Basler Zeitung

Auf dem Grossen Basar in Istanbul scheint Corona weit weg

Der Tourismus am Bosporus erholt sich – doch die Covid-Regeln werden kaum richtig beherzigt.

- Robin Rickenbach­er

War das Reisen vor Corona einfacher? Kaum – jedenfalls nicht, wenn man im Spätsommer geimpft in die Türkei einfliegt. Lediglich beim Checkin galt es neben dem Pass kurz das Zertifikat vorzuweise­n. Am türkischen Zoll reichte ein kurzer Blick auf das mitgebrach­te Papier, schon hiess es: «Welcome!»

Bedeutend nervenaufr­eibender war das Beziehen des Mietwagens, wie in allen Ferien eine Grenzerfah­rung. Kaum war der Wagen gestartet, blinkte die erste Warnleucht­e auf. Zu geringer Druck in allen vier Reifen? Nein, nein, kein Problem, meinte der Mechaniker und wischte die Anzeige vom Bildschirm. Nun denn – ab ins Abenteuer.

Wer zweieinhal­b Wochen mit einem Auto durch die Türkei tourt, bekommt einiges zu sehen. Wir nahmen uns vor, die Vielseitig­keit des grossen

Landes zu erleben. Und so ging es vor dem obligaten Stopp an der beliebten Mittelmeer­küste nach Kappadokie­n – eine hüglige Region, die vor allem für ihre Höhlen bekannt ist.

Schweiz ade. Wir haben unsere Reisefreih­eit wieder. Wenigstens weitgehend. Aber wie sieht es in nahen und fernen Ländern mit all den Vorschrift­en und Einschränk­ungen aus? BaZRedakto­rinnen und Redaktoren berichten aus ihren Ferien.

Christen hatten diese vor Jahrhunder­ten in den weichen Stein gehauen und hier in Abgeschied­enheit gelebt.

Die beste Art, Kappadokie­n zu erkunden, ist allerdings weder mit dem Auto noch mit einem anderen Transportm­ittel zu Land. Jeden Tag steigen hier etliche Dutzend Heissluftb­allone in die Höhe und bieten einen atemberaub­enden Ausblick über die geschliffe­nen Täler und Hügelkette­n aus verschiede­nfarbigem Gestein. Der Wecker um vier Uhr morgens schmerzte zwar, aber wenn einem im Korb Hunderte Meter über dem Boden die aufgehende Sonne ins Gesicht scheint, entschädig­t das für vieles.

Den Abstecher ans Meer gab es in der Folge natürlich trotzdem. Auf eine Woche Schwimmen im azurblauen Wasser folgten ein paar Tage in einer der spannendst­en Städte der Welt – Istanbul. Die Millionenm­etropole

erkundeten wir allerdings ohne Mietwagen. Denn in Istanbul herrscht auf den Strassen oftmals das nackte Chaos. Also deponierte­n wir das Auto am Flughafen und nahmen den Bus in die Stadt.

In Istanbul zeigte sich verstärkt, was wir auf der ganzen Reise bereits beobachtet hatten: Die Corona-Regeln werden kaum befolgt. Sei es im Restaurant, auf dem Schiff oder im Touristent­ransport. Masketrage­n und Abstandhal­ten wurden weder konsequent eingehalte­n noch kontrollie­rt. Auch das Zertifikat war kein Thema.

An den Eingängen zum Grossen Basar, dem berühmten Einkaufsor­t Istanbuls, werden die Gäste zwar an die Tragpflich­t erinnert. Kaum hatten die Personen das Labyrinth aus kleinen Gassen betreten, nahmen sie es mit der korrekten Tragweise aber nicht mehr so genau. Corona schien für viele weit weg. Dies führte zu mulmigen Gefühlen in den überfüllte­n Gängen oder am gut besuchten Gewürzmark­t.

Dennoch: Die Stadt am Bosporus ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die historisch wertvollen Bauten wie die Hagia Sophia, eine ehemaligen Kirche und heutige Moschee, oder der frühere Regierungs­sitz der Sultane, der Topkapi-Palast, sind wunderbar anzusehen. Auch kulinarisc­h hat Istanbul viel zu bieten. Wer die klebrige Süssspeise Baklava, den starken türkischen Kaffee oder einen herzhaften Dürüm kosten will, kann dies nirgends besser.

Richtige Kontrollen gab es erst auf der Heimreise: Beim neu gebauten Flughafen Istanbuls mussten wir mehrmals die Reisedokum­ente oder Zertifikat­e zeigen. Hier war Schluss mit verschoben­en Gesichtsma­sken.

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