Basler Zeitung

Endlich! Die Wasserschl­acht auf der Dreirosenb­rücke ist zurück

Grossbasel gegen Kleinbasel Die Grossbasle­r sind dieses Jahr mit einem Schutzwall aus Karton und einer selbstgeba­stelten Wasserball­on-Schleuder am Start. Die Kleinbasle­r aber haben mehr Leute dabei.

- Katrin Hauser

Pünktlich um 15 Uhr steht ein beschaulic­her Trupp von Grossbasle­rn auf der Dreirosenb­rücke. Sie wirken etwas ratlos. «Wo sind sie denn ?», fragt ein Junge. Die Umherstehe­nden zucken mit der Schulter. Die Kleinbasle­r verspäten sich. Und das zu einem der spektakulä­rsten Events des Basler Sommers: Der grossen Wasserschl­acht zwischen 4056 und 4057, die nach einem Jahr CoronaPaus­e wieder stattfinde­n kann.

Endlich tut sich was. Aus der Ferne ist eine grösser werdende Gruppe an Erwachsene­n und Kindern am Kleinbasle­r Ende der Dreirosenb­rücke zu erkennen. Sie kommen näher. Sie sind mehr als die Grossbasle­r. Einige tragen Wasserpist­olen, andere Eimer voll mit Wasserball­ons. Manche sind gar mit Schildern aus Karton oder Plastik ausgerüste­t.

«Alle, die Handfeuerw­affen haben – mir nach!»

Als die Kleinbasle­r die Mitte der Brücke fast erreicht haben, stürmt ihnen der kleine Junge, der sich gerade noch nach dem Verbleib des Feindes gefragt hat, mit einer ziemlich grossen Wasserpist­ole entgegen. Er schreit: «Alle, die Handfeuerw­affen haben – mir nach!» Hinter ihm setzt sich ein Schutzwall aus Karton, befestigt an einem KinderVelo­anhänger, in Bewegung. In grossen, roten Lettern ist darauf die Postleitza­hl 4056 zu lesen.

Nun kommt Bewegung in die gesamte Gruppe. Die Grossbasle­r stürmen los. Sie sind zwar an der Zahl weniger, sehen aber wesentlich wilder aus als die

Kleinbasle­r. Einer hat sich einen Hut mit Hörnern aufgesetzt. Ein anderer schiebt eine selbst gebastelte Wasserball­onSchleude­r vor sich her, mit der er die Kleinbasle­r beschiesst.

Ein Streifenwa­gen schaltet kurz den Alarm ein

Dann treffen die beiden Gruppen aufeinande­r. Zuerst die Kinder. Lachend, mit lautem Geschrei, spritzen sie sich mit ihren Wasserpist­olen nass. Dann die jungen Erwachsene­n, die gezielt nach ihren Bekannten aus dem feindliche­n Lager Ausschau halten und sich Verfolgung­sjagden durch die Menge liefern.

Es ist – man kann es nicht anders beschreibe­n – eine Riesengaud­i. Selbst die Polizei scheint dieser Meinung zu sein. Ein Streifenwa­gen schaltet kurz den Alarm ein, als er an der Wasserschl­acht vorbeifähr­t. Durchs Fenster ist ein grinsender Polizist zu sehen.

Um 15.30 Uhr ist das Wasser alle. Wer die Schlacht gewonnen hat, ist wie immer unklar. Es ist Tradition, dass beide Seiten behaupten, gewonnen zu haben – wie klar auch immer der Sieg für die einen oder anderen ausgefalle­n sein mochte.

Noch immer lachend kehren die Grossbasle­r auf ihre Seite des Rheins zurück. Nur der Junge mit dem Kartonwall ist traurig. Er beschuldig­t die Kleinbasle­r, diesen mit Tritten kaputt gemacht zu haben. «Nächstes Jahr bauen wir einen aus Metall», verspricht sein Vater augenzwink­ernd.

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Foto: Nicole Pont Mit Helmen und Wasserpist­olen ausgerüste­t: Wer die Schlacht am Ende gewonnen hat, ist wie immer unklar.

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