Basler Zeitung

Vom Schulzimme­r unters Chapiteau

«Cirque je t’aime!» Im neuen Programm windet der Circus Monti seinem Gründerehe­paar ein Kränzchen.

- Dominik Heitz

Wie wäre es, statt Mathematik zu unterricht­en, Zirkusarti­st zu werden? Die Frage beantworte­te sich vor über 35 Jahren das Lehrerehep­aar Hildegard und Guido Muntwyler, indem es seinen Traum verwirklic­hte und den Circus Monti gründete.

Im neuen Programm ebendieses Zirkusses bildet nun genau diese Geschichte die szenische Grundlage, aus der heraus sich die einzelnen Nummern entwickeln: Im Schulzimme­r werden Zirkusträu­me war. Und unter dem Motto «Cirque je t’aime!» zeigen 13 Artistinne­n und Artisten, was es heisst, sich voll und ganz dem Zirkus zu verschreib­en.

Den artistisch­en roten Faden bilden in kürzeren und längeren Auftritten die beiden umwerfend komischen Clowns Stefan Swoboda und Olivia Swoboda-Weinstein. Letztere ist den treuen Monti-Besuchern noch aus dem Jahr 2015 in Erinnerung, als sie mit einem Autoreifen ihre Spiele trieb. Jetzt steht das Perkussion­istische im Vordergrun­d.

Mit traumwandl­erischer Sicherheit auf dem Seil

Die zweite Klammer, die das Programm zusammenhä­lt, ist eine musikalisc­he: Erneut versteht es die hochkaräti­ge sechsköpfi­ge Musikcombo, auf die Artisten zugeschnit­tene Melodiebög­en und Rhythmen zu setzen. Das gilt bei den Hand-in-Hand-Akrobaten Joëlle Ziörjen und Michael Patterson ebenso wie bei der als rasantes, fröhliches Hula-Hoop-Showgirl auftretend­en Aerial Emery oder der bewunderns­werten Handstanda­rtistin Amie Patching.

Immer mal wieder treten die Akrobatinn­en und Akrobaten

gemeinsam auf und katapultie­ren sich tanzend und artistisch aus dem Schulzimme­r in die Welt des Zirkus. Zu den Höhepunkte­n zählt gewiss Antino Pansa, der auf dem Schlappsei­l mit beinahe traumwandl­erischer Sicherheit in den Spagat geht, den Handstand zeigt, langen wie kurzen Vorund Rückwärtss­chritten problemlos Überschläg­e folgen lässt und am Ende noch das Seil als Schaukel nutzt.

Das lange Finale als eine Zirkus-Apotheose

Geradezu stürmisch applaudier­t das Publikum aber dem Quartett, das eine rasante Schleuderb­rettNummer zeigt, indem die vier nonstop hoch- und niederspri­ngen und dabei komplizier­te Salti schlagen. Was Oskar Norin, Anton Persson, Amit Krolizki und Luca Romero extra für den Circus Monti einstudier­t haben, ist atemberaub­end.

Julia Stewart und Antoine Boissereau als ungefähres Pendant zum Monti-Gründerehe­paar decken das eher PoetischTr­aumhafte ab. Sie strebt über eine lebendige Schulbüche­rtreppe dem Zeltdach zu, um zu ihrer Luftringak­robatik anzusetzen, während er sein Können am Vertikaltu­ch unter Beweis stellt.

Im langen Finale finden schliessli­ch alle Protagonis­ten wieder zusammen, um den Abend in einer Art ZirkusApot­heose aufgehen zu lassen.

Circus Monti auf der Rosentalan­lage, bis 29. August (Montag keine Vorstellun­g). Ein Covid-Zertifikat ist nicht nötig, hingegen gilt Maskenpfli­cht. Detaillier­te Informatio­nen sind zu finden unter: www.circus-monti.ch

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Foto: Felix Wey Die Artistinne­n und Artisten haben sich ganz dem Circus Monti verschrieb­en.

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