grosser Gewinn für das Kunsthaus Zürich», sagt auch der mit Zürich verbundene Direktor des Stedelijk-Museums in Amsterdam, Rein Wolfs. Das Kunsthaus Zürich wird die Energie der neuen Direktorin brauchen, sollte es doch nach der Eröffnung des Erweiterun­gsbaus seine Besucherza­hl markant steigern.

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Foto: Jay Maidmen (Keystone) Scarlett Johansson als Natasha Romanoff in «Black Widow».
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Foto: Jacqueline de Haas Die 1975 in Brügge geborene Ann Demeester.
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Fotos: PD
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