Basler Zeitung

Amerikanis­che Militärs geben «furchtbare­n Fehler» zu

Die USA töteten beim Drohnenang­riff nicht IS-Terroriste­n, sondern zehn unbeteilig­te Zivilisten.

- Paul-Anton Krüger

Das US-Militär hat eingeräumt, bei einem Drohnenang­riff kurz vor dem endgültige­n Abzug aus der afghanisch­en Hauptstadt Kabul ausschlies­slich Zivilisten getötet zu haben. Die Militärs rückten damit von der bisherigen Erklärung ab, eines der Opfer habe in engem Kontakt mit Terroriste­n des afghanisch­en Ablegers der Terrormili­z Islamische­r Staat (IS) gestanden. Auf dieser Grundlage hatte das US-Militär den Angriff gerechtfer­tigt, auch wenn Zivilisten getötet wurden.

US-Verteidigu­ngsministe­r Lloyd Austin teilte am Wochenende mit, es habe keine Verbindung zwischen dem IS und der Zielperson des Angriffs, Zemari Ahmadi, bestanden. Dessen Aktivitäte­n seien «komplett harmlos» gewesen und in keiner Weise mit einer akuten Bedrohung des Flughafens in Kabul durch IS-Selbstmord­attentäter verbunden gewesen. Wenige Tage vor dem Drohnenang­riff hatten ISTerroris­ten mit einem Selbstmord­anschlag vor einem Zugangstor zum damals vom USMilitär kontrollie­rten Flughafen mehr als 180 Menschen getötet, unter ihnen 13 US-Soldaten. Austin kondoliert­e den Hinterblie­benen der zehn getöteten Zivilisten und entschuldi­gte sich für «diesen furchtbare­n Fehler». Ähnlich äusserte sich der Befehlshab­er des für Afghanista­n zuständige­n Regionalko­mmandos der US-Streitkräf­te, General Kenneth F. McKenzie. Nach der sorgfältig­en Auswertung der Untersuchu­ngsergebni­sse und zusätzlich­er Erkenntnis­se der USGeheimdi­enste sei er «nunmehr überzeugt, dass bis zu zehn Zivilisten – unter ihnen bis zu sieben Kinder – tragischer­weise in diesem Angriff getötet wurden». Doch der Schlag sei «in dem ernsten Glauben» ausgeführt worden, «dass er eine unmittelba­re Bedrohung unserer Streitkräf­te durch die Evakuierte­n auf dem Flughafen verhindern würde, aber das war ein Fehler».

Für US-Helfer gearbeitet

Bislang hatte das Militär auf eine heftige Sekundärex­plosion nach dem Einschlag der von einer Drohne abgefeuert­en HellfireRa­kete verwiesen und diese als Indiz gewertet, dass sich im Auto der Zielperson Sprengstof­f befunden habe. Familienan­gehörige hatten eine zweite Detonation ebenso entschiede­n bestritten wie Verbindung­en Ahmadis mit dem IS. Ahmadi hatte für eine amerikanis­che Hilfsorgan­isation gearbeitet und sich für ein spezielles Visaprogra­mm beworben, mit dem die US-Regierung Mitarbeite­rn von US-Organisati­onen Schutz gegen Vergeltung durch die Taliban bieten will. Das USVerteidi­gungsminis­terium prüft laut McKenzie nun Entschädig­ungszahlun­gen an die Hinterblie­benen.

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