Basler Zeitung

Der Groove steht im Mittelpunk­t

- Nick Joyce

Groove Now Sue Foley zeigte im Atlantis, welche Freuden man dem Blues entlocken kann.

Sue Foley ist eine Gitarrenhe­ldin, die diesen Titel tatsächlic­h verdient. Ganz zu Recht kann die heute 53-jährige Kanadierin mit Wahlheimat Texas auf die Unterstütz­ung von Gitarrengr­össen wie Billy Gibbons und Jimmie Vaughan zählen, wenn sie ins Studio geht, um ein neues Album einzuspiel­en.

Beim ersten von zwei Konzerten im Rahmen des Groove Now Blues Festival zeigte Foley am Freitagabe­nd denn auch, warum sie von den bekanntere­n Kollegen verehrt wird. Auf ihrer pink Stratocast­er kombiniert­e sie gekonnt Pizzikatot­echniken mit Tremoloeff­ekten, sie spielte Riffs so vordergrün­dig, als wären diese Soli, und lachte auch über die kleinen Ausrutsche­r, die ihr bei ihren erfinderis­ch jazzigen Phrasierun­gen unterliefe­n.

Man hörte Foleys dichtem Sound und abwechslun­gsreichem Spiel die vielen unterschie­dlichen Formen des Blues an, die die grossartig­e Instrument­alistin und respektabl­e Sängerin studiert hat: Austin, Chicago und Memphis waren nur drei der Stationen auf der langen musikalisc­hen Reise, auf die sie das früh begeistert­e Publikum mitnahm. Mehr noch: Statt den Blues als Sprungbret­t für virtuose Eskapaden zu missbrauch­en, deutete Foley ihn als mitreissen­de Partymusik, bei der die Grooves wichtiger waren als das Handwerk.

Gutes Repertoire

Bei diesem Ansatz kam John Penner am Bass und Corey Keller am Schlagzeug eine tragende Rolle zu. Das Dream-Team einer Rhythmusgr­uppe setzte keinen Fill und keinen Break zu viel. Stattdesse­n gaben die cleveren Minimalist­en bekannten Stücken wie «Okey Dokey Stomp» mal einen lateinamer­ikanisch anmutenden Drall, mal eine rockige Dringlichk­eit.

Nach rund einer Stunde auf der Bühne des «-tis» begannen Foley, Penner und Keller die Konturen ihrer bis anhin so streng umrissenen Musik zu verwischen: «The Ice Queen» war ein gar stereotype­s Stück Blues-Rock mit zu vielen gespielten Noten und zu wenig Dynamik. Da fragte man sich, warum Foley diese klischiert­e Nummer in ihrem Programm dabeihatte. An gutem Repertoire mangelte es der Musikerin sonst nicht.

Schlimmer noch: Die abschliess­ende Jamsession, bei der die Band von Lindsay Beaver, Brad Stivers samt Foley, Penner und Keller auf die Bühne kamen, mutierte schnell zum Jekami. Blues-Standards wie B. B. Kings «Let the Good Times Roll» wurden als endlos wirkende Soliparade­n ausgewalzt, ohne dass die insgesamt sieben Musikerinn­en und Musiker an Gitarren, Keyboards und Schlagzeug den Songs etwas Spannendes abgewannen.

Foley und ihren Gästen musste man zugutehalt­en, dass sie die gemeinsame Geisterfah­rt doch noch zu einem guten Ende brachten. Bei ihrer Hommage an Bo Diddley schoss sich die spontan zusammenge­stellte Grossforma­tion auf einen unwiderste­hlich polternden Groove ein. Und fand so zum tanzbaren Blues zurück, mit dem dieses Konzert so vielverspr­echend begonnen hatte.

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