Basler Zeitung

Basel und der fehlende Stadthafen

Vor 15 Jahren gab es eine Vision für einen urbanen Jachthafen in Basel, dem die Stadt die kalte Schulter zeigte – eine verpasste Chance.

- Alexander Müller

Städte, die nah am Wasser gebaut sind, haben ein ganz eigenes Flair. Das gilt ganz besonders für Hafenstädt­e am Meer, aber auch für solche, die an einem grossen Fluss liegen wie Basel. Selbst Zürich ist am See ganz nett. Die Gewässer haben eine Sogwirkung auf die Menschen. Um in einer fremden Stadt ein gutes Restaurant zu finden, ist es selten falsch, sich in der Nähe des Hafens umzusehen. Häfen sind die Lebensader ganzer Regionen, dort ist meistens etwas los.

Betriebsam­keit herrscht in Hafenstädt­en aber nicht nur am Ufer, sondern – natürlich – vor allem auch auf dem Wasser. Und seit Corona noch ein gutes Stück mehr als vorher. Die private Schifffahr­t erlebt seit rund 18 Monaten einen regelrecht­en Boom. Die Zahl jener, die einen Bootsführe­rschein machen, ist stark gestiegen

– auch in Basel. Und Werften freuen sich weltweit über volle Auftragsbü­cher.

Am Rheinknie tut man sich aber leider von jeher ein wenig schwer mit der privaten Schifffahr­t. Wer in Basel einen Bootsliege­platz sucht, braucht viel Geduld. Die Wartefrist für einen der wenigen Liegeplätz­e im kleinen Jachthafen beträgt rund zehn Jahre. Einen freien Platz an einer Boje gibt es immerhin nach rund einem Jahr. Sehr spärlich sind auch die verfügbare­n Anlegeplät­ze für Touristen gesät, die per Boot anreisen.

In Basel ist die Beziehung mit dem «Bach» ein bisschen unterkühlt.

Ganz anders im Ausland. Mancherort­s sind ganze Regionen oder sogar Länder auf Bootstouri­sten ausgericht­et. Rund um Berlin gibt es über 1000 Seen. Viele davon sind über Kanäle und Flüsse miteinande­r verbunden und bilden ein riesiges Wasserspor­trevier.

Freizeitka­pitäne können dieses Gebiet sogar ohne Führersche­in auf dem Wasser erkunden. Selbst mitten durch Berlin, vorbei am Kanzleramt dürfen die Boote gesteuert werden. Auf diesem Abschnitt der Spree gilt allerdings die Führersche­inpflicht.

Kroatien lockt erfahrene Freizeitka­pitäne mit einer gut ausgebaute­n Hafeninfra­struktur an die Adriaküste. Eine riesige Bedeutung hat das Wasser und die Freizeitsc­hifffahrt beispielsw­eise auch in Metropolen wie Amsterdam oder Miami. An den Kanälen dieser beiden Städte gibt es unzählige Hafenanlag­en und Liegeplätz­e. An Floridas Südostküst­e gibt es sogar Fast-Food-Restaurant­s, die über einen eigenen Bootsanleg­er verfügen.

Restaurant­s, die man per Boot ansteuern kann, gibt es auch auf den grossen Seen der Schweiz einige paar wenige. Die vielen verschiede­nen Ansprüche an den öffentlich­en Raum rund um die Uferzonen machen einen weiteren Ausbau der Infrastruk­tur für die Freizeitsc­hifffahrt allerdings sehr schwierig.

In Basel sind erweiterte Anlagen trotz des Booms bei den Bootsfans kein Thema. Zuletzt wurde im Jahr 2006 am Rheinknie leidenscha­ftlich über einen neuen Hafen für die Freizeitsc­hifffahrt diskutiert. Damals hatte Werner Abt, der Inhaber eine Möbelfirma, eine Vision für die Umgestaltu­ng des Kasernenar­eals vorgestell­t.

«Basel ist eine Hafenstadt, und ich will einen Stadthafen», sagte sich Abt und entwarf Visualisie­rungen und Grundrisse für einen Jachthafen auf dem Kasernenar­eal.

Damit sorgte er wochenlang für Diskussion­en in der Stadt. Am Ende fand die Idee jedoch leider kein Gehör.

Damit hat Basel aber eine städtebaul­iche Chance verpasst. Rund um die Jachthäfen haben sich in vielen Städten rund um den Globus spannende Quartiere mit Restaurant­s direkt am Wasser, Bars und schönen Wohnungen entwickelt. In Basel aber ist die Beziehung mit dem «Bach» ein bisschen unterkühlt. Daran mag vorerst auch der Boom der Freizeitsc­hifffahrt nichts zu ändern.

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