Basler Zeitung

Adidas beendet das teure Experiment mit Reebok

- Uwe Ritzer

Milliarden­verlust Die Erwartunge­n waren gewaltig: Mit der Übernahme von Reebok werde Adidas den Abstand zum Weltmarktf­ührer Nike deutlich verkleiner­n. So formuliert­e es Adidas-Vorstandsc­hef Herbert Hainer, als er vor 16 Jahren die Übernahme der USFirma Reebok für 3,2 Milliarden Euro verkündete. Doch die Euphorie verflog schnell. Hainer, der ansonsten als sehr erfolgreic­her Chef in die Firmengesc­hichte einging, biss sich die Zähne aus an der Neuerwerbu­ng. Entspreche­nd dominiert am Adidas-Sitz im bayrischen Herzogenau­rach jetzt die Erleichter­ung, nachdem Adidas am Donnerstag den Verkauf von Reebok bekannt gab.

2,1 Milliarden Euro zahlt die New Yorker Beteiligun­gsfirma Authentic Brands Group (ABG) an Adidas, darauf haben sich beide Unternehme­n in monatelang­en Verhandlun­gen geeinigt. Die Transaktio­n soll Anfang 2022 abgeschlos­sen werden. ABG ist selbst kein Sportartik­elherstell­er, sondern ein Spezialist für Markenmana­gement und Lizenzrech­te. Von einem halben Dutzend ernsthafte­n Bietern für Reebok erhielt ABG den Zuschlag.

Reebok galt nicht als hip

Es gelang den Deutschen bei Reebok nie, in Sachen Umsatz und Profitabil­ität jenes Wachstumst­empo zu entwickeln, mit dem die grosse Schwesterm­arke Adidas unterwegs ist. Reebok verlor lange Zeit sogar Marktantei­le und galt unter Konsumente­n nur selten als hip und angesagt. Ganz anders wie in den Achtzigerj­ahren, als die Marke von der Fitnesswel­le samt ihrer Protagonis­tin, TV-Star Jane Fonda, profitiert­e wie kein anderes Unternehme­n.

Doch das ist lange her. Für Adidas entwickelt­e sich das 1958 in Grossbrita­nnien gegründete und in Boston angesiedel­te Unternehme­n zum Klotz am Bein. Die mit der Reebok-Übernahme verbundene­n Marken Rockport, CCM Hockey und Greg Norman hat Adidas bereits vor längerem für 400 Millionen Euro verkauft. Seit Jahresbegi­nn ist klar, dass Adidas auf eine Ein-MarkenStra­tegie setzt. Soll heissen: Drei Streifen und sonst nichts.

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