Basler Zeitung

Alle störts, keiner tuts

Littering-Umfrage unter Jugendlich­en Das Rheinufer ist einer der Abfall-Hotspots von Basel. Wir haben junge Menschen gefragt, warum viele ihren Müll nicht selbst entsorgen – und wie verschmutz­t Basel im Vergleich zu anderen Städten ist.

- Tobias Burkard

In einer BaZ-Umfrage zum Thema Littering beteuern einige der befragten Personen, ihren eigenen Müll stets zu entsorgen.

Sommer, Sonne und gute Laune: Das Wetter beschert uns nach dem bisher verregnete­n Sommer doch noch einige schöne Tage. Das führt dazu, dass sich die üblichen verdächtig­en Ausgangsor­te wieder füllen. So auch das Rheinufer, das an diesem Sommeraben­d voller Menschen ist. Das Problem daran: Am nächsten Morgen werden die Spuren des Abends in Form von achtlos liegen gelassenem Müll zu sehen sein. Und dies, obwohl die Basler Bevölkerun­g seit Jahren auf die LitteringT­hematik aufmerksam gemacht wird und sich selbst daran stört.

Woran liegt dieser Widerspruc­h? Wir haben mit den vermeintli­chen Abfallsünd­ern am Rheinufer gesprochen und sie nach ihrer Bilanz gefragt: Räumen sie den Müll immer weg? Wo sehen sie Verbesseru­ngspotenzi­al, und wie sieht Basel in den Augen von Expats aus?

— Chiara G.

«Littering hat mit falscher Erziehung und fehlendem Bewusstsei­n zu tun», sagt Chiara. Sie sitzt mit Freunden am Rheinufer und trinkt ein Bier. Die leere Dose werde sie später selbstvers­tändlich in den Abfall werfen. Dass dies an einem schönen Sommeraben­d nicht alle so disziplini­ert handhaben, ist ihr natürlich auch aufgefalle­n. Chiara kennt selbst Leute, die ihren Abfall liegen lassen würden: «Die begreifen nicht, wie schädlich dieses Verhalten sein kann», kritisiert sie. Häufig würde es sich um jüngere Menschen handeln.

Vor allem mit dem Steigen des Alkoholpeg­els sinke die Hemmschwel­le, den Müll einfach liegen zu lassen: «Ab einem gewissen Punkt ist es den Leuten dann einfach egal», vermutet sie. Da würden auch keine grösseren Abfallkübe­l oder eine grössere Anzahl helfen. Viel eher sei der soziale Druck ein probates Mittel: «Ich finde Zivilcoura­ge in dieser Hinsicht etwas sehr Wünschensw­ertes.» Positiv aufgefalle­n ist ihr in Basel, dass viele Menschen den Müll immerhin in die Nähe eines Abfallkübe­ls bringen würden, selbst wenn dieser bereits voll sei. «Das zeigt doch, dass der gute Wille bei vielen schon da ist», sagt sie.

— Qian, Menqi, Yiming und Yunny

Die Gruppe Expats aus China sitzt gemütlich am Rhein und isst ihr Abendessen. Alle vier arbeiten seit einigen Jahren als Architekte­n bei Herzog & de Meuron, zuvor waren sie in Deutschlan­d und in England wohnhaft.

Angesproch­en auf das Thema Littering, geben sie gern Auskunft: «Wir denken, dass es eine Frage des Respekts ist, seinen Müll selbst zu entsorgen», sagt Qian, der Deutsch spricht. Vor allem als Ausländer fühle er sich besonders dazu verpflicht­et, im neuen Heimatland die Regeln zu respektier­en.

Ihm sei aufgefalle­n, dass es vor allem Einheimisc­he seien, die den Abfall liegen lassen: «Vielleicht fühlt man sich mehr dazu berechtigt, den Müll in seiner Stadt liegen zu lassen als in einer fremden», spekuliert er.

Basel sei im Vergleich zu anderen Städten schon eher verschmutz­t, meint Menqi, die ursprüngli­ch aus Shanghai kommt. Ihr sei aufgefalle­n, dass die LitteringP­roblematik an Wochenende­n besonders häufig zum Vorschein komme.

Sie wohne beispielsw­eise in einer Erdgeschos­swohnung, und manche würden ihren Müll nach einer Partynacht einfach vor ihrem Fenster deponieren. Auch wenn Basel stark verschmutz­t sei, falle ihr ein Vergleich mit ihrer Heimatstad­t Shanghai schwer: «Die Stadt ist in Distrikte aufgeteilt. Einige sind sehr verdreckt, andere extrem sauber.»

Auf jeden Fall gebe es in der chinesisch­en Metropole keinen Ort, der mit dem Rheinufer in Basel vergleichb­ar sei, denn in ihrer Heimat würden die Menschen in Bars gehen, um Alkohol zu trinken. In Basel sei das anders. «Hier können die Menschen draussen sitzen und ein Bier zu sich nehmen. Das verführt halt auch zu Littering», sagt sie.

— Silvain, Olivier und Fabian Die Gruppe von Freunden sitzt zu dritt am Rheinufer und trinkt ein Bier. Silvain sagt, für ihn sei Littering unnatürlic­h: «Meine Eltern haben mich damals zusammenge­staucht, als ich meinen Müll einfach auf die Strasse geworfen habe.» Diese Erziehung habe ihn geprägt, so sehr, dass Littering für ihn ausgeschlo­ssen ist. Deswegen ist für ihn klar, dass Eltern besonders in der Pflicht stehen, ihren Sprössling­en das richtige Verhalten im Umgang mit ihrem generierte­n Abfall beizubring­en.

Angesproch­en auf den Vergleich mit anderen Städten, antwortet Olivier, dass Basel stark verschmutz­t sei. «Besonders an Ausgangspl­ätzen wie dem Birsköpfli, dem Rheinufer oder am Hafen ist es am Morgen jeweils schlimm.» Das habe wahrschein­lich mit dem Alkoholkon­sum zu tun. Wer nicht mehr ganz nüchtern sei, neige eher dazu, den Abfall einfach liegen zu lassen. Viele wissen auch, dass am nächsten Tag sowieso alles weggeräumt werde.

Wenn das nicht mehr geschehen würde, dann würden wahrschein­lich viele ihr Verhalten ändern. Auch schlägt Olivier vor, konsequent­er Bussen an die Abfallsünd­er zu verteilen und mehr Abfallkübe­l in der Stadt aufzustell­en.

«Littering hat mit falscher Erziehung und fehlendem Bewusstsei­n zu tun.» Chiara G.

Passantin am Rheinufer

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