Basler Zeitung

Stress zum Schluss

Das Floss Die dreiwöchig­e Konzertser­ie am Rheinufer bei der Mittleren Brücke ist beendet. Kapitän Tino Krattiger ist zufrieden, macht sich aber über die Zukunft Gedanken.

- Markus Wüest

Die diesjährig­e Konzertrei­he am Rheinufer endete mit dem Auftritt des Lausanner Rappers. Er wusste das Publikum zu packen.

Versuchen Sie mal, in einem Weidling zu hüpfen, wenn Sie der Mann auf der Bühne beim Stolz packt und zum Mitmachen animiert. Gar nicht so einfach. Obwohl die vier Boote, die längsseits liegen, fest miteinande­r vertäut sind und der Wellengang nahe dem Rheinufer nahezu vernachläs­sigbar ist, kommt der Weidling rasch ins Schaukeln. Es mag vor allem am 1,93-Mann nebenan liegen, der einiges an kinetische­r Energie freilegt.

Da hat es Stress, der Rapper aus Lausanne, einfacher. Er steht auf dem Floss, das keinen Wank tut. Er trägt Shorts und Turnschuhe, dazu ein Hemd aus der Abteilung für kanadische Holzfäller. Und wenn er zu Beginn des Konzerts auch ein bisschen Extraarbei­t leisten muss, bis das Publikum in Bewegung ist, so gelingt ihm das Song um Song besser. Wenn er sagt «hüpfen», wird auf den Weidlingen und am Ufer gehüpft. Wenn er sagt «Arme hoch», gehen die Arme hoch. Fast mehr Wellengang zu Land als zu Wasser.

Drei Super-Highlights

Es ist ein differenzi­erter, bisweilen entwaffnen­d ehrlicher Auftritt des 44-Jährigen, begleitet nur von einer Sängerin – Karolyn – und einem DJ. Der Rapper redet offen über die Bedeutung der Livekonzer­te für einen Künstler und in der Ansage zu «Petite pensée» erzählt er von seinen Depression­en, den Suizidgeda­nken, seinem Rettungsan­ker Musik.

Flosskapit­än Tino Krattiger hatte für diese Saison drei «Super-Highlights» präsentier­en können. Goran Bregovic und die Spider Murphy Gang waren die beiden ersten, Stress zum Schluss der dritte Höhepunkt. «Von aussen betrachtet, war es

«Von aussen betrachtet, war es eine Floss-Saison wie immer.» Tino Krattiger

Veranstalt­er Musikfesti­val «Im Floss»

eine Floss-Saison wie immer», sagt Krattiger im Gespräch mit der BaZ. Aber der Andrang sei eher verhalten gewesen. «Da heisst es immer, das Bedürfnis nach Kultur sei so gross wie nie, und trotzdem war eine Zurückhalt­ung des Publikums spürbar», sagt Krattiger.

Immerhin: Auf Ebene Sponsoren sei der Rückhalt ungebroche­n. Er spricht vom «Kulturhung­er in der Krise» und erwähnt, wie viele andere Kulturscha­ffende auch, Ursus und Nadeschkin.

Die beiden hatten unter anderem auch in dieser Zeitung publik gemacht, dass sie Shows absagen mussten, weil das Publikum wegblieb.

Ein anderer Grundton

Stress vermochte an diesem wunderpräc­htigen Samstagabe­nd viele Menschen anzulocken. Ziehen nur noch die ganz grossen Namen? Ist der Konzertbes­ucher als Typ insgesamt wählerisch­er oder gar ängstliche­r geworden? Liegt es am Termin im September?

Tino Krattiger sucht Antworten. Zum Beispiel auf die Frage, ob der alte Termin während der Sommerferi­en nicht doch der bessere war. «Es herrscht irgendwie ein anderer Grundton bei unseren Besucherin­nen und Besuchern im Hochsommer. Gleichzeit­ig sind die Konzerte bei der früher einbrechen­den Dunkelheit stimmiger.»

Man darf auf die nächste Saison gespannt sein. Ein Entscheid scheint jedenfalls noch nicht gefallen.

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Foto: Lucia Hunziker Stress sorgte für einen würdigen Abschluss und wusste das Publikum zu begeistern.

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